Fast eine Milliarde Menschen hungern

31. Mai 2012, 13:36
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Zwei Drittel von ihnen leben in lediglich sieben Ländern - Caritas-Präsident Küberl: "Endlich vom Reden zum Tun kommen"

Wien - Fast eine Milliarde Menschen hungern, täglich sterben rund 7.000 Kinder an den Folgen von Unterernährung. Am stärksten betroffen sind Asien und Afrika, wo derzeit allein in der Sahelzone mehr als 18 Millionen Menschen aufgrund von Dürre und Nahrungsmangel akut vom Tod bedroht sind. Im Vorfeld der am Freitag beginnenden internationalen Hungerkonferenz in Wien forderte Caritas-Präsident Franz Küberl: "Wir müssen endlich vom Reden zum herzhaften und tatkräftigen Tun kommen."

"Zukunft ohne Hunger" ist der Titel bzw. das Motto der Konferenz, an der namhafte Experten aus 20 Ländern teilnehmen werden. Angekündigt war auch der ehemaligen UN-Generalsekretär Kofi Annan, der jedoch wegen seiner Vermittlungstätigkeit im Syrien-Konflikt kurzfristig absagen musste. Bis zu 700 Gäste werden erwartet.

884 Millionen ohne sauberes Wasser

Laut der UNO-Welternährungsorganisation (FAO) leben 578 Millionen Menschen, die nicht genug zu essen haben, in Asien, 239 Millionen in Afrika, 53 Millionen in Lateinamerika, 37 Millionen im Nahen Osten bzw. Nordafrika und 19 Millionen in den übrigen Regionen der Welt. Zwei Drittel der Hungernden leben in lediglich sieben Ländern: Bangladesch, China, Demokratische Republik Kongo, Äthiopien, Indien, Indonesien und Pakistan. Darüber hinaus haben 884 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser.

Hungerkatastrophen werden oftmals von Menschen verursacht: Geringe landwirtschaftliche Erträge durch veraltete Anbaumethoden und unzureichende Lagerung, hohe Getreidepreise, instabile Regierungen, bewaffnete Konflikte, Monokulturen, Benachteiligung von Frauen, Klimawandel, globaler Agrarhandel und Landraub sorgen in Regionen, in denen ohnehin latenter Nahrungsmangel herrscht, für eine zusätzliche Verschärfung der Situation.

Historische Chance

"Erstmals in der Menschheitsgeschichte haben wir die Chance, absolute Armut und Hunger zu beseitigen. Es braucht einen nationalen und internationalen Schulterschluss gegen den Hunger und für nachhaltige Ernährungssicherheit, damit sich substanziell etwas an der Lage der betroffenen Menschen ändert", sagte Küberl.

Kritik übte der Caritas-Präsident an der Regierung: "Es wurden 1,5 Millionen Euro für die Menschen in der Sahelzone zugesichert, das war ein guter Schritt. Erst auf akute Katastrophen zu reagieren ist jedoch zu wenig. Ich fordere die österreichische Bundesregierung auf, die Kürzungen bei der Entwicklungszusammenarbeit zurückzunehmen."

Die aktuellen Zahlen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) bestätigen Küberl. Laut dem OECD-Bericht hat Österreich 2011 nur 0,27 Prozent des Bruttonationaleinkommens (BNE) für Entwicklungshilfe ausgegeben, was einem Rückgang von 14,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Mehr gekürzt haben nur Griechenland (39,3 Prozent) und Spanien (32,7 Prozent).

Millenniumsziel schwer zu erreichen

Ebenfalls wenig erfreulich: Seit 1990 konnte laut dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) der Hunger in den Entwicklungsländern lediglich um ein Fünftel reduziert werden. Damit bleiben bis 2015 nur noch gut zweieinhalb Jahre, um das UN-Millenniumsziel einer Halbierung des weltweiten Hungers zu erreichen.

Zu Wort kommen werden bei der Caritas-Hungerkonferenz unter anderen Kristalina Georgiewa, EU-Kommissarin für Internationale Zusammenarbeit, humanitäre Hilfe und Krisenbewältigung, Mohan Munasinghe, als Vizevorsitzender des Weltklimarats der Vereinten Nationen (IPCC-AR4) Träger des Friedensnobelpreises 2007, der ehemalige stellvertretende FAO-Generaldirektor Tesfai Tecle sowie Kardinal Oscar Rodriguez Maradiaga, Präsident der Caritas Internationalis.

Im Rahmenprogramm gibt es einen Gedenkgottesdienst im Wiener Stephansdom (Freitag, 18 Uhr) und ein Benefizkonzert im Museumsquartier (Freitag, 19 Uhr). Ebenfalls am Freitag wird ab 19.15 Uhr  die Kirche Am Hof zur Caritas-Kirche mit Hungerschwerpunkt. Zur Stärkung wird ab 22.30 Uhr ein afrikanischer Eintopf vom Canisibus serviert. Am Samstag findet um 16.30 Uhr bei der Pestsäule am Graben eine Abschlusskundgebung mit Caritas-Präsident Küberl und Caritas-Direktor Michael Landau statt. (APA, 31.5.2012)

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    Essensausgabe in Risalpur, Pakistan. Das asiatische Land ist eines der am stärksten von Hunger betroffenen.

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