TV-Psycho auf Arte: Seltenes Vergnügen

31. Mai 2012, 18:31
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Andreas Lust in "Davon willst du nichts wissen" - Freitag, 20.15 Uhr auf Arte

Wien - Es beginnt mit einer Pöbelei an der U-Bahn, an dessen Ende die Handtasche weg ist. Manche würden sagen: ein Zwischenfall, nicht mehr.

Im Psychothriller "Davon willst du nichts wissen" (Freitag, um 20. 15 Uhr auf Arte) läuft hingegen in der Folge alles sehr gründlich und wohlgeordnet aus dem Ruder. Wie ein Täter kehrt der Ehemann zurück an den Ort des Überfalls und macht ihn im Schutz der Dunkelheit zum Schauplatz eines finsteren Mordes, der eigentlich jemand ganz anderem gilt.

Durch allerlei Fenster, Türen und Nischen blickt der Zuschauer auf das Geschehen in einer erkalteten Ehe, auf einen Mann, der seine Beziehung durch einen Mord an einem Unbeteiligten retten will, auf eine Frau, die sich selbst am nächsten ist. Andreas Lust steht an der Seite von Sophie von Kessel mit blutunterlaufenen Augen die Angst immer mehr ins Gesicht geschrieben. Der Plan, mit der Tat Konflikte auszulöschen, scheint umsetzbar. Aber wie es mit unfehlbaren Rezepturen so ist, bekommen es restlos alle Beteiligten mit unerwünschten Nebenwirkungen zu tun.

Der deutschsprachige Psychothriller ist ein vom TV-Film sträflich vergessenes Subgenre. Ein ähnlich subversiv gestricktes Exemplar findet sich zuletzt 1995, als der spätere TV-Produzent Nico Hofmann Götz George unter Serienkillerverdacht stellte. "Davon willst du nichts wissen" ist der dritte Spielfilm des 36-jährigen Münchners Tim Trachte. Mit Geschick für Spannungsdramaturgie verkleinert er die Räume der Beteiligten, bis kein Ausweg bleibt. Wer da wen und warum getötet hat, ist letztlich egal. Die dunklen Seiten von Schutz und Schutzbedürfnissen liegen bereits frei. (Doris Priesching, DER STANDARD, 1.6.2012)

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Abrufbar auf videos.arte.tv

  • Andreas Lust in "Davon willst du nichts wissen".
    foto: zdf

    Andreas Lust in "Davon willst du nichts wissen".

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