Manager für "Baustelle" Digitalfernsehen

20. Juni 2003, 15:53
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Leiter für Projekt Graz digital ist bestellt: Bruno Josseck organisierte schon Austro-Mir

Ab Juli hat das Pilotprojekt Digitalfernsehen einen Manager, bestätigt Alfred Grinschgl von der Rundfunk-und Telekomregulierung RTR dem STANDARD: Bruno Josseck, derzeit am Institut für Nachrichtentechnik und Wellenausbreitung an der Technischen Universität Graz tätig, wird Projektleiter für den Probelauf in der steirischen Landeshauptstadt.

Ablaufplan

Erste Aufgabe: ein Ablaufplan für das Projekt. Noch im November sollen die ersten digitalen Fernsehsignale in Graz ausgestrahlt werden. Vor allem zu Messzwecken: Wann genau welche Programme zu sehen sind, ist offen. Neben dem ORF, wie Siemens und Telekom Austria Projektpartner, könnten das ATV oder auch der junge Wiener Kabelsender gotv sein. Ab 2004 jedenfalls soll auf den Frequenzen richtiges Fernsehprogramm angeboten werden.

Höchste Zeit: Im ersten "Digitalisierungsbericht" an den Nationalrat steht, dass Digitalfernsehen für weitere Gebiete schon ab Ende 2004 anzugehen wäre. Darunter Wien und "möglichst alle Landeshauptstädte" bis Ende 2006.

Danach wird es langsam ernst für jene, die noch analog fernsehen: Ab Ende 2006 will Grinschgls RTR "signifikante Einschränkungen" bei dieser gewohnten Art des Empfangs nicht mehr ausschließen.

"Schönfärberei"

"Das wäre Schönfärberei", sagt der RTR-Chef im STANDARD-Gespräch. Nämlich zu behaupten, mit vorhandenen Frequenzen flächendeckend analoges und digitales Fernsehen anbieten zu können.

"Das ist wie im Straßenbau", sagt Grinschgl. Erweitert man ein Straßenstück von einer auf vier Spuren, behindert die Baustelle erst einmal den Verkehr, sorgt aber dann für ungleich höhere Kapazitäten. Hat auf einer analogen Frequenz gerade ein TV-Programm Platz, sind es digital deren vier in verbesserter Bildqualität und mit zusätzlichen Dateninformationen.

Auf dem Weg warten Baustellen auf den Konsumenten: "Ich kann nicht ausschließen, dass manche Haushalte kurzfristig keinen analogen Empfang mehr haben."

Dann heißt es rasch einen Decoder oder einen neuen Fernseher mit eingebautem Decoder anschaffen, wie man ihn ab 2010 oder 2012 ohnehin braucht. Aber nichts überstürzen: Auch Grinschgl selbst würde solche - schon verfügbaren - Geräte heute noch nicht kaufen. (Harald Fidler/DER STANDARD; Printausgabe, 21./22.6.2003)

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