Bisher genaueste Erfassung von Grönlands Eismassenverlust

31. Mai 2012, 19:21
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Erstmals wurden Eismassenveränderung unter Einbeziehung von Satellitendaten bestimmt

Dass das grönländische Eisschild an Masse verliert, ist mittlerweile unbestritten. Rund 0,7 Millimeter trägt das Abschmelzen pro Jahr zur aktuell beobachteten Meeresspiegeländerung von rund 3 Millimeter pro Jahr bei. Dieser Trend steigert sich jährlich um weitere 0,07 Millimeter pro Jahr. Ein internationale Wissenschaftergruppe hat nun die Eismassenveränderung der Insel im Detail aufgeschlüsselt.

Ermöglicht wurden die Untersuchungen durch einen neuen Vergleich dreier unterschiedlicher Arten von Satellitenbeobachtungen: die Messung der Änderung der Erdanziehungskraft durch die Eismassenänderung mit dem Satellitenpaar GRACE; die Vermessung der Höhenänderung mit dem Laseraltimeter auf dem NASA-Satelliten ICESat und die Bestimmung der Differenz zwischen Akkumulation aus regionalen Atmosphärenmodellen und dem Gletscherausstoß, wie er mit Radardaten gemessen wird.

Die Forscher unter Führung des Deutschen GeoForschungsZentrum GFZ konnten auch erstmals für jede Region mit bisher nicht erreichter Genauigkeit bestimmen, welchen Anteil Schmelzen, Eisbergkalben und Schwankungen im Niederschlag am gegenwärtigen Massenverlust haben. "So ist eine Zunahme des Massenverlusts im Nordwesten nach 2005 zum Teil auf starke Niederschläge in der Zeit davor zurückzuführen", erläutert Ingo Sasgen vom GFZ. "Dieser vorherige Massenzuwachs wurde in den folgenden Jahren abgebaut. Ähnlich verhält es sich im Osten Grönlands: dort wurde in den Jahren 2008 und 2009 sogar ein Massenzuwachs beobachtet."

Niederschlagsreiche Winter

Wie die Forscher in der aktuellen Ausgabe des Fachjournals "Earth and Planetary Science Letters" zeigen konnten, wurde dieser nicht durch langsamer fließende Gletscher bedingt, sondern durch zwei Winter mit besonders starkem Schneefall. Inzwischen setzt sich auch hier der Verlust von Eismasse fort. Für alle untersuchten Regionen sind die Schmelz- und Kalbungsraten zwischen 2002 und 2011 außergewöhnlich hoch im Vergleich zu denen der letzten fünf Jahrzehnte.

Die Arbeiten entstanden im Rahmen des Verbundes Regionale Klimaänderung REKLIM der Helmholtz-Gemeinschaft und des EU-Projekts ice2sea.Durch die Studie sind die Forscher dem Verständnis der gegenwärtigen Entwicklungen des Grönländischen Eisschilds ein Stück näher gekommen. Ingo Sasgen: "Wir wissen jetzt sehr genau, welchen Beitrag Gletscherkalben und Schmelzen an der gegenwärtigen Massenbilanz haben, und wo regionale Trends lediglich auf Niederschlagsvariationen zurückzuführen sind. Und wir wissen auch, wo unsere Messungen noch verbessert werden müssen."

Abrupten Anstieg in der Kalbungsrate

Eine solche Region ist der Nordwesten Grönlands, wo der Vergleich der Daten auch auf einen abrupten Anstieg in der Kalbungsrate hinweist, der von den Radardaten nur ungenügend erfasst wurde. Wodurch dieser Anstieg verursacht sein könnte, ob er kontinuierlichen oder episodischen Charakter hat, wollen die REKLIM/ice2sea-Wissenschafter in Zukunft klären. Eine notwendige Voraussetzung dafür ist eine genügend lange Messreihe, die durch Fortführung der präzisen Schwerefeldmessungen im Rahmen der neuen Satellitenmission GRACE-FO erstellt werden soll. (red, derstandard.at, 31.5.2012)


Abstract
Earth and Planetary Science Letters: Timing and origin of recent regional ice-mass loss in Greenland

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Ein Schmelzwasserpool im Ilulissat-Eisfjord an der Westküste Grönlands. Der Eis-Verlust durch Schmelzen und Eisbergkalben war während der letzten 10 Jahre außergewöhnlich hoch im Vergleich zu den letzten 50 Jahren.

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