Edi Finger jun. über Vater und den Fußball

30. Juni 2003, 16:50
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Edi Finger, der Ingenieur, überhöhte den 3:2-Sieg Österreichs über Deutschland bei der WM 1978 zum Medienereignis: "I wea naarrisch!" Johann Skocek sprach mit dem Sohn, dem Radioreporter Edi Finger jun., über den Vater, den Fußball, das Land.

Wien - Edi Finger jun. (54!) und sein Kollege Adi Niederkorn (Ö3) haben als einzige ORF-Sportler eine Marke, "Edi & Adi", kreiert, die über den heimischen (Fußball-)Sport hinauswirkt. Edi Fingers Vater, der "Ingenieur" Edi Finger, führte den Buben seinerzeit in die Szene ein, nur in Córdoba war er nicht. Seit damals ist der 3:2-Sieg der Österreicher über die Deutschen in einem WM-Gruppen-Spiel und die nationale Selbstbeweihräucherung auch Teil der Familiengeschichte derer von Finger. Am Samstag moderiert er am Donauinselfest eine Córdoba-Gedenkshow plus Spielfilm mit Ing.-Finger-O-Ton. (20.30, Sportinsel). Am Nachmittag Wettbewerb: Wer schreit am besten "I wea narrisch!!"?

STANDARD: Was macht den Sieg von Córdoba so einzigartig für Österreich?
Finger: Es gibt in diesem, dem 20. Jahrhundert, kein vergleichbares Medienereignis. Ein Radioreporter, mein Papa, hat das große Medium Fernsehen besiegt, er hat das Match ja für Ö3 gemacht.

STANDARD: Sind seit damals die Reporter prinzipiell gleichberechtigte Stars neben den Sportlern?
Finger: Das war doch immer schon so. Wer kann sich noch erinnern, wer die Schlacht von Marathon geschlagen hat? Aber nach dem Überbringer der Nachricht veranstalten sie noch heute die Marathons. Man sagt: Was sie im Radio gesagt haben oder was in der Zeitung steht, stimmt. Stimmt's?

STANDARD: Warum hat Österreich im Vergleich zu anderen Ländern kaum echte Stars?
Finger: Das gilt nicht nur für den Sport. Ich bin als Kind mit dem Moser, dem Paul und dem Attila Hörbiger und dem Meinrad zusammen gewesen, heute fallen mir nur der Schenk und der Lohner ein, und die sind zusammen 150. Wir haben ein Problem mit unseren Stars. Und im Fußball haben wir Anfang der 90er die internationale Leistungsexplosion verschlafen.

STANDARD: Vor 1978 gab's keine Nachwuchsförderung, woher kamen die Fußballer?
Finger: Das war ein Wunder, null Infrastruktur, und plötzlich waren da 15 Weltkicker. Wir hatten das Problem, ob der Welzl, der Schachner oder der Krankl spielt!

STANDARD: Wann kommt wieder ein Córdoba?
Finger: Alle 47 Jahre. Vorher haben wir unsere Nordnachbarn 1941 geschlagen, die österreichischen Kicker sind dann an die Front gekommen, ganz zufällig. Jetzt sind seit 1978 schon wieder 25 Jahre vergangen, also wir nähern uns wieder einem Córdoba.

STANDARD: Hat Córdoba dem Fußball mehr gebracht, der Nation oder den Medien?
Finger: Den Fußballern hat's nichts genützt, keine Nachwuchszentren, keine Jugendinitiative, nix. Für die Medien war das ein großer Gewinn. Der Günther Jauch hat mir einmal darüber erzählt: Es war ein schreckliches Match, aber das schrecklichste für mich war der Kommentar vom Finger, der hat das zum Medienereignis gemacht.

  • Edi Finger jun.
    foto: privat

    Edi Finger jun.

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