"Wir Bauern Online" statt Facebook und Co.

82 Prozent aller 200.000 heimischer landwirtschaftlicher Betriebe sind im Internet vertreten

82 Prozent aller 200.000 heimischer landwirtschaftlicher Betriebe sind laut Hans Royer im Internet vertreten, werben mit eigenen Homepages für Urlaub auf ihrem Bauernhof, diskutieren in Foren allfällige Probleme oder erledigen die vorgeschriebenen Tiermeldungen online.

Virtueller Dorfplatz

Doch was dem Rohrmooser Bergbauern fehlte, war ein eigenes Netzwerk, auf dem Österreichs Bäuerinnen und Bauern rasch relevante Informationen austauschen und ihre Ressourcen managen können. Gewissermaßen ein virtueller Dorfplatz, jenseits von Facebook und Xing. "Eine Diskussion über Milchpreise zu führen - das funktioniert auf Facebook nicht", sagt Royer. Mehrere Jahre keimte die Idee in seinem Kopf, führte ihn hinauf bis Hamburg und ist nun gewissermaßen erntereif: "Wir Bauern Online", eine Plattform von Bauern für Bauern.

Bevor das Netzwerk vor zwei Wochen startete, folgte Royer dem Rat seines strategischen Beraters Helge Fahrnberger und testete die Akzeptanz. Und zwar "nicht mit einem geilen Spiel, sondern mit mit einem nutzbringenden Service: Maschinenmangement". Lief die Reservierung für gemeinsam in einem Maschinenring angeschaffte Landwirtschaftsgeräte - von der Scheibtruhe bis zum Traktor - bisher ausschließlich telefonisch, konnten interessierte Nutzer dies nun online erledigen. "Ende 2011 hatten wir bereits 3000 aktive Nutzer", berichtete der Landwirt am Mittwoch auf einer Presseveranstaltung.

Features

Neben dem Maschinenmanager stehen den Nutzern die üblichen Funktionen sozialer Netzwerke zur kostenlosen Verfügung, wie das Verfassen von Statusmeldungen, das Teilen von Fotos, das Versenden von Einladungen, aber auch der Austausch von Dokumenten. Ein weiteres Feature sind Umfragen, die rasch einmal gestartet werden können, um sich ein Meinungsbild zu einem Thema oder Problem zu verschaffen. Für Vereine, Verbände und Organisationen gibt es die Möglichkeit einer Premium-Mitgliedschaft von 300 Euro pro Jahr aufwärts. Diese beinhaltet Zusatzfunktionen wie Videokonferenzen, erweiterte Meinungsumfragen und gezielte Diskussionen.

Auch wenn sich auf der Webseite ein Kontakthinweis zu Werbemöglichkeiten befindet, sei Werbung derzeit nicht geplant, sagt Reinhardt Schwartz von der die Plattform unterstützenden Mödlinger Agentur mmc. Und als Bauer weiß Royer: "Gute Dinge brauchen ihre Zeit zum Wachsen." (kat)

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