Weniger Passanten in den Kleinstädten

Im Frequenz-Ranking von Infrapool überholte Innsbruck erstmals Graz und ist Aufsteiger des Jahres - Den kleineren Städten fehlen die Passanten im Stadtkern

Wien vor Linz und Innsbruck - so lautet die "Hackordnung" der heimischen Städte, was die Passantenfrequenz in den Innenstädten betrifft. Laut der einschlägigen Studie, die seit dem Jahr 2000 jährlich vom Standortmarketing-Unternehmen Infrapool durchgeführt wird, konnte die Tiroler Landeshauptstadt im Jahr 2011 dabei erstmals die steirische Metropole Graz überholen.

Constanze Schaffner, Standortforscherin bei Infrapool, führt das starke Plus von 62 (!) Prozent an Passanten in Innsbruck darauf zurück, dass sich das "Kaufhaus Tyrol" mittlerweile sehr gut etabliert habe und "gemeinsam mit den Rathausgalerien für eine geballte Einkaufspower mit guter Parkplatzanbindung sorgt". 197.300 Menschen wurden im Vorjahr auf der Maria-Theresien-Straße in einer Woche im Oktober (Montag bis Samstag, 8 bis 18 Uhr) per Videoaufzeichnung gezählt, im Jahr 2010 waren es nur 121.800.

Stephansplatz weiter voran

Bestfrequentierter Standort Österreichs ist und bleibt der Wiener Stephansplatz, wo allerdings als einzige Ausnahme der Top-10 von Infrapool noch "händisch" gezählt wird. Auf 296.500 Menschen kam man so in besagter Woche im vorigen Oktober, ein Minus von fünf Prozent gegenüber 2010 (310.500). Untersucht wurde laut Schaffner auch die Mariahilfer Straße sowie die Lerchenfelder Straße. Heuer sollen auch Graben und Kärntner Straße in die Studie aufgenommen werden.

In Linz, wo sich im Vorjahr erstmals der Zähl-Standort auf der Landstraße beim "Passage City Center" als der bestfrequentierte entpuppt hat, konnten 205.000 Passanten gezählt werden, nach 228.400 im Jahr davor - ein Minus von zehn Prozent.

Neuer Zähl-Standort brachte St. Pölten starkes Plus

Hinter Innsbruck belegte Graz mit einer Frequenz von 171.700 Passanten (-1 Prozent) Rang 4, gefolgt von Salzburg mit einer Frequenz von 144.300 (+18 Prozent). Klagenfurt, St. Pölten und Villach belegen mit annähernd derselben Frequenz (94.200 / 93.900 / 93.000) beinahe ex aequo die Ränge 6 bis 8. "In St. Pölten wurde der Standort von der Kremser Gasse 18/33 zur Kremser Gasse Höhe 6/17 verlegt, was ein Frequenzplus von 15 Prozent brachte", berichtet Schaffner. Methodisch geht Infrapool dabei so vor, dass drei oder vier Standorte gleichzeitig "gescannt" werden - der bessere wird dann in die Rangliste aufgenommen.

Die beiden noch fehlenden Landeshauptstädte Bregenz und Eisenstadt sind nicht in den Top 10, stattdessen landete "Neueinsteiger" Leoben mit einer Passantenfrequenz von 85.000 (vor dem "Leoben City Shopping") auf Platz 9; Platz 10 belegt Krems mit 69.500 Passanten und einem doch starken Frequenzrückgang von acht Prozent.

Verödete Innenstädte

Der Boom an Fachmarkt- und Einkaufszentren auf der "grünen Wiese" habe es mit sich gebracht, dass heute die überwiegende Anzahl der Stadtgemeinden zwischen 10.000 und 15.000 Einwohner an ihrem attraktivsten Standort bei einer sehr geringen Wochenfrequenz von um die 20.000 Passanten stehen, so Schaffner weiter. Von den 105 von Infrapool untersuchten Städten übersprangen nur wenig mehr als die Hälfte diese Grenze. "Oft sind die alten Einkaufsstraßen in den Innenstädten verödet, weil die Geschäfte in die Zentren an den Stadtrand gezogen sind. Dort machen viele aber jetzt weniger Umsatz als zuvor." 

Seriöserweise müsse man zwar jede Stadt für sich betrachten, so die Standortforscherin. Pauschal könne man aber doch sagen, dass die kleineren Städte schon über die gesamten letzten Jahre betrachtet überproportional an Frequenz einbüßen mussten. Als krasses Beispiel nennt Schaffner im Gespräch mit derStandard.at das oberösterreichische Vöcklabruck, wo im Jahr 2008 noch 72.000 Passanten gezählt wurden, 2011 nur noch 51.500. Für den Abgang sorgte das Einkaufszentrum "Varena", das im Sommer 2010 direkt an der B1 eröffnet worden war.

Der Ausweg aus der Misere wären Einkaufszentren in den Innenstädten, mit ausreichendem Parkplatzangebot und einem guten Branchenmix, so Schaffner. Als "Best-Practice"-Modelle sieht sie neben den schon erwähnten beiden Zentren in Innsbruck die "City-Arkaden" in Klagenfurt sowie das "Leoben City Shopping", auf Bezirkshauptstadt-Ebene die "Rosenarcade" in Tulln sowie das "Stadtpark Center" von Spittal/Drau.  (map, derStandard.at, 31.5.2012)

Share if you care