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  • Vie Vinum, Hofburg Wien, 2.-4.6.
    foto: hersteller

    Vie Vinum, Hofburg Wien, 2.-4.6.

Vie Vinum ist - und Weinfans sollten hingehen, meint Luzia Schrampf

Wieder sind zwei Jahre ins Land gezogen, und Vie Vinum, die größte Messe für österreichischen Wein in der Wiener Hofburg, steht ins Haus. Erfreulich an dieser Versammlung heimischer Winzer an einem Platz ist immer wieder: Endlich kann man probieren, wonach einem gerade gelüstet, ohne vom Burgenland ins Kamptal fahren zu müssen, oder das testen, wovon man schon soooo viel gehört hat, z. B. diese Amphoren-Weine.

Man kann prüfen, ob die eigenen Vorurteile in puncto Wein noch halten: zum Beispiel, dass österreichischer Rotwein nix ist im internationalen Vergleich (siehe Burgenland, Carnuntum, Thermenregion und die feinen Pinot noirs und St. Laurents aus dem Kamp- und Kremstal). Und sollte man überzeugt sein, dass das Weinwunder durch ist und dem Nachwuchs die Ideen ausgehen, dem sei ein Besuch bei Christian Tschida, Hannes Reeh, Markus Altenburger, Christoph Wachter oder Ingrid Groiss empfohlen (Aufzählung ohne den geringsten Anspruch auf Vollständigkeit ...).

Nachhaltigkeit

Auch "bio" im Weinbau gehört schon lange nicht mehr in die Nerd-Ecke und reicht auch weit über die Schubladen bioorganisch und biodynamisch hinaus. Zur Bio-Gedankenwelt gehört auch Nachhaltigkeit, bei der ganz generell auf den Umgang mit dem zur Verfügung Stehenden abgezielt wird, beginnend bei der Behandlung der Mitarbeiter und der eigenen Lebensweise, wobei es hier wieder viele Überschneidungen mit der Biodynamie gibt. Zu dieser Gedankenwelt zählen auch Winzer, die - zuweilen auch ohne offizielles Siegel - zu Weinherstellungsmethoden greifen, die ungewöhnlich sind und die Hauptdiskussionsbeiträge der jüngeren Zeit liefern: Weine werden in Amphoren gelagert beziehungsweise auch vergoren, oder Weinen wird möglichst wenig oder auch kein Schwefel zugesetzt (... wobei das Erste nicht notwendigerweise zum Zweiten führt).

"Alles sehr kompliziert", meinte ein österreichischer Bundeskanzler der 1980er-Jahre, und recht hatte er. Auf keinen Fall aber ist Wein und das, was derzeit in diesem Bereich im Gange ist, in ein einfaches Gut-Böse-Schema zu schachteln. Gastland ist heuer übrigens Kroatien. Bevor man das als uninteressant abtut, weil man, damals, im Urlaub aber auch wirklich nix Trinkbares bekam, könnte man ja einen Malvazija aus Istrien probieren. (Luzia Schrampf, Rondo, DER STANDARD, 1.6.2012)

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