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Derzeit bedroht eine Hungersnot große Teile der Sahelzone. Die Situation erinnert an die Krise von 2011 am Horn von Afrika.
Hungerhilfe-Expertin Ruth Kelly erklärt, wie verhindert werden soll, dass Essenslieferungen aus dem Ausland lokale Märkte lähmen, und spricht über die tragende Rolle der Kleinbauern. Gudrun Springer fragte nach.
STANDARD: Sie beschäftigen sich mit den Folgen des Spekulierens auf Nahrungsmittelpreise - was in den vergangenen Jahren zunehmend außer Kontrolle geriet, wie sie feststellten. Steht die aktuelle Hungerkrise in Westafrika damit in Zusammenhang?
Kelly: Die Nahrungsmittelmärkte waren lange sehr in Ordnung, bis es im Jahr 2000 zu einer fundamentalen Veränderung gekommen ist. Ein großer Teil der Handelsbewegungen verschwand von transparenten Plattformen in die Dunkelheit. Es ist natürlich immer gut für die Welt, wenn ihre Märkte funktionieren, in der Sahelzone im Speziellen gibt es aber grundlegendere Gründe dafür, dass Dinge falsch laufen.
Dort herrscht eine hohe Nahrungsmittelunsicherheit: Die Menschen sind hauptsächlich auf regionale Produktion angewiesen. Um das zu ändern, braucht es etwa den Bau von Straßen und Lagerungsinfrastruktur. Wir unterstützen die Länder in Westafrika zum Beispiel dabei, ein System für Nahrungsmittelreserven aufzubauen.
STANDARD: Das World Food Programme (WFP) kauft bei Krisen wie jener in der Sahelzone, wo es derzeit insgesamt 9,6 Millionen Menschen unterstützen muss, große Mengen Nahrungsmittel - teils vor Ort, teils im Ausland. Beides kann regionale Märkte negativ beeinflussen. Lässt sich dieses Dilemma lösen?
Kelly: Das WFP hat ein tolles Programm, in dem es darum geht, schon vor Krisen in Kontakt mit Kleinbauern einer ganzen Region zu kommen, um sicherzustellen, dass sie ihre Produktivität erhöhen können. Das braucht Zeit, daher müssen Nahrungsmittel zusätzlich auf externen Märkten gekauft werden, wenn es in der Region keine gibt oder die Preise zu hoch sind - in der Sahelzone ist es derzeit ein Mix aus beidem.
Was wir tun - und nicht nur Oxfam -, ist, Geld und Nahrung zu verteilen. Man gibt Händlern Geld, damit sie Nahrungsmittel kaufen und in ihre Gemeinschaft bringen können, und man gibt Leuten Geld, damit der Markt funktioniert. Nur Nahrung zu liefern kann den Markt lähmen.
STANDARD: In einem kürzlich erschienenen "Zeit"-Artikel hieß es, dass die Industrienationen in Zeiten kleinerer Entwicklungshilfebudgets realisieren, dass Prävention von Krisen billiger kommt, als sie akut zu bekämpfen. Ist da eine Veränderung spürbar?
Kelly: Vor allem nach der Krise in Ostafrika (im Vorjahr, Anm.) beschäftigt viele Menschen, dass man diese kommen gesehen hat. Die jetzige Krise in Westafrika ist ein gutes Beispiel dafür, dass man versucht, aus dem zu lernen, was in Ostafrika geschehen ist.
STANDARD: In der Öffentlichkeit scheint aber der Eindruck zu bestehen, dass sich an der Hungersituation in Afrika im Großen und Ganzen nicht viel ändert.
Kelly: Aber da passiert viel. Afrika erlebt ein enormes Wirtschaftswachstum. Es wächst viel schneller als viele Regionen, bei denen man es eher annehmen würde.
STANDARD: Hat das Wirtschaftswachstum - laut UN-Entwicklungsprogramm UNDP lag es 2011 bei 5,2 Prozent - einen Effekt darauf, wie viele Menschen Hunger leiden?
Kelly: Das ist das Problem: dass das Wachstum nicht bis nach unten durchsickert. Es ist wichtig, die richtigen Grundsätze zu verfolgen, um das sicherzustellen. Eine wirklich wichtige Methode, die das UNDP hervorhebt, ist, in Kleinbauern zu investieren.
STANDARD: Obwohl man Krisen vorhersehen kann, wird in der Regel spät darauf reagiert. Warum?
