9. VIS-Kurzfilmfestival: Einstimmung im Liegen

31. Mai 2012, 01:11
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Airbed-Abend am Samstag und internationale Gäste am Montag vor den eigentlichen "Vienna Independent Shorts" vom 6. bis 10. Juni im Gartenbaukino

Der Kartenvorverkauf für die neunte Ausgabe des internationalen Kurzfilmfestival "Vienna Independent Shorts" (VIS) ist bereits im Gange, große Sorgen bezüglich verfügbarer Tickets muss sich jedoch niemand machen, gastiert VIS doch - als Teil seiner Neustrukturierung -  von 6. bis 10. Juni erstmals durchgängig im geräumigen Wiener Gartenbaukino.

Ein netter Rahmen, wenn etwa am Donnerstag,  7. Juni, in drei Programmblöcken (18:30, 20:30, 22:30) der Wettbewerb österreichischer Filme abgehalten wird (18 Filme, drei Preise mit einer Gesamtdotierung von 6.000 Euro) - und die Filmakademie danach im Kinofoyer zu "After Hours" lädt.

Vorboten des Festivals

Zwei attraktive Vorboten des Festivals finden in beschränkten Settings statt: Das sogenannte "Liegekino" lädt am Samstag, 2. Juni, erneut in die MediaOpera in den ehemaligen Rinderhallen in St. Marx. Luftmatratzen ersetzten Sitze, projiziert wird an den Plafond, nach zwei Screenings der 13 kurzen Werken wird der "Airbed Movie Award" vergeben. (21:30, 23:00 - Tickets zumindest für die zweite Vorführung noch verfügbar).

Und am Montag, 4. Juni, präsentieren sich ab 20:00 Uhr im Raum D im  MuseumsQuartier (MQ)  bei freiem Eintritt zwei internationale Festivals mit Gastprogrammen: das spanische "L'Alternativa Barcelona Independent Film Festival" (www.alternativa.cccb.org) und das brasilianische Animations-Festivals "Anima Mundi" (www.animamundi.com.br), mit Tombola und kommunikativem Austausch. 

Die Wettbewerbe

Das eigentliche Festival startet am Mittwoch, 6. Juni - bei einer aufgrund notorischer Finanzsorgen von sieben auf fünf Tage gekürzten Länge. Für den  internationalen Wettbewerb "Fiction and Documentary" wurden aus über 2.000 Einreichungen vier Programme mit insgesamt 25 Filmen aus 16 Ländern destilliert. Vergeben werden der mit 4.000 Euro dotierte Wiener Kurzfilmpreis, gestiftet von der Stadt Wien,  der Jameson Audience Award (1.000 Euro) und der mit 750 Euro dotierte Elfi-von-Dassanowsky-Preis. Vergeben werden die Preise am Samstag, 9. Juni, im Rahmen der "Night of the Light", dem Finale eines Kürzestfilm-Wettbewerbs von Wien Energie.

Artist-in-Residence ist der mit Biologie-Anleihen arbeitende deutsche Künstler Robert Seidel: Ihm gewidmet ist u.a. eine eine Ausstellung im ASIFAkeil im MQ, Arbeiten von ihm finden sich in verschieden Sektionen des Festivals, und er gestaltete auch die Festival-Signation:    

Ein Tribute oder die Bespielung der Stadtkirche ließ sich 2012 leider nicht mehr finanzieren, andere Programmpunkte werden weitergeführt - so der traditionell populäre komische Abend des "Prix Trés chic" mit viel Surrealem und Obskuren (Freitag, 8. Juni, 23:30, mit anschließender Themenparty).

Dazu kommt der mittlerweile dritte Wettbewerb "Animation Avantgarde" mit drei Programmen und 36 Filmen aus 18 Ländern um den mit 2.000 Euro dotierten ASIFA Austria Award - der, das sei erwähnt, beträchtliches internationales Renommee genießt (und von der Gartenbau-Leinwand spezifisch profitiert).

Neu: Oberhausen-Special und "Pushing the Boundaries"

Vor genau 50 Jahren erschien das rebellische "Oberhausener Manifest" zum deutschsprachigen Filmschaffen: In Zusammenarbeit mit der der Uni Wien (TFM) und VIS  bringt das österreichische Filmmuseum ab 7. Juni zwei Symposiums-Tage und ein einwöchiges Retrospektiv-Programm unter dem Titel "Die Provokation der Wirklichkeit" - Details dazu unter www.filmmuseum.at und  www.oberhausener-manifest.com.

