Hells-Angels-Treffen: Von der Hölle nach Unterpremstätten

31. Mai 2012, 18:12
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Ein weltweites Treffen sorgt in der Steiermark für Aufregung. Die Polizei ist in Alarmbereitschaft

Graz - Wind in den Haaren und Freiheit im Herzen - das ist längst nicht mehr das, womit man die Mitglieder des Motorrad- und Rockerklubs Hells Angels assoziiert. Diverse Ortsgruppen (genannt Charters) des Klubs, der 1948 in Kalifornien gegründet wurde und in über 30 Staaten vertreten ist, wurden immer wieder mit Drogenkriminalität, Prostitution oder Sicherheitsdiensten, die neben dem Hang zur Harley Davidson auch einen zur Gewalt haben, in Verbindung gebracht. In Deutschland kam es zu Verboten von mehreren Charters - zuletzt traf es am Dienstag die Gruppe Berlin City.

Wenig überraschend scheint es daher, dass man in Unterpremstätten, sieben Kilometer südlich von Graz, mit gemischten Gefühlen auf das am Freitag beginnende weltweite dreitägige Treffen der "Höllen-Engel" sieht.

Doch die Polizei versucht zu beruhigen. Von Medien kolportierte Zahlen von 3000 Teilnehmern seien "sicher überzogen", sagte ein Sprecher der Sicherheitsdirektion Steiermark am Donnerstag im STANDARD-Gespräch: "Wir rechnen mit rund 1500." Rund hundert seien schon am Donnerstag eingetroffen, doch "das Hauptkontingent wird im Laufe des Freitags erwartet", so die Polizei. Am Freitagabend beginnt der "World Run" offiziell.

Deutsche Kollegen vor Ort

Dass auch Mitglieder der verbotenen deutschen Charters nach Graz kämen, könne man "im Moment ausschließen, denn diese Leute stehen unter Beobachtung und können gar nicht einreisen, ohne dass sie bereits vorher von unseren deutschen Kollegen kontrolliert wurden", heißt es seitens der steirischen Polizei weiter.

Letztere ist in Alarmbereitschaft. Unterstützung werde man während des gesamten Wochenendes nicht nur von Beamten aus angrenzenden Bundesländern wie Kärnten und Salzburg, sondern "auch deutsche Kollegen sind bei uns vor Ort". Wie viele? "Das dürfen wir nicht sagen, aber Sie können davon aussehen, wir haben alles unter Kontrolle", so der Polizeisprecher.

Auch auf Zwischenfälle, etwa bei Raststationen auf Autobahnen, sei man vorbereitet. Als "Botschaft an die Bevölkerung" rät die Polizei: "Als Privater soll man sich nicht auf Konfrontationen einlassen, sondern die Polizei rufen, wenn eine Auseinandersetzung droht. Wir schlichten das oder erstatten Anzeige."

Altstadtbummel

Nur ein Teil der erwarteten Gäste wird tatsächlich samt Motorrädern anreisen, wohl vor allem jene aus Österreich und Deutschland. Das erste österreichische Charter wurde 1975 in Vorarlberg gegründet, heute gibt es weitere in Wien, Kärnten, Tirol, der Steiermark und Oberösterreich.

Das Treffen im Schwarzl-Freizeitzentrum in Unterpremstätten ist ausschließlich für Mitglieder des Klubs - und natürlich die Polizei - zugänglich. "Normale" Badegäste der weitläufigen Anlage mit Campingplätzen, mehreren Restaurants und einem Schotterteich, wo immer wieder große Konzerte (Ende Juni etwa Guns N' Roses) veranstaltet werden, müssen dieses Wochenende durch einen eigenen Eingang.

Einige Biker checkten am Donnerstag in Hotels direkt im Freizeitzentrum oder in Unterpremstätten ein, einige auch in Graz. Hier bummelten sie durch die Altstadt oder saßen in Schanigärten wie andere Touristen auch. (Colette M. Schmidt, DER STANDARD, 1.6.2012)

  • Wo die wilden Kerle hinrollen? Nach Unterpremstätten südlich von Graz, wo sonst Familien im Schotterteich planschen.
    foto: epa/petr eret

    Wo die wilden Kerle hinrollen? Nach Unterpremstätten südlich von Graz, wo sonst Familien im Schotterteich planschen.

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