Smileys in Businessmails

  • Das einzige Smiley-Zeichen, das akzeptabel wäre, nennt sich "nie versandte E-Mail".
    foto: apa/arno burgi

    Das einzige Smiley-Zeichen, das akzeptabel wäre, nennt sich "nie versandte E-Mail".

Bad News mit einem säuerlichen Emoticon auflockern oder würde man nur dem Dalai Lama ein Grinszeichen abnehmen?

Pro: Kreativität in der Mure
Von Luise Ungerboeck

Seit der Versand von Aussendungen nur Bits statt Porto kostet, werden unsere Postfächer zugemüllt. Wenn von mehr als hundert E-Mails pro Tag zwei oder drei brauchbar sind oder wertvolle Information enthalten, ist das eine optimistische Schätzung. Daher bedarf es einiger Kreativität und des Hirnschmalzes, um in dieser elektronischen Mure zu bestehen.

In professioneller Büro-Korrespondenz hat das vereinnahmende Facebook