Frau aus Bordell geholt: Vier Angeklagte in Leoben verurteilt

31. Mai 2012, 17:09
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Alle Strafen durch U-Haft abgesessen - Freisprüche für alle vom Vorwurf der Freiheitsentziehung - Urteile nicht rechtskräftig

Graz - Der Prozess gegen vier Männer wegen Freiheitsentziehung, Nötigung, schweren Raubes, Sachbeschädigung und Drohung ist am Donnerstagnachmittag im obersteirischen Landesgericht Leoben mit den Urteilen zu Ende gegangenen. Die vier Beschuldigten hatten im Oktober 2011 eine Prostituierte aus einem obersteirischen Bordell geholt. Die Anklagen wegen Freiheitsentziehung, Sachbeschädigung und Raub wurden fallengelassen, die Männer - darunter der Vater und der Ex-Freund der jungen Frau - wurden zu teilbedingten Haftstrafen verurteilt. Die Staatsanwältin gab keine Erklärung ab, die Urteile sind nicht rechtskräftig.

Die Staatsanwaltschaft war davon ausgegangen, dass die Aktion gegen den Willen der Frau und mit Gewalt geschah, die Angeklagten fühlten sich dagegen in keiner Weise schuldig. Beschuldigt waren der Vater der Frau, ihr Cousin, ihr Ex-Freund sowie ein Bekannter. Beim Prozesstag am Mittwoch hatten sich die Angeklagten teilweise geständig gezeigt, aber geschlossen angegeben, die Frau sei freiwillig mitgekommen. Dem hatten am Donnerstag die Zeugen widersprochen. Das Opfer selbst konnte am Donnerstag nicht als Zeugin gehört werden, da sie aus der Slowakei nicht anreisen konnte.

Drohung mit Waffengewalt

Im Oktober 2011 waren die vier Männer gegen 4.30 Uhr in einen Nachtclub in Traboch (Bezirk Leoben) gestürmt. Sie verlangten nach der 21-jährigen Prostituierten aus der Slowakei, die seit einiger Zeit in dem Nachtclub gearbeitet hatte. Als der Besitzer des Clubs nicht gleich kooperierte, schlugen ihm die Männer mit einer Waffe auf den Kopf. Ebenso verfuhren sie mit einem Gast des Etablissements. Sie sollen laut Anklage auch eine Frau geschlagen haben, damit sie ihnen das Zimmer der Slowakin zeigt. Als sie die 21-Jährige gefunden hatten, nahmen sie ihr das Handy und 300 Euro Bargeld ab und gingen mit ihr vor die Türe.

Vor dem Bordell sollen die Männer noch drei Autoreifen zerschossen haben, bevor sie mit der Frau wegfuhren. Sie wurden kurze Zeit später ausgeforscht und in Wien festgenommen, behaupteten allerdings von Anfang an, die junge Frau sei freiwillig mit ihnen mitgekommen. Sie soll nach Angaben der Angeklagten gegen ihren Willen in dem Bordell festgehalten worden sein. Die 21-Jährige war schon vor ihrem Aufenthalt in der Steiermark auch in ihrer Heimat als Prostituierte tätig gewesen. Sie selbst hatte das Quartett von Anfang an entlastet und angegeben, sie sei freiwillig mitgefahren.

Der Vater erhielt 24 Monate Haft, davon sieben unbedingt, der Cousin der Frau 21 Monate, davon sieben unbedingt, der Ex-Freund der Frau 21 Monate, davon sieben unbedingt, sowie der Bekannte 18 Monate Haft, davon sieben unbedingt. Die Haftstrafen sind jedoch durch die U-Haft bereits abgesessen. Die vier legten keine Rechtsmittel ein, sie konnten das Gericht auf freiem Fuß verlassen. (APA, 31.5.2012)

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