Der juristische Rächer der Hypo Alpe Adria

Kopf des Tages30. Mai 2012, 19:33
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Der Jurist Georg Krakow ist bei der Hypo Alpe Adria von jetzt an für die Vergangenheitsbewältigung zuständig

Georg Krakow (in Lautschrift: Krako, denn der Name stammt aus dem Preußischen, und das verschweigt das "w") ist wieder einmal in seiner Lieblingsregion angekommen. Aus thematischer Sicht jedenfalls, denn der 46-Jährige mit dem Bubengesicht und dem leicht ergrauten Haar liebt jene juristischen Gefilde, in denen einander Wirtschaftsrecht und Straf- und Zivilrecht begegnen. Sein Job für die nächsten zwei Jahre - "externer Koordinator" der Hypo Alpe Adria und somit eine Art juristischer Rächer - wird ihm da viel Abwechslung bieten.

Seit langem zeichnete sich der Jobwechsel ab, er war nur nicht so schnell umzusetzen, denn die rote Reichshälfte zierte sich. Dass er als Staatsanwalt die Chefs der ehemaligen Gewerkschaftsbank auf die Anklagebank und vor die Richterin brachte, zumal in Vorwahlzeiten, kam nämlich nicht so gut an.

Noch schlechter kam dann freilich der Karrieresprung des im Burgenland lebenden Vaters dreier Kinder nach dem Bawag-Prozess an. Die ÖVP machte Bawag-Richterin Claudia Bandion-Ortner zur Justizministerin, Krakow kam mit ihr, wurde Kabinettschef - und machte sich als solcher erstens unentbehrlich für die Ministerin und zweitens jede Menge Gegner. Zusammenlegung von Ressorts im Ministerium, Sparmaßnahmen taten das ihre. "Machtbewusstes Auftreten im Auftrag der ÖVP" sagt man dem Mann, der während seines Studiums bei Möbelhändlern Kästen zusammengebaut und über den Handel in die Justiz gefunden hatte, heute in der Justiz nach. Kritik, die den gnadenlosen Pragmatiker wohl nicht rasend stört - wer verändert, eckt an, wird er sich denken. Und was er wollte, hat er bekommen: Einblick, wie die Politik und der Staat funktionieren.

Selbiges hat Krakow übrigens schon in seiner Zeit als (übrigens: schlechter) Gymnasiast interessiert. Da studierten seine Freunde und er das Staatswesen in einer Art Länder-Spiel. Den Staat nannten sie Georgien.

Selbst die schärfsten Kritiker machen Krakow, der als Staatsanwalt Fälle wie Yline, Amis oder die Insidercausa Bierbrauer betreute, eines nicht streitig: seine exzellenten Qualitäten als Jurist. Selbige hat er nach seinem Abschied aus dem Ministerium weiter verfeinert. Er machte den MBA für Staatsanwälte, seine Anwaltsprüfung und ging in die Wirtschaftskanzlei Baker & McKenzie - und hat sich den Rückweg in die Justiz offengehalten. Noch ist Krakow karenzierter Oberstaatsanwalt. (Renate Graber, DER STANDARD, 31.5.2012)

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    Ein Jurist, der aneckt: Hypo-Koordinator Georg Krakow.

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