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Graz - Im Vorfeld der Fußball-EM in Polen und der Ukraine widmet sich am Dienstag eine Tagung an der Universität Graz den historischen Verflechtungen zwischen Fußball und diktatorischen Herrschaftsansprüchen. Der Schwerpunkt liegt auf Analysen der Fußballgeschichte des 20. Jahrhunderts. Aufgerollt wird dabei auch die steirische Fußball-Vergangenheit der Jahre 1938 bis 1945. Sie wird von Forschern des Grazer Ludwig-Boltzmann-Instituts für Kriegsfolgenforschung beleuchtet.
Sportliche Widerstandskämpfer waren sie nicht, die Spieler der steirischen Fußballvereine im Dritten Reich. So viel kann Walter M. Iber vom Ludwig-Boltzmann-Institut bereits sagen. Angespornt von der im Vorjahr präsentierten Aufarbeitung der Vereinsgeschichte von Rapid Wien "unter dem Hakenkreuz" will der Grazer Historiker gemeinsam mit Harald Knoll und Alexander Fritz Licht ins Dunkel der steirischen Fußballgeschichte bringen. Beachtung finden dabei nicht nur die beiden großen Grazer Vereine GAK und Sturm, sondern auch die größeren Fußballklubs in der Obersteiermark, Kapfenberg und Leoben-Donawitz.
Das bisherige Studium der Akten habe gezeigt, dass die steirischen Fußballer gute "Mitspieler" waren: "Die Sportplätze wurden natürlich zur Propagandabühne der Nationalsozialisten, aber der steirische Fußballsport blieb, abgesehen von den linientreuen Funktionären an den Spitzen, relativ unpolitisch", so Iber. Vorgaben wie den Hitlergruß, die Hakenkreuzbeflaggung des Fußballfeldes und den personellen Wechsel an den Spitzen habe man ohne Widerstand in Kauf genommen und "arrangiert".
Spieler aus der Kaserne
Und die Aufrechterhaltung des Fußballsports inmitten des Krieges war alleine schon hinsichtlich der personellen Ressourcen schwierig. "Bei Sturm wissen wir von 55 Kaderspielern, die innerhalb eines Jahres eingezogen wurden. Da hat man dann auch auf Soldaten aus der Wetzelsdorfer Kaserne, wahrscheinlich Angehörige der Waffen-SS, als Spieler zurückgegriffen", schilderte Iber. Ihre Forschungen wollen die drei Historiker bis Ende 2013 abgeschlossen haben.
Erste Ergebnisse werden am 5. Juni bei der Tagung "Fußball, Macht und Diktatur- Streiflichter auf den Stand der historischen Forschung" an der Universität Graz präsentiert. Zur Sprache kommen sollen auch Aspekte des sowjetischen Fußballsports in der Stalin- und Chruschtschow-Zeit sowie Fußballmythen in Polen und der Ukraine. (APA/red, derstandard.at, 3.6.2012)
Veranstaltungstipp
"Fußball, Macht und Diktatur - Streiflichter auf den Stand der
historischen Forschung"
5. Juni, Karl-Franzens-Universität Graz, 8010 Graz,
Universitätsplatz 3, Hauptgebäude, Neuer Senatssaal
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in der NS-Zeit war man mit dem Tod bedroht wenn man sich gegen die Nazis gestellt hat - insofern hatten das nicht viele getan und die meisten haben es nicht öffentlich getan sondern im geheimen.
sportvereine und -verbände eigenen sich nicht sehr gut um im geheimen zu operieren demzufolge waren in allen sportvereinen leute anzutreffen, die nichts gegen die nazis getan haben bzw. diese sogar untersützt haben.
sportvereine die anders agiert haben gibts heute nicht mehr und ihre funktionäre sind ebenso ins konzentrationslager gekommen...
dasselbe gilt für firmen-wer sich damals als firmeninhaber geweigert hat mit den nazis zusammenzuarbeiten wär seine firma und sein leben los gewesen.
Hier geht es aber nicht um Schuldzuweisungen, Klubbrille oder politische Kleingeldwechslerei sondern um eine geschichtswissenschaftliche Aufarbeitung der Materie. Fußballgeschichte ist ganz einfach Teil der Sozialgeschichte und damit - seriös behandelt udn unaufgeregt - ein Forschungsobjekt wie viele andere.
Es ist eine Tatsache dass von den über hundert Jahren Fußballgeschichte in diesem Land die Jahre 38-45 zu jenen gehören, die am wenigsten beschrieben und analysiert sind. Das liegt wohl daran, dass es vielen Vereine diesen Zeitraum gerne in der Chronik überspringen, weil es ihnen offenbar peinlich ist oder unopportun erscheint.
Und es ist daher begrüßenswert wenn die Wissenschaft (und zum Teil die Vereine) diese Lücken schließt.
weil man dann jeden sportverein kritsieren muß, der zu der zeit schon existierte und es heute noch tut.
die leute, die sich damals nicht zum nationalsozialismus bekannten, waren in der gesamten bevölkerung vielleicht mit 2-3% vertreten und die meisten von ihnen haben es aus dem grund nicht überlebt.
insofern kann man davon ausgehen, daß auch bei den sportvereinen im schnitt 97-98% der mitglieder die politik mitgetragen haben.
die geschichte der vereine wird dadruch auch nicht dunkler als die der gesamtbevölkerung.
Ich fürchte das Mißverständnis liegt genau darin, dass viele es als Kritik auffassen, wenn man sich überhaupt mit der Materie befasst und - no na - zur Erkenntnis gelangt, dass die Vereinsverantwortlichen oder die Spieler im Schnitt genauso wenig Helden oder Widerständler waren wie der Rest der Bevölkerung.
Aber darum geht es eben nicht, es geht schlicht um das historische Interesse daran, wie der Fußball zur Zeit der Diktatur funktioniert hat, mit allem was dazugehört hat, politische Vereinnahmung, kulturelle Gleichschaltung, Eskapismus, Mitläufertum, etc.
Das man das unaufgeregt und historisch seriös machen kann, hat das letztjährige Buch über Rapid zur NS-Zeit sehr schön gezeigt und gilt auch für das Grazer Projekt zu hoffen.
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