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Helmut Reinalter/Peter J. Brenner (Hg.): "Lexikon der Geisteswissenschaften. Sachbegriffe - Disziplinen - Personen", Böhlau, Wien, 1433 Seiten, 149,- Euro, ISBN: 978-3-205-78540-8
Wien - Es klingt zunächst nach einem unmöglichem Unterfangen: das Wichtigste der Geisteswissenschaften in einem Buch zusammenzufassen. Im Böhlau Verlag ist nun das Ergebnis dieser Bemühungen in Form von 1.400 Seiten und gegliedert nach Begriffen, Disziplinen und Personen erschienen: Das "Lexikon der Geisteswissenschaften" ist als eine Art "Leistungsschau" konzipiert und soll so auf deren Bedeutung in der heutigen Gesellschaft hinweisen, so Herausgeber Helmut Reinalter. Denn im Gegensatz zu den Naturwissenschaften hätten Fächer wie Geschichte oder Germanistik oft ein Präsentationsproblem. Das Lexikon wird am Donnerstag in Wien vorgestellt.
"Auch die Forschungsergebnisse der Geisteswissenschaften sind unverzichtbar wichtig für die Gesellschaft. Die Öffentlichkeit hat ein Recht, sie auch zu erfahren", sagte der Innsbrucker Historiker Reinalter. Momentan litten viele Fächer unter Kürzungen, es gebe kaum mehr Geld für geisteswissenschaftliche Forschung.
Acht Jahre Arbeit
Acht Jahre Arbeit stecken in dem Lexikon. Es habe immer die große Zusammenschau gefehlt, erklärte Reinalter die Motivation hinter dem umfangreichen Projekt. Das Werk ist in drei Teile gegliedert. Der erste und größte Teil beschäftigt sich mit wichtigen Begriffen - von Analytik bis Zensur. Im zweiten Teil folgen die Disziplinen wie Ethnologie, Kunstgeschichte oder Orientalistik.
Dabei haben sich die Herausgeber Reinalter und Peter J. Brenner nach eigenem Bekunden bemüht, "die besten Autoren" der jeweiligen Fachgebiete zu gewinnen. So schreibt Dirk Baecker über Systeme, Christoph Jamme über den Mythos und Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle über Philologie.
Digitale Version bereits geplant
Der letzte Teil ist Persönlichkeiten der Geisteswissenschaften gewidmet. "Natürlich gibt es hier keinen Anspruch auf Vollständigkeit", so Reinalter. Die Auswahl reicht dennoch von Adorno bis Wölfflin. Eine zweite, erweiterte und korrigierte Auflage soll digital erscheinen und ist bereits in Planung.
Das Lexikon soll jedoch nicht nur die Leistungen der Geisteswissenschaften herausheben, sondern auch auf Schwächen hinweisen und Lösungsvorschläge bieten. Reinalter ortet vor allem Probleme in der Darstellung nach außen und dem Umgang mit den Medien: "Die Präsentation nach außen ist wirklich nicht ideal."
Außerdem müssten sich die Geisteswissenschaften stärker öffnen. Momentan sei ständig von Interdisziplinarität die Rede, es herrsche aber immer noch eine Art "Gartenzaunmentalität". In der Ausbildung müsse mehr Gewicht auf Praxis und Zusatzqualifikationen gelegt werden, ist Reinalter überzeugt. Nur so könnten die Geisteswissenschaften in Zukunft stärker in die Offensive gehen. (APA, 31.5.2012)
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