Wie Fledermäuse ihre Jagdstrategie optimieren

4. Juni 2012, 12:52
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Tests in Panama haben gezeigt, dass die Fledertiere die Eignung ihrer Beute stufenweise neu bewerten

Für Fledermäuse muss die Beute die richtige Größe haben, als auch genießbar sein - es geht also darum, den Jagderfolg zu optimieren und potenziell tödliche Irrtümer zu minimieren. Dazu setzen die Tiere während der Jagd eine ganze Kombination an Wahrnehmungsfähigkeiten ein. Wie ein Team um Rachel Page vom Smithsonian Tropical Research Institute in Panama anhand einer Testreihe zeigen konnte, bewerten die Fledertiere die Eignung ihrer Beute stufenweise neu und entscheiden so, welche Beute gefangen und gefressen, welche lieber doch nicht attackiert wird und von welcher Beute unterwegs wieder abgelassen wird. Die Studie ist im Springer-Journal "Naturwissenschaften - The Science of Nature" erschienen.

Versuchsreihe

Die ForscherInnen untersuchten acht Fransenlippenfledermäuse (Trachops cirrhosus) auf Barro Colorado Island in Panama. Die Rufe einer wohlschmeckenden Art von Fröschen wurde genutzt, um die Fledermäuse anzulocken. Anschließend boten sie den Fledermäusen eine Kombination von "unbehandelten" und vergifteten Beutetieren an, nämlich die von den Fledermäusen präferierte Beutespezies (der Tungarafrosch) und zwei tödliche Kröten (die große Zuckerrohrkröte und die kleine Blattkröte).

Wie sich zeigte, nutzen die Fledermäuse während der Annäherung an die Beute verschiedene Wahrnehmungselemente, um die Informationen zur Beute zu aktualisieren. Zunächst richten sie sich nach den Geräuschen ihrer Opfer, danach schätzen sie deren Größe ab und testen schließlich ihren Geschmack, um endgültig zu entscheiden, ob sie die Beute fressen wollen oder nicht.

Flexible Neubewertung

Die Versuchsreihe zeigte, dass zuerst sowohl genießbare als auch giftige kleine Frösche gefangen wurden. Große giftige Kröten hingegen zogen zwar das Interesse der Fledermäuse auf sich, wurden dann aber unbeachtet gelassen. Dies lasse darauf schließen, dass die Fledermäuse die Beute zuerst aus kurzer Distanz abschätzen und auf diese Weise nur die Frösche und Kröten fangen, deren Größe angemessen ist.


(Akzeptierte Beute; Video: Tanja Schnelle und Thomas Bunge)

Sobald die Fledermäuse ihre Beute gefangen haben, nutzen sie chemische Wahrnehmungsfähigkeiten: Sie ließen kleine giftige Kröten unmittelbar oder kurz nach dem Beutefang genauso fallen wie schmackhafte Frösche, die mit Krötengift überzogen waren.


(Nicht akzeptierte Beute; Video: Tanja Schnelle und Thomas Bunge)

Diese Resultate lassen darauf schließen, dass Echolokation und chemische Wahrnehmungselemente auf kurze Entfernung zusätzliche Informationen zu den akustischen Signalen aus größerer Entfernung liefern. "Unsere Resultate zeigen, wie komplex der Jagdvorgang ist, bei dem die Beute stufenweise anvisiert, letztlich dann aber nochmals flexibel neu bewertet wird", so die ForscherInnen. (red, derStandard.at, 4.6.2012)

  • Die Fransenlippenfledermaus verwendet eine ausgeklügelte Jagdstrategie ...
    foto: christian ziegler

    Die Fransenlippenfledermaus verwendet eine ausgeklügelte Jagdstrategie ...

  • ... um potenziell tödliche Irrtümer zu minimieren.
    foto: christian ziegler

    ... um potenziell tödliche Irrtümer zu minimieren.

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