Spurensuche im Sudan

Dokumentarfilm über "Slatin Pascha" - Kinodebüt von Thomas Macho bleibt leider auch gewissen TV-Konventionen verhaftet

Wien - Ein junger Mann aus Wien macht ab den 1870er-Jahren eine ungewöhnliche Karriere. Mit erst 22 Jahren wird er als Gouverneur von Darfur eingesetzt. Es ist die Zeit, als sich der Mahdi und seine Anhänger gegen Kolonialisten erheben - der junge Mann, Rudolf Slatin, gerät in Gefangenschaft. Zwölf Jahre später kann er fliehen. Seine Erlebnisse verarbeitet er zu einem Bestseller. Aber "Slatin Pascha" bleibt der Region zeit seines Lebens auch sonst verbunden.

Mehr als ein Jahrhundert später reist George Galitzine, einer der Enkel Rudolf Slatins, aus London in den Sudan. Er hofft, dort geschichtsträchtige Orte aufzuspüren, die er nur von den stereoskopischen Fotografien des "Grandpapa" kennt, welche im Familienbesitz geblieben sind.

In Thomas Machos Dokumentation Slatin Pascha - Im Auftrag Ihrer Majestät erzeugt der 3-D-Effekt dieser historischen Aufnahmen gleich zu Beginn einen überraschenden Eindruck von Lebendigkeit. Im Verlauf des Films wird das Verfahren, Fotos mit Kamerabewegungen sanft zu animieren, allerdings ein wenig überstrapaziert.

Macho hat Slatin Pascha über mehrere Jahre entwickelt, leider bleibt das Kinodebüt des fürs Fernsehen tätigen Regisseurs auch gewissen TV-Konventionen verhaftet: Off-Musik drängt sich in den Vordergrund und beschneidet das Eigenleben der Bilder. Die Reise von Galitzine wird erzählt, als ereigne sie sich unmittelbar und als reise der Mann auf eigene Faust - dabei lässt sich Inszenierung an vielen Stellen nicht leugnen.

Eindrücklich bleiben etwa Interviews, in denen die 2007 verstorbene Tochter Slatin Paschas sich an Erlebnisse mit ihrem Vater, einer Celebrity in den Londoner Salons der 20er-Jahre, erinnert und an ihre erste eigene Reise in den Sudan 1938. Oder ein abendlicher Gang, während dessen der Anwalt John Kon Kelei erzählt, wie er als Kind verschleppt und zum Soldaten gemacht wurde. Mit Bildern seiner Hochzeit endet Slatin Pascha dann verhalten hoffnungsvoll im Hinblick auf die Zukunft der jungen Republik Südsudan. (Isabella Reicher, DER STANDARD, 2./3.6.2012)

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