Immofinanz laboriert weiter an Anlegerklagen

  • Ex-Immofinanz-Chef Karl Petrikovics. In seine Ära fällt der mutmaßliche Schaden.
    foto: apa/fohringer helmut

    Ex-Immofinanz-Chef Karl Petrikovics. In seine Ära fällt der mutmaßliche Schaden.

Das Gericht hat nun 160 Verfahren für die 3.474 sich geschädigt fühlenden Anleger gebündelt. Ein Gutachter soll die gemeinsamen Sachverhalte beurteilen

Wien - Die Immofinanz-Gruppe laboriert nach wie vor an Hunderten Klagen von Anlegern, die sich geschädigt fühlen. Das Handelsgericht Wien hat nun 160 Verfahren für die 3.474 sich in der Ära von Karl Petrikovics geschädigt fühlenden Anleger gebündelt, die der Prozessfinanzierer AdvoFin eingebracht hat. Der Streitwert belaufe sich auf mehr als 200 Millionen Euro, berichtet die "Wiener Zeitung" heute, Donnerstag. Ebenfalls zusammengelegt werden sollen die Klagen der Anwälte Andreas Köb, Michael Poduschka und Benedikt Wallner für Anleger mit Rechtsschutzdeckungen - die Schadenssumme beläuft sich hier auf rund 40 Millionen Euro. Die Immofinanz ist gegen diese Bündelung.

Immofinanz will von Fall zu Fall streiten

Gegen die Zusammenlegung in Sachen AdvoFin habe die Immofinanz bereits Rechtsmittel eingelegt, sei aber mit dem ersten bereits abgeblitzt. Das Gericht wolle sich damit einfach nur die Einvernahme der Anleger ersparen. "Das hat es noch nie gegeben. Wir werden auf eine Einvernahme der Parteien bestehen", sagte Immofinanz-Chefjurist Josef Mayer zur "Wiener Zeitung". In dem Gutachten müsse der mögliche Schadenszeitraum vom ersten bis zum letzten Kläger abgedeckt werden. Es werde daran scheitern, dass die Gutachtenerstellung ewig lang dauern und das Gutachten ein Monster sein werde, so Mayer. Schon in den Strafverfahren gehe nichts weiter, weil die Gutachter mit der Komplexität des Falles überfordert seien.

Möglicherweise will das Gericht die Immofinanz und die Anleger mit der Bündelung zu Vergleichsverhandlungen bewegen, wird vermutet. Für den neuen Immofinanz-Chef Eduard Zehetner ist ein rechtlicher Vergleich mit Anlegern kein Thema: Jeder einzelne Fall sei anders gelagert. "Wenn jemand streiten will, muss er die Themen mit uns ausstreiten."

AWD am Pranger

Für Vergleichszahlungen müssten am Ende die 70.000 derzeit vorhandenen Immofinanz-Aktionäre aufkommen. Der Strukturvertrieb AWD habe auch Leute zu Aktionären gemacht, die besser keine geworden wären. "Mit einer - aber rechtlich nicht existenten - Fürsorgepflicht hätte man diese nicht zu Aktionären machen dürfen. Ich halte das auch für unmoralisch", so Zehetner. AWD bestreitet alle Vorwürfe. (APA, 31.5.2012)

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