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Bei vielen Arbeitgebern zählt ein Bachelor nicht viel.
Bei Einführung des Bologna-Systems jubelte vor allem die Wirtschaft: Mit dem neu eingeführten Bachelor-Abschluss erhofften sich die Personalchefs praxiserfahrene, junge und formbare Universitätsabsolventen.
13 Jahre nach Unterzeichnung der Bologna-Erklärung fällt das Fazit resignierend aus - meint Klaus Schedler von der Wirtschaftskammer Österreich: "Man hätte die Studienpläne neu denken sollen. Stattdessen betreiben die Universitäten immer noch fast ausschließlich wissenschaftliche Nachwuchsrekrutierung."
Der Leiter der Abteilung Bildungspolitik kritisiert die seit Humboldt vorherrschende Meinung, dass universitäre Bildung und Berufsausbildung im deutschsprachigen Raum stets als zwei konträre Dinge aufgefasst werden. Die Folgen sind laut Schedler verheerend: Massen an mittelmäßig ausgebildeten Uni-Absolventen, die in brotlosen Bereichen landen.
"Für die meisten Studierenden ist der Bachelor nur eine halbe Sache. Ihnen ist klar, dass sie einen Master brauchen", meint Janine Wulz, Vorsitzende der ÖH. Die Zahlen geben ihr Recht: Die mit Abstand größte Mehrheit österreichischer Studierender gibt sich nicht mit einem Bachelor-Abschluss zufrieden, an der TU Wien schließen gar über 90 Prozent der Studierenden mit einem Master ab. Offensichtlich sind die heimischen Bachelor-Absolventen noch nicht reif für den Berufseinstieg.
"Master macht immer Sinn"
"Meiner Meinung nach macht es immer Sinn, mit einem Master abzuschließen", findet auch Johannes Zimmerl. Der Personaldirektor bei Rewe betont zwar, dass die meisten Uni-Absolventen - ganz gleich ob Bachelor oder Master - eine hervorragende Bildung genossen haben, doch eine Veränderung in Richtung Anwendungsorientiertheit oder Praxisnähe kann er seit Einführung von Bologna nicht feststellen.
"Derzeit ist die Erwartungshaltung der Arbeitgeber noch, dass die Studierenden nach drei Jahren in etwa das gleiche Profil wie bei den fünfjährigen Studien vorher haben", meint Adalbert Prechtl, Vizerektor für Lehre an der Technischen Universität Wien. Dies sei jedoch nur möglich, wenn die Studiengänge von Beginn an eine starke Spezialisierung vorgeben. Genau dies sei das Modell der Fachhochschulen, dessen Bachelor-Absolventen laut Prechtl bereits reif für den Arbeitsmarkt sind.
An den Universitäten habe man jedoch einen anderen Weg gewählt: Der Bachelor diene nur als Grundausbildung, die Spezialisierung müsse entweder durch einen Master oder aber beim Betrieb selbst erfolgen.
Letztgenanntes ist ein in Amerika sehr übliches Modell, welches besonders für größere Unternehmen interessant ist. Auch in Mitteleuropa werben einzelne Firmen bereits gezielt um Bachelor-Absolventen, beispielsweise die deutsche Bosch GmbH. Nach einem Jahr Arbeitszeit bietet sie ihrem Nachwuchs an, bei Bedarf einen berufsbegleitenden Masterstudiengang zu absolvieren. Solch berufsbegleitende Studien gibt es an österreichischen Universitäten bislang aber nur vereinzelt.
"Der Bachelor ist einfach noch nicht in den Köpfen drin - sowohl bei der Wirtschaft als auch bei den jungen Leuten", weiß Barbara Hinterstoisser, Vizerektorin an der Wiener Universität für Bodenkultur. Mittelfristig werde sich das aber ändern. Die Boku hat das Bologna-System bereits 2004 eingeführt, wobei die Umstellung der Studienpläne sich bis ins letzte Jahr gezogen hat. Bei der Überarbeitung der Studiengänge wurden Alumni und Vertreter aus gewählter Firmen gebeten, Kritik und Änderungswünsche zu äußern. Herauskristallisiert hat sich ein Bachelor mit Fokus auf Anwendungsorientiertheit und ein Master zur wissenschaftlichen Spezialisierung. Hinterstoisser ist guter Dinge, dass der Bachelor bald in der öffentlichen Wahrnehmung nicht mehr nur als Studienabschluss für Studienabbrecher gilt. (Fabian Kretschmer, DER STANDARD, 2./3.6.2012)
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Die Diskussion um Studium ja/nein ist sinnlos. Nach dem Studium hat man zwar nur ein theoretisches Grundwissen und muss sich erst Praxis aneignen aber das Studium ist immer die Eintrittskarte und mehr und mehr Voraussetzung für den Jobeinstieg. Das Gehalt ist auch immer deutlich höher. Die Akzeptanz unter Kollegen/Kunden/Ansprechpartnern ist wesentlich höher wenn Du Mag. Dr. bist.
