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Dominic Schindler...

...und die Art, wie er den Zukunftslaster im Bergbaubereich sieht.

"Rescue Cones", eine Art aufgestellte Zeppeline, die Rettungseinheiten in Katastrophengebiete bringen sollen.

Ein Snowmobile, wenn es nach Dominic Schindler geht, ...

...und die "Earth Quake Cocoons", die in einem Gebäude Schutz bieten sollen. Im Ernstfall blasen sie sich auf und bieten Platz für zwei Personen.
Das Atelier von Dominic Schindler Creations ist schwer zu finden. Es liegt in Lauterach, nicht weit von Bregenz entfernt, und man vermutet es nicht in einem palastähnlichen Gebäude, das einst üppiges Präsentationsambiente eines Modehauses war. Man staunt, wenn sich dort ein Loft wie aus einem Coffee Table Book auftut: aufgebockte Arbeitstische, unzählige Bildschirme, kräftige Farben, Grün, Pink, Glas, skulpturale Möbelstücke. Dabei ist der Chef eines der größten Design-Dienstleistungsunternehmen in Österreich gerade einmal dreißig Jahre alt.
"Als ich vor fünf Jahren nach einer Ausschreibung den Zuschlag bekam, mehr als hundert Werkzeugmaschinen für Dreh- und Frästechnik des Weltmarktführers Gildemeister DMG zu redesignen, musste ich sofort mit einem Office beginnen, das war die Bedingung. Und bevor ich in Bielefeld oder Hannover alles neu erfinde, bin ich in die Heimat zurückgekehrt." Dominic Schindler ist Schweizer, aber in Bregenz aufgewachsen. Nach der Schule konnte er der Anziehungskraft des Auslands nicht widerstehen, italienische Literatur in Florenz interessierte den in fünf Sprachen kundigen jungen Mann vorerst, doch dann landete er in Mailand bei Matteo Thun, einer der wichtigsten Stationen in seinem Leben.
Technik, Patente, Styling
Weiter ging es an der Parsons School of Design in Paris und New York, und das unternehmerische Know-how holte er sich an der Harvard Business School in Cambridge. Sesshaft werden wollte er dann in Monte Carlo, wo er zwei Jahre für Luca Bassani, den Boss der einzigartigen Wally Yachts, arbeitete. Der erwähnte Großauftrag für die Industrie gab jedoch den Kick, der auch rasch zur Expansion seines Studios führte.
Mittlerweile arbeiten an die zwanzig Leute mit, das Höchstalter scheint vierzig zu sein. Jeder konzentriert sich auf einen Spezialbereich, sei es Technik, Patente, Styling oder die psychologischen und logistischen Aspekte. Moderne Projektmanagement-Tools, die festgelegte Hierarchie und Teambesprechungen bilden ein klares System, das der in Zürich wohnende Chef Dominic Schindler gut im Griff hat. Zürich deshalb, weil von dort aus die ganze Welt leicht erreichbar ist.
"Wir benützen Design, um Mehrwert zu generieren, und unser Credo ist offiziell: Making the ordinary extraordinary". Das sind für Dominic Schindler keine leeren Worte. Vielleicht ist das Stylen von Maschinen nicht so glamourös, es beinhaltet jedoch großes Potenzial für innovatives Querdenkertum, unerwartete Lösungen und ganzheitliche Designkonzepte. In der Kooperation mit Gildemeister wurden bei den Dreh- und Fräsmaschinen ungewöhnliche Formgebungen, neue Materialien, Benutzeroberflächen und überraschende ergonomische Verbesserungen entwickelt. Bei Schindler werden immer sämtliche Elemente infrage gestellt und neu durchdacht. In einer ersten Phase übertreibt man absichtlich, um anschließend akribisch an Serientauglichkeit, Konstruktion, Wirtschaftlichkeit und Logistik weiterzuarbeiten. Um funktionelle, ergonomische und proportionale Fragen möglichst im Vorfeld zu klären, hilft der Vorstellungskraft des Kunden die 1:1- und Echtzeit-Simulation im eigens dafür gebauten Studio, dem sogenannten Virtual Reality Lab.
In den Dienst Hollywoods
Auf Anhieb gar nicht real kam dem Büro ein Anruf aus Hollywood vor. Als jemand von Constantin Film in der Leitung war, dachte man zuerst an einen Scherz. Es waren jedoch ernsthaft Ausstattung und Requisiten für den Science-Fiction-Thriller Pandorum gefragt, mit futuristischem, aber dennoch realistisch funktionellem Filmset-Design. So kämpfen Dennis Quaid und Ben Forster mit Schindler-Creations-Armwaffen am spacigen Control Panel ums Überleben.
Dabei steht Dominic Schindler selbst regelmäßig als Designexperte bei Welt der Wunder für n-tv und RTL 2 vor der Kamera. In aufwändigen Inszenierungen werden in dieser TV-Serie aktuelle Themen und Ereignisse behandelt. Das kommt vor allem Schindlers Visionen entgegen. Er hat sich schon immer gerne Dinge ausgedacht, ohne Ausführungsauftrag, mit eigenen Vorgaben. Früher waren es Spezialfahrzeuge, heute bringen ihn akute Geschehnisse auf neue Ideen. Anlässlich des Erdbebens in Haiti wurden die innovativen Ideen des Designteams zum Katastrophenschutz vorgestellt. Rettungsballons und Fahrzeuge werden vor der Küste außerhalb des Gefahrengebiets gelagert und kommen im Notfall per Luft oder Wasser zum Einsatz. Oder die aufblasbaren Rettungsiglus, die wie Feuerlöscher in Eigenheim oder öffentlichen Gebäuden hängen und im Ernstfall vor Verschüttung retten sollen.
Green Energy
Absolut zeitgemäß sind auch seine Beiträge zur Green Energy. Dabei werden Fragen gestellt, wie verkettbare Elemente wie Wind und Gezeiten zur Energiegewinnung verwendet werden können. Oberhalb der Wasseroberfläche mit Windrädern, unterhalb mit Turbinen ausgestattet, sind solche Elemente flexibel, mit äußerst biegsamen Verbindungsflügeln vernetzt. Es entsteht ein erweiterbares Gefüge, das jeder Küstenlinie angepasst werden kann.
Weitere Ideen sind solarthermische Kraftwerke für die Sahara, mit pneumatisch betriebenen, beweglichen Sonnenreflektoren, die bei Sandsturm eingefahren werden. Auch über "umgelegte Windräder", die als skulpturale Gebilde auf der Staumauer zusätzlichen Strom erzeugen, wird in Lauterach nachgedacht.
Wie Schindler das Thema Design letztlich auf den Punkt bringt, war im Magazin think:act zu lesen, das einen umfangreichen Artikel über Schindlers Auftrag für Gildemeister publizierte. Dort meinte der Industriedesigner: "Design ist viel mehr als die Gestaltung eines äußerlichen Outfits. Es ist die sichtbare Krönung der Entwicklungsleistung." (Martina Pfeifer Steiner, Rondo, DER STANDARD, 1.6.2012)
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