Europa braucht besser qualifizierte Bauarbeiter

31. Mai 2012, 13:23
2 Postings

Für Umsetzung der Energieeffizienz-Ziele der EU sind schon 2015 doppelt so viele qualifizierte Fachkräfte nötig wie jetzt - Brüssel ruft Initiative "Build Up Skills" ins Leben

15 Millionen Bauarbeiter gab es noch 2008 in der gesamten EU. Auch wenn diese Zahl im Zuge der Wirtschaftskrise mittlerweile substanziell gesunken sein mag: Richtig ausgebildet sind nach wie vor die wenigsten davon. Konkret sind es laut Erhebungen anlässlich des EU-Energieeffizienzplans von 2011 "nur" 1,1 Millionen Arbeitskräfte am Bau, die ihren Beruf erlernt und auch abgeschlossen haben.

Weil sich mit diesen die Ziele der EU in Sachen Energieeffizienz - unter anderem die Anhebung der Sanierungsrate auf drei Prozent und die ausschließliche Errichtung von Neubauten mit Passivhaus-Gebäudehülle - nicht erreichen lassen, nahm die EU-Kommission etwas Geld in die Hand und hat das Programm "Build Up Skills" ins Leben gerufen. Mit zunächst acht Millionen Euro sollen im ersten Teil der Initiative, der bis 2013 läuft, in den Mitgliedsländern neue Ausbildungswege und Lehrpläne erstellt werden, um die Qualifikation der Fachkräfte merklich zu verbessern. Schon 2015 wird der Bedarf an qualifizierten Facharbeitern nämlich bei geschätzten 2,5 Millionen liegen.

Vermeidbare Fehler

In Österreich tritt die Energieagentur als Koordinator auf, sie arbeitet schon seit Ende 2011 an der nationalen "Roadmap" zur Verbesserung der Qualifikation von Facharbeitern im Gebäudebereich. Dass das auch hierzulande notwendig ist, wo es immerhin seit 20 Jahren Passivhäuser gibt und das nachhaltige Bauen vergleichsweise weit fortgeschritten ist, sieht man in der Energieagentur unter Verweis auf diverse Bauschadensberichte klar als gegeben an. In den Sparten Hochbau und Bauhilfsgewerbe müssen jährlich bis zu 180 Millionen Euro für die Beseitigung von Mängeln und das Beheben von Schäden in die Hand genommen werden.

"Alle Fehler sind nicht vermeidbar, aber eine Reduktion eines Teils dieser Kosten durch geeignete Maßnahmen, z.B. durch die Verbesserung des Planungsablaufes und den verstärkten Einsatz von Qualitätssicherungssystemen auf der Baustelle, erscheint möglich und durchsetzbar", heißt es von Seiten der Energieagentur auf Anfrage von derStandard.at. "Eine Verringerung dieser Kosten käme den einzelnen ausführenden Unternehmen und den Bauherren zu Gute."

"Deutlich höhere Schadenssumme"

Darin noch gar nicht enthalten seien Fehler, die dazu führen, dass die geplante Energieeffizienz nicht erreicht wird. "Diese werden bisher kaum als Bauschaden gewertet." Außerdem kämen noch externe Kosten dazu, die der Volkswirtschaft durch zusätzlich emittiertes CO2 und andere Schadstoffe, wie beispielsweise Feinstaub, entstünden. "Es muss daher von einer deutlich höheren Schadenssumme ausgegangen werden."

Profitieren soll von der Initiative "Build Up Skills" die gesamte Volkswirtschaft: Mit rund 30 Prozent des Endenergieverbrauchs stellt der Gebäudebereich in Österreich ein großes Potential zur Einsparung von Energie und zur Reduktion von Treibhausgasen dar. Durch die Umsetzung der Maßnahmen der "Energiestrategie 2010" sollen im Bereich der Gebäudesanierung bis zu 37.000 Arbeitsplätze geschaffen und gesichert werden. (map, derStandard.at, 31.5.2012)

Links

Build Up Skills (energyagency.at)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die Fachkräfte in der Bauwirtschaft sollen "optimal" ausgebildet sein, wünscht sich die EU-Kommission.

Share if you care.