Kelly: Im humanitären Entwicklungshilfesektor ist derzeit ein Kernthema, wie man aus verschiedenen Programmen ein einziges machen kann, um flexibler reagieren zu können. Derzeit gibt es Entwicklungsprogramme, die sich nicht wirklich mit Krisen auseinandersetzen, und humanitäre Hilfsprogramme, die erst starten, wenn die Krise ausbricht.
Die Hauptveränderung vor Ort muss sein, die Menschen widerstandsfähiger zu machen. Und ein Problem ist natürlich, dass Prävention nicht so interessant ist für die Medien wie eine Krise, aber ich denke, da passiert ein Umdenken. (Gudrun Springer, DER STANDARD, 1.6.2012)

Ruth Kelly (27) ist Economic Policy Advisor bei der internationalen Hilfsorganisation Oxfam, studierte Recht und Französisch in Cambridge, am Trinity College in Dublin und am Institut d'études politiques (Sciences Po), Paris. Kelly ist Gast beim Caritas-Kongress "Zukunft ohne Hunger" in Wien.
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Und wofür geben die Staaten das Geld aus?
Für Jagdflugzeuge aus China
http://german.ruvr.ru/2012_05_2... /76391485/
Käufern: Demokratische Republik Kongo, Nigeria, Sri Lanka, der Sudan, Venezuela, und Serbien genannt.
Was ich in Ägypten, Indien, Kuba und vielen anderen Entwicklungsländern die ich besucht habe beobachten konnte: von potentiellen Ackerflächen wird nur ein winziger Teil genutzt, und dieser meist mit primitivsten Mitteln bearbeitet. Der Ertrag ist somit doppelt niedrig - erstens weil so wenig Fläche genutzt wird, und zweitens weil der Ertrag pro Fläche so gering ist. Und dann sieht man viele Bauern die am Markt oder am Straßenrand verzweifelt versuchen ihre Produkte loszuwerden und den Großteil wegwerfen müssen - weil ihr Einzugsgebiet so gering ist und ihre Lagermöglichkeiten schlecht. Also erreicht von der ohnehin winzigen Ernte nochmal nur ein Bruchteil den Konsumenten.
Was Entwicklungsländer brauchen: mehr Kapital, mehr Marktwirtschaft.
Gut, ich gebe zu, oft spende ich nicht und wenn, sind das auch nur 20 € ..
Aber was wird von Europa erwartet? Dass wir die da unten durchfüttern und noch mehr Geld reinstecken? In Österreich können Sich einige Familien nur billigste Lebensmittel leisten, da würde ich persönlich lieber denen helfen.
Die USA zieht sich sowieso aus der Verantwortung, da sie wissen, 1. Ziel für Flüchtlinge ist nicht Florida sondern Spanien/Italien/et cetera.
Entwicklungshilfe Ja, wenn es zur Folge hat, dass die sich selber ernähren können. Und das am besten mit know how(Maschinen bringen nur so viel, was man damit anzufangen weiß) und vielleicht eine Aufklärung in Sachen Nachwuchs.
Nicht nur vielleicht, sondern SEHR VIEL Aufklärung in Sachen Nachwuchs.
In der Sahelzone sind 10 Kinder pro Frau keine Seltenheit, sondern eher die Regel. Selbst wenn die Menschen dort lernen sich selbst zu versorgen (was ich für unrealistisch halte), ist spätestens in einigen Jahrzehnten wieder Schluß mit Lustig weil das Land auch mit modernsten Methoden nicht mehr genug hergibt.
Das betrifft übrigens nicht nur die Sahelzone, sondern den gesamten Planeten. Auch in der westlichen Welt sollte man sich mal Gedanken darüber machen, ob eine "gesunde" Alterspyramide zum Wohle der Pensionen tatsächlich erstrebenswert ist. Wir Österreicher können uns zwar selbst versorgen, strapazieren die Erde aber weit mehr als ein paar Afrikaner.
wie immer, wenn die hungerproblematik thematisiert wird, die totalitären bevölkerungskontrolleure aus ihren löchern kriechen. das ist so sicher wie das amen im gebet. nicht dass diese seltsamen figuren irgendein interesse an der lösung des hungerproblems hätten, nein, es geht wohl primär darum, wieder mal ihr lieblingsthema ins gespräch zu bringen und somit von den ursachen des hungers abzulenken. dabei beleuchten diese figuren nicht mal die frage, warum in armutsregionen viele kinder geboren werden (zb altersversorgung aus mangel an sozialen sicherungssystemen). wirklich äußerst totalitär, wie sich die bevölkerungskontrolleure in die familienplanung und das fortpflanzungsverhalten anderer menschen einmischen.