Der Bachelor ist jedoch nur als Aufbaulehrgang nach d. Matura zu sehen.
Wenn der Betrieb erst anfangen muss den Universitätsabgänger auszubilden und zu spezialisieren, kann er gleich fähige Lehrlinge und Meister für höhere Firmenaufgaben weiterbilden und braucht dafür keine Hochschulabsolventen.
das war vorher nicht anders!! ich nehme das beispiel WU > bwl studium her, jetzt studiert man für den bachelor 3 jahre für den magister hat man 4 jahre studiert, glauben sie im ernst, dass die 2 semester plus etwas großes ausmachen???? vor allem sind es 2 semester gefüllt mit wahlfächer und kleineren prüfungen und die 30 seiten mehr bei der diplomarbeit können es auch nicht sein, dass alles beim mag mehr wert ist. ich studiere an der wu wien und kenne das system vorher und jetzt...
Reichtum zählt mehr als irgendwelche Studienabschlüsse.
Sieht man bei manchen Adeligen, bei denen ein Titel vor dem Namen, den Namen entwerten würde.
Studienabschlüsse sind in der Mittelschicht nur etwas höher gestellt. Willige Systemerhalter die man mit ein bißchen mehr Krümmel ruhigstellt, als den üblichen Durchschnitt.
ein Gruselfilm erster Güte
über die Verwurstung der Hypnosegeneration:
http://www.youtube.com/watch?v=TE0JKY5w9rM
(Tip: beim Film gut anziehen, lt. Kritik der Frankfurter Rundschau "erfasst einen zugleich Kälte und Angst")
Wie sehr junge Menschen sich in ein System, das in Wirklichkeit "Pfitschigogerl" ist, hineinpressen lassen und es noch todernst nehmen, ist mir nicht mehr egal.
Global gesehen geht grad alles den Bach runter und ein Studium wird unter diesen Prämissen in ein paar Jahren Nüsse wert sein, aber die Youngsters feixen da über Karriere- und Jobchancen, passende Lebensläufe und die Wünsche der Personaler des Kommerz.
Ich frage mich: Will man die Realität micht mehr wahrnehmen oder ist einfach die Kraft dazu nicht mehr da?
Das Problem ist ja: nach einem heutigen Studium kann man, obwohl man einen richtigen Wasserkopf hat - de facto nichts. Man ist als jederzeit auswechselbares Rädchen in einer Konzernmaschinerie/Administration einsetzbar, aber dass dieses Wissen im praktischen Leben eine nennenswerte Relevanz hätte, ist leider ein Illusion.
ein Studium wird für die, die es verstehen, immer einen Wert haben. Der ist dann vielleicht nicht monetär ausdrückbar, macht aber auch in harten Zeiten einen frohen Geist. Karriereplaner kann man sowieso nicht ernst nehmen. Die haben Null Ahnung von der Arbeitswelt.
In den Geisteswissenschaften vermittelt ein Bachelorstudium in etwa das, was man früher im 1. Studienabschnitt eines Diplomstudiums gelernt hat- allgemeine Grundlagen und einen Überblick das Fach. Zumindest an der Uni Wien ist der BA-Studienplan stark verschult, man lernt keine Selbstorganisation und hat auch keine Zeit für wissenschaftliches Denken und Handeln.
Ich habe ein (naturw. ) Rigorosen-Doktorats-Studium, ein (geistesw.) Diplom-und anschließendes Doktoratsstudium abgeschlossen und ein weiteres (BA)-Studium begonnen (derzeit aus Zeitgründen unterbrochen), habe also einen gewissen Überblick über unterscheidliche Studienpläne.
Im Beruf musste ich auch nach der ersten Promotion noch viel lernen.
Meiner Meinung nach hängt es von dem zukünftigen Job ab, ob ein BA ausreicht. Dieser Abschluss ist eine Grundlage, auf der man entweder wissenschaftlich (Master, PhD) oder praktisch (im Arbeitsleben) aufbauen kann. Es wäre sinnvoll, für Absolventen eines BA-Studiums eine Entlohnungsstufe zwischen Matura und Master/Magister zu schaffen.
Das "Ein Bachelor ist ein diplomierter Studienabbrecher"-Zitat stammt von irgendeinem deutschen Wirtschaftskapitän aus den Anfangsjahren von Bologna und m.E. korrekt.
Da ich aber bereits ein paar Jahre auf dem Buckel habe, und zu Zeiten der "Internetblase" Informatik studierte, kann ich mich an viele (ehemalige) Kollegen erinnern, die das alte Diplomstudium abbrachen um am freien Markt ihre (zum Teil richtig dicke) Kohle zu verdienen.
Jahre später haben die Kollegen keinerlei akademischen Nachweis ihrer teils sehr strengen Universitätsjahre (Informatik war nie ein Pemperlstudium). Und hier hilft der Bachelor: es ist ein Nachweis, auf der Uni gewesen zu sein und zielgerichtet ein (Kurz-)Studium abgeschlossen zu haben. Mehr aber auch nicht.
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