Mehr Fairness auf Wiens Straßen: "Tschuldigen ist nie verkehrt"

31. Mai 2012, 18:04
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Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou will Ärger im Verkehrsalltag vorbeugen

Wien - Gedacht ist es als Maßnahme gegen Wettkampfdenken auf Wiens Straßen, bevor es sich in "road rage" entlädt: Morgen, Freitag, startet eine Kampagne, die mit dem Slogan "Tschuldigen ist nie verkehrt", für mehr Rücksicht und Fairness unter Verkehrsteilnehmern werben soll. Dabei wird vor allem auf Situationen, die zwar erlaubt sind, aber Frust hervorrufen, aufmerksam gemacht - etwa Konflikte auf dem Zebrastreifen. Doch auch Radfahrverbot auf dem Gehsteig ist Thema, denn so mancher Radler hält sich nicht daran: "Ja, es ist ein großes Problem", sagte Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou (Grüne) Donnerstag bei der Präsentation.

Die Kampagne richtet sich an alle Verkehrsteilnehmer - vom Fußgänger bis zum Autofahrer. "Die Konflikte im täglichen Verkehr sind Stadtgespräch. Uns ging es darum, in diesem Bereich eine Sensibilisierung zu erreichen", sagt die Stadträtin. Klischees sollen aufgebrochen und das freundliche Miteinander verstärkt werden. Vassilakou unterstrich, dass es sich bei der Initiative um "keine Hausordnung" handle: "Unser Ziel ist, dass sich die Verkehrsteilnehmer in Wien sicherer fühlen. Egal ob man zu Fuß, mit dem Rad oder mit dem Auto unterwegs ist."

"Passt schon"

Eines der Sujets zeigt zum Beispiel einen Mopedfahrer, der sehr knapp vor einer Fußgängerin, die gerade auf dem Zebrastreifen die Straße quert, zum Stehen gekommen ist. In Sprechblasen gibt es einen kurzen Dialog zwischen den beiden zu lesen: "Tschuldigen", sagt der Lenker, die Frau antwortet: "Passt schon."

In Konfliktsituationen gehe es darum, im wörtlichen wie auch im übertragenen Sinn, vom Gas zu gehen, nicht gleich einen Streit anzufangen und sich zu entschuldigen, erklärte Vassilakou. Thematisiert wird auch das Radfahren auf dem Gehsteig: "Es ist nicht nur ausdrücklich verboten, sondern auch gefährlich".

Kostspielige Sensibilisierung

Die Kosten für die Kampagne belaufen sich auf 338.000 Euro. Insgesamt werden in Wien 500 Plakate aufgehängt, zudem Folder und Sticker verteilt und Inserate geschaltet. Auf dem Internetportal YouTube gibt es Videos zu sehen. Weiters sind Aktionen im öffentlichen Raum geplant. Die Kampagne wird den Sommer über laufen und im Herbst in den Schulen fortgesetzt, sagte Vassilakou.

Die Sensibilisierungskampagne hatte sie schon bei ihrem Amtsantritt angekündigt - und war mit dem Diktum vom "Knigge für Verkehrsteilnehmer" prompt ins Visier der Kritiker geraten. Dass sie damit nur rücksichtslose Radler ansprechen wolle, dementierte Vassilakou umgehend - schließlich finden sich unter urbanen Radfahrern nicht wenige Grün-Wähler. Die jetzige Kampagne wende sich bewusst "an alle Verkehrsteilnehmer". (APA/red, DER STANDARD, 31.5.2012)

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    Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou hat gemeinsam mit verschiedenen Organisationen und Interessengruppen die Kampagne "Tschuldigen ist nie verkehrt" ins Leben gerufen.

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