647 PS unter der Haube, Leere im Kopf

31. Mai 2012, 17:01
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Direkt nach dem WTCC-Lauf präsentiert Chevrolet seine Sportikonen am Salzburgring

Runde 220 km/h stehen auf der Uhr. Es gibt zwei magische Punkte, die den Blick auf sich ziehen. Zum einen der Einlenkpunkt in die Fahrerlagerkurve am Salzburgring, zum anderen eben die Tachonadel im Camaro.

Auf der Bergauf-Geraden erreicht man die Höchstgeschwindigkeit auf diese kniffligen Rennstrecke - und im Fahrerlager gibt es kein anderes Thema als das Tempo vor dem Anbremsen. Auf der anderen Seite hängt man am Leben, und wer zu spät vom Gas geht, funktioniert die Leitplanke gleich zur Zahnspange um.

Durch das Funkgerät neben dem Beifahrersitz krächzt die verzerrte Stimme von Motorsportlegende Leo Geyer, der sich unsereins als wohlwollender Instruktor annimmt: "Vom Gas runter!" Na, wenn es der Profi sagt.

Der 432 PS starke Camaro fühlt sich gar nicht so an, als würde er schon kämpfen. Obwohl man merkt, dass man sich vor diesem Eck langsam seiner Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h nähert. Der 6,2 Liter große V8 beschleunigt bis über 200 km/h, dass es die pure Freude ist. Nur das Getriebe erinnert ein wenig an einen Lkw. Und dann schießt einem beim Einlenken durch den Kopf: "Beim WTCC-Lauf haben die Chevrolet-Piloten hier noch stehen gelassen." Sie sind dann aber auch durch Reifenplatzer von der Strecke geflogen.

Wir stellen den Camaro ins Eck und wechseln den Instruktor. Drift-Challenge-Juror Roland Frisch nimmt sich der Corvette an.

Ohne falsche Bescheidenheit gehen wir am Grand Sport vorbei, lassen den 512 PS starken Z06 links liegen und steuern geradewegs auf den ZR1 zu.

Angetrieben wird dieser ebenfalls von einem 6,2-Liter-V8. Nur leistet dieser dank Turbolader satte 647 PS, stemmt ein Drehmoment von 819 Newtonmetern und pflügt mit bis zu 330 km/h über die Rennstrecken dieser Welt.

Blunziger Ami, mit fettem Motor, dafür ohne Fahrwerk? Weit gefehlt. Das Fahrwerk, mit dem die Corvette in Europa ausgeliefert wird, ist straffer als ein frisch geliftetes Gesicht.

In unter vier Sekunden durchbricht dieser Chevy die 100-km/h-Marke. Was einem da durch den Kopf geht, wenn man aus der Boxengasse auf die Start-Ziel-Gerade hinausbeschleunigt, lässt sich in einem Wort beschreiben: "Nichts"

Imposant ist auch der Eindruck auf der Bremse. Ohne vorn groß einzusinken oder gar schwammig zu werden, baut die Corvette den Speed ab. Da hat sogar der Gurt jede Menge Arbeit.

Bis zu 260 km/h schießt die Nadel der ZR1 hinauf, bevor man vor der Fahrerlagerkurve vom Gas geht. Kurz rollen lassen, nach links einlenken, anbremsen, nach rechts einlenken, runterschalten und wieder vorsichtig ans Gas.

Selbst merkt man es vor lauter Konzentration kaum, welche Seitenkräfte in den Kurven wirken. Aber am Beifahrersitz dient die Mähne von Kollegin M. als G-Sensor. Wenn ihre Haarspitzen an der Fahrerwange kitzeln, dann passt auch die Rundenzeit.

Was nicht passt, das ist der Preis für die Corvette ZR1. Für dieses Auto sind die 180.888 Euro schon in Ordnung - aber die Portemonnaies dazu sind rar.

Der Einstieg in die Corvette-Welt beginnt mit dem 437 PS starken Grand Sport Coupé bei 101.835 Euro. Der fühlt sich auf der Rennstrecke übrigens auch mehr als nur wohl. (Guido Gluschitsch, DER STANDARD, 1.6.2012)

Bilder vom Salzburgring gibt's in einer Ansichtssache.

  • Wie die ewigen WTCC-Gewinnerautos Chevrolet Cruze fühlen sich auch der Camaro und die Corvette auf der Rennstrecke wie zu Hause.
    foto: guido gluschitsch

    Wie die ewigen WTCC-Gewinnerautos Chevrolet Cruze fühlen sich auch der Camaro und die Corvette auf der Rennstrecke wie zu Hause.

  • Der Camaro passt auch zum entspannten Power-Cruise, aber die Corvette ZR1 ist auf der Straße sicher gelangweilt.
Bilder vom Salzburgring gibt's in einer Ansichtssache.
    foto: guido gluschitsch

    Der Camaro passt auch zum entspannten Power-Cruise, aber die Corvette ZR1 ist auf der Straße sicher gelangweilt.

    Bilder vom Salzburgring gibt's in einer Ansichtssache.

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