Bevölkerungskontrolleure sind überflüssig, im Endeffekt machts die Natur schon selbst auf ihre Weise.
Natürlich gehen Armut und Kinderreichtum Hand in Hand, aber man kann es auch von der anderen Seit betrachten, nämlich dass es bei dem hohen Bevölkerungsdruck fast unmöglich ist Wohlstand zu schaffen, da die Ressourcen nunmal begrenzt sind.
Gutes Beispiel ist Haiti, wo das Land immer weiter unter den Kindern aufgeteilt wurde, bis schließlich keiner mehr davon leben konnte. Jetzt kommen dort keine 3000m^2 mehr auf einen Einwohner, bei der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche ists noch weniger.
Ist natürlich ein Teufelskreislauf, aber die Situation wird sich erst verbessern, wenn dieser durchbrochen wird.
Nigerias Bevölkerungszahl zB ist in den letzte 20(!) Jahren um beachtliche 50 Mio gewachsen (das ist mehr, als ganz Spanien Einwohner hat).
Ob Nigerias Landwirtschaft in den letzten 20 Jahren im selben Ausmaß zugelegt hat, wage ich zu bezweifeln.
Gut zu wissen, dass das KEINE Auswirkung auf die Ernährungssituation hat.
Und als Bonus müssten die Nigerianer jetzt durch die Bank EXTREM gut altersversorgt sein.
erwähnt: das Bevölkerungswachstum.
Es mag stimmen, dass die Wirtschaft wächst, und es sickert auch so manches "nach unten" durch, es stimmt auch, dass die Nahrungsproduktion wächst, ebenso die Bildungseinrichtungen - aber noch schneller wächst üblicherweise die Bevölkerung.
Von Somalia hab ich unlängst gelesen, dass sich die Nahrungsmittelproduktion in den letzten 30 (20?) Jahren verdoppelt habe. Die Bevölkerung aber hat sich in der selben Zeit verdreifacht...
Dennoch kann man nicht von Überbevölkerung im engen Sinne sprechen. Afrika könnte - theoretisch -wesentlich viel mehr Menschen ernähren, als darin leben - aber, solange die Bevölkerung stärker wächst als die Entwicklung, wird es ein Problem bleiben.
Bei mehr Nahrungssicherheit und medizinische Versorgung sinkt der Bevölkerungswachstum üblicherweise. Sie dürfen nicht vergessen, dass es sich in den meisten armen Ländern um Länder ohne Sozialversicherung handelt. Kinder sind die Altersvorsorge. Wenn aber nach wie vor ein echter %Satz der Kinder das 6. Jebensjahr nicht erreicht, werden viele Kinder in die Welt gesetzt, damit einige durchkommen.
Gibt es jedoch, wie bei uns nur mehr einen Promillesatz an Kindersterblichkeit, werden üblicherweise auch weniger in die Welt gesetzt.
Allerdings sorgen die zivilisatorischen Errungenschaften auch jetzt schon für eine relativ niedrige Kindersterblichkeit, was ja auch der Grund für die Bevölkerungsexplosion ist.
Davon abgesehen sinkt die Kindersterblichkeit ja noch weiter, wenn die Geburtenrate zurück geht, da weniger Kinder besser versorgt werden können.
Wie wahr. Ich vermute aber eher einen anderen Trend. Der Prozentsatz der Hungernden bleibt annähernd konstant, während sich die Bevölkerung rapide vermehrt. Je mehr Menschen in diesen (zumindest zeitweise) kargen Gegenden leben, desto größer wird das Leid. Die Entwicklungshilfe verschlimmert die Sache nur, weil sie kurzfristig die Zahl der Menschen steigert.
Das klingt jetzt unmenschlich und grausam, mir ist selbst unwohl wenn ich das schreibe. Aber leider stimmt's.
Gerade in der Sahelzone ist die Viehzucht oft die einzige Möglichkeit Landwirtschaft zu betreiben. Der Flächenverbrauch ist sekundär wenn auf diesen Flächen keine Nutzpflanzen gedeihen.
Es stimmt zwar schon, dass die intensive Weidewirtschaft ökologische bedenklich ist, das betrifft aber den Ackerbau genauso
ad: "* Verbot der Fleischproduktion in Hungergebieten (ca. 7 facher Landverbrauch) "
Ich möchte Sie sehen, wie Sie in Steppengegenden den Halbnomaden ihr Vieh verbieten...
Viel Erfolg!
Nicht, dass das Nomadentum nicht langfristig sterben muss, denn es wird auch in Afrika bald zuwenig Land dafür geben.
Aber eine "einfache Lösung" wird es nicht werden.
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