Sorgen um Spanien pushen sichere Anleihen

31. Mai 2012, 18:29
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Die Krise verursacht nicht nur Kosten. Niedrige Zinsen österreichischer Anleihen entlasten das Budget. Krisenprofiteure sind auch die USA

Wien/Frankfurt - Die Sorgen vor steigenden Zinskosten waren groß, als die Ratingagentur Standard & Poor's Österreich im Jänner herabstufte. Seither ist freilich genau das Gegenteil eingetreten. Die Zinsen, die die Republik Geldgebern zahlen muss, fallen und fallen. Für zehnjährige Staatsanleihen lag der Zinssatz am Donnerstag zeitweise bei knapp 2,1 Prozent - ein neues Allzeittief. Zum Vergleich: Anfang des Jahres waren es noch mehr als drei Prozent.

Noch deutlich gefragter sind die Papiere Deutschlands. Das Nachbarland muss aktuell gar nur 1,2 Prozent hinlegen, um zehnjährige Anleihen loszuwerden. Beinahe skurril sind die Entwicklungen bei kurzfristigen Anleihen. Am Mittwochabend sank die Rendite für zweijährige deutsche Bonds erstmals auf genau null Prozent.

Fekter freut sich

Österreichische Papiere mit zweijähriger Laufzeit bringen momentan auch nur 0,4 Prozent Zinsen. Unter Berücksichtigung der Inflation erleiden Anleger, die in diese Papiere investieren, einen klaren Wertverlust. Zur Orientierung: In Deutschland lag die Inflation im April bei 2,2 Prozent, in Österreich bei 2,4 Prozent.

Für Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) bedeutet diese Entwicklung eine deutliche Ersparnis. Genaue Schätzungen sind zwar schwierig, weil es natürlich keine Garantie gibt, dass die Niedrigzinslage von Dauer ist. Aber zur Orientierung: Österreich nimmt heuer zwischen 25 und 27 Milliarden Euro an neuen Schulden auf. Erspart man sich einen Prozentpunkt an Zinsen, bringt das rund 270 Millionen Euro. Das ist immerhin mehr als die mit dem letzten Budget beschlossene Solidarabgabe für Besserverdiener in zwei Jahren bringt.

USA kommen günstig zu Geld

Profiteure der Schuldenkrise in Griechenland, Spanien und Co sind aber auch die USA, die als globaler sicherer Hafen gelten. Die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen erreichten am Mittwoch mit 1,6 Prozent den niedrigsten Stand seit mindestens 60 Jahren.

Auf der anderen Seite kommt Spanien immer mehr unter Druck: "Auf die Dauer ist die Situation nicht haltbar", räumte Wirtschaftsminister Luis de Guindos ein. Die Zinssätze erreichen beinahe täglich neue Rekordwerte. Am Donnerstag lag die Rendite für zehnjährige Papiere zeitweise bei fast 6,8 Prozent. Auch Italien gelingt es nicht, sich dem Fokus der Finanzmärkte zu entziehen. Mit eingeleiteten Reform konnten die Südeuropäer im März den Zinssatz auf unter fünf Prozent drücken. In den vergangenen Wochen näherte er sich aber wieder der Sechsprozentmarke. (go, DER STANDARD, 1.6.2012)

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