Der unnötige "Krieg gegen Drogen"

Gastkommentar1. Juni 2012, 08:57
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Milliarden US-Dollar sind weg, die US-Gefängnisse überfüllt und die Zahl der Legalisierungs-Befürworter steigt. Der Krieg gegen Drogen ist nicht nur in vielerlei Hinsicht teuer, er ist auch unnötig, wie sich belegen lässt

Nach einer Gallup-Meinungsumfrage aus dem Jahr 2011 befürworten 46 Prozent aller Amerikaner die Legalisierung von Marihuana, nach 24 Prozent im Jahr 1990. In dieser Zeitspanne ist die Anzahl von Personen, die Marihuana im vergangenen Monat konsumiert haben, um 28 Prozent gestiegen. Diese Trends sind nicht alarmierend für jemanden, der wie ich den "Krieg gegen Drogen" für gescheitert hält und sich für ihre Legalisierung einsetzt.

Die gegenwärtige Situation ist besonders düster. Seit den 1980er-Jahren hat die US-Regierung preisbereinigt über 30 Milliarden US-Dollar pro Jahr ausgegeben, um Drogendealer und -konsumenten festzunehmen und zu verurteilen sowie Feldfrüchte zu zerstören. Trotz dieser gewaltigen Allokation von Ressourcen sank der Preis für Kokain und Heroin bis in die frühen 2000er-Jahre, wo er sich auf niedrigem Niveau einpendelte. 40 Prozent aller Betäubungsmittel-Festnahmen geschehen wegen Marihuanabesitzes. 20 Prozent der Festgenommenen sind Jugendliche oder Heranwachsende. Drogendelinquenten machen rund ein Viertel der amerikanischen Gefängnisinsassen aus und beinahe alle von ihnen sind wegen gewaltfreier Verbrechen verurteilt worden.

Joint statt Bier

Die Legalisierung von Drogen würde nicht nur die eben genannten enormen Kosten eliminieren; sie brächte zudem erhebliche Vorteile. Manche davon sind offensichtlich, wie die Möglichkeit, durch Besteuerung Einkünfte zu generieren. Andere sind raffinierter. So haben etwa in einer jüngst erschienenen Studie Mark Anderson, Daniel Rees und Benjamin Hansen herausgefunden, dass der Konsum von Marihuana in den 16 US-Staaten, die "Medical Marihuana" seit 1990 legalisiert haben, gestiegen ist. Gleichzeitig ist die Zahl von Verkehrstoten im selben Zeitraum um neun Prozent gesunken. Weshalb? Die Studie (wie andere) belegt, dass Alkohol und Marihuana in dem Sinne Substitute sind, dass eine Preissteigerung des einen Produkts nicht nur zu geringerem Konsum dieses Produkts führt, sondern auch zu gesteigertem Konsum des anderen Produkts. Studien mit Simulatoren und auf Fahr-Lehrgängen zeigen, dass sowohl Alkohol als auch Marihuana die Fahrtauglichkeit vermindern. Das Material deutet aber darauf hin, dass Beeinträchtigung durch Alkohol das Risiko von Kollisionen erhöht, während Beeinträchtigung durch Gras dies nicht tut.

High und nichts dabei?

Eine Regelung, nach der Substanzen wie Marihuana legal sind, würde den Märkten für Alkohol oder Zigaretten ähneln. Der Konsum wäre durch Besteuerung reguliert, es gäbe Alters-Untergrenzen für den Erwerb, eingeschränkte Werbung, Warnhinweise sowie Konsumverbote an bestimmten Orten. Die Steuern würden nicht nur die Haushaltsdefizite verringern, sondern womöglich sogar den Drogenkonsum eher verringern als der Krieg gegen die Drogen. Legalisierungsgegner nehmen an, dies würde nicht eintreten, weil Produzenten in den "Untergrund" gehen könnten, um illegal Drogen zu verkaufen, wenn das Preisniveau durch die Steuern künstlich erhöht wird.

Illegale Produktion wäre eindämmbar

Gary S. Becker, Kevin M. Murphy und ich haben jedoch gezeigt, dass der Marktpreis von Drogen in einem System mit einer monetären Verbrauchssteuer höher sein könnte als der Marktpreis, der durch den "Krieg gegen Drogen" entsteht. Und das selbst, wenn die Produzenten die Steuer ignorieren und illegal im Untergrund handeln. Der Grund dafür ist, dass die Regierung Ressourcen zur gezielten Bekämpfung der illegalen Produktion aufwenden kann. Dadurch würde eine nicht-monetäre Steuer in diesem Markt erhoben, deren erwartete Höhe die monetäre Steuer auf dem legalen Markt überstiege.

Wir schlussfolgern, dass die Androhung von Kosten für illegale Produktion, die höher sind als die Verbrauchssteuer bei legaler Produktion, hinreichend ist, um illegale Produktion einzudämmen. Daher muss die Drohung nicht in großem Maße umgesetzt werden und ist mithin weniger kostspielig zu implementieren als der hergebrachte Krieg gegen die Drogen, in einem System, in dem Drogen illegal sind. Auf lange Sicht hin könnte die Legalisierung zu einem niedrigerem Konsumniveau führen als die gegenwärtige Situation. (Michael Grossman, derStandard.at, 1.6.2012) Übersetzung aus dem Englischen

Autor

Michael Grossman, The European, ist Distinguished Professor of Economics an der City University of New York. Sein Forschungsschwerpunkt ist der Bereich der Gesundheitsökonomik.

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