Unternehmensanleihen boomen

2012 dürfte ein Boomjahr für Corporate Bonds werden, rege Nachfrage verzeichnen die Investmentbanken auch bei Privaten

Wien - 2012 dürfte ein Boomjahr für Unternehmensanleihen werden. "Wir werden heuer sicher das erste Mal die 5 Mrd.-Euro-Grenze knacken", sagte Günther Lindenlaub, Head of Credit Markets in der Raiffeisen Bank International (RBI), am Freitag bei einem Pressegespräch. Dem konnte sein Kollege Herbert Tempsch von der UniCredit Bank Austria nur zustimmen. Die RBI hat in diesem Jahr bereits rund 2,5 Mrd. Euro an Corporate Bonds gemanagt, die Bank Austria knapp 2,0 Mrd. Euro und die Erste Group gut 2 Mrd. Euro. Teilweise hat es dabei - wie bei der heute vorgestellten conwert-Anleihe - auch Überschneidungen zwischen den Instituten gegeben.

Beim derzeitigen Umfeld sei es gut für ein Unternehmen, sich auf verschiedene Finanzquellen verlassen zu können, so Lindenlaub am Freitag am Rande eines Pressegesprächs in Wien. "Die Pipeline ist voll", so der RBI-Investmentbanker. Heuer habe sein Institut bereits zehn österreichische Corporate Bonds auf den Markt gebracht. Aktuell seien zwei in Vorbereitung, im zweiten Halbjahr seien noch etwa 20 Firmenanleihen geplant. Ab 2008 lag das jährliche Volumen zwischen 3 und 5 Mrd. Euro, heuer dürfte erstmals die 5-Milliarden-Grenze fallen. "Anleihen scheinen aus Investorensicht stabiler zu sein", so Lindenlaub.

Weitere in der Pipeline

Auch bei der UniCredit Bank Austria befinden sich laut Tempsch aktuell noch zwei weitere Unternehmensanleihen in der Pipeline, mit Laufzeiten zwischen fünf und sieben Jahren. Die Nachfrage nach Firmenanleihen sei rege, das Interesse privater Anleger sei etwa um 25 Prozent gestiegen. "Das ist kein Einmaleffekt, man kann von einer langfristigen Entwicklung ausgehen", zeigte sich Tempsch überzeugt.

Bei der Erste Group geht man für das Gesamtjahr 2012 von einem Emissionsvolumen von Unternehmensanleihen österreichischer Emittenten in Höhe von etwa 5 Mrd. Euro aus.

Ein mit der geplanten 50-Mio.-Anleihe vergleichbarer Bankkredit hätte die conwert rund 6,5 Prozent gekostet. Das wäre "substanziell teurer gewesen als die derzeit indizierten 5 3/4 Prozent für die Anleihe", so conwert-Verwaltungsratsvorsitzender Johannes Meran. Der indizierte Preis der Anleihe liege 4,5 Prozentpunkte über der vergleichbaren Rendite einer Bundesanleihe und sei somit marktkonform. Tempsch rechtfertigte die Mehrkosten eines Bankkredites mit den zusätzlichen Liquiditätskosten einer Bank. Die Preisfestsetzung der Anleihe (Bookbuilding) findet von 4. bis 6. Juni statt. (APA, 1.6.2012)

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