Und weil resiginierendes Klein-Beigeben vor den unzulänglichen Subventionen keine Lösung sein kann, hat sich das VIS-Team zu vier selbstkuratierten Programmen entschlossen. Gewürdigt wird ihn ihnen der historische Umstand, dass Kurzfilme immer schon flexibler sein konnten, wenn es galt, an geschmacklichen oder politischen Grenzziehungen zu rütteln. Unter dem Übertitel "Pushing the Boundaries" befassen sich vier Programme bei teilweisen Altersbeschränkungen (16 bzw. 18) etwa mit "Perversion / Subversion" oder "Provokation / Zensur".

Das mag spektakelhaft klingen (und ist es in Einzelfällen eventuell auch), zu sehen sind in diesem Schwerpunkt jedenfalls eine Reihe von Klassikern - so aus dem Feld von Animation und Musikvideos, so George Franjus ungeschminkt blutsatter Schlachthaus-Klassiker "Le sang des betes" von 1949, so Werke von Valie Export ("Remote ... Remote ..." aus 1973),  Martin Scorsese ("The Big Shave", 1967) oder Jean Genet ("Un chant d'amour", 1950). (red, derStandard.at, 30.5.2012)

Tipp: der Programm-Überblick zum Download unter viennashorts.com/uploads/media/VIS2012_Falzflyer.pdf

  • Fotografischer Rückblick auf das Liegekino 2011 in der MediaOpera.
 
    foto: vis

    Fotografischer Rückblick auf das Liegekino 2011 in der MediaOpera.

     

  • Ein Beitrag zum Eröffnungsprogramm am 6. Juni:  "Land of the Heroes" von Sahim Omar Kalifa.
 
    foto: vis

    Ein Beitrag zum Eröffnungsprogramm am 6. Juni:  "Land of the Heroes" von Sahim Omar Kalifa.

     

  • "Keha malu" von Ülo Pikkov, Teil des Wettbewerbs der Animation Avantgarde. Als P.S.: Für STANDARD-Abonennten rentiert sich der Festival-Pass ab dem vierten Screening.
 
    foto: vis

    "Keha malu" von Ülo Pikkov, Teil des Wettbewerbs der Animation Avantgarde. Als P.S.: Für STANDARD-Abonennten rentiert sich der Festival-Pass ab dem vierten Screening.

     

  • In "Decapoda Shock" erzählt der Spanier Javier Chillon von einem  Astronauten, der durch einen Unfall zu einem menschlichen Hummer mutierte, Racheschwüre und  Medienruhm folgen. Ein mehrfach preisgekrönter Mix aus Comic-Surrealismus und Trash, in Wien Teil des "Très chic"-Programms.
 
    foto: vis

    In "Decapoda Shock" erzählt der Spanier Javier Chillon von einem  Astronauten, der durch einen Unfall zu einem menschlichen Hummer mutierte, Racheschwüre und  Medienruhm folgen. Ein mehrfach preisgekrönter Mix aus Comic-Surrealismus und Trash, in Wien Teil des "Très chic"-Programms.

     

  • Was genau in "Say Say Say" der Norweger Lars Andheim und Christoffer Lossius passiert, wird für Über-18-Jährige im vierten Teil der "Pushing the Boundaries"-Schiene enthüllt. 
 
    foto: vis

    Was genau in "Say Say Say" der Norweger Lars Andheim und Christoffer Lossius passiert, wird für Über-18-Jährige im vierten Teil der "Pushing the Boundaries"-Schiene enthüllt. 

     

  • Im Rahmen des Oberhausen-Rückblicks "Die Provokation der Wirklichkeit" im Filmmuseum: "Maßnahmen gegen Fanatiker",  1968 inszeniert von Werner Herzog.
 
    foto: filmmuseum

    Im Rahmen des Oberhausen-Rückblicks "Die Provokation der Wirklichkeit" im Filmmuseum: "Maßnahmen gegen Fanatiker",  1968 inszeniert von Werner Herzog.

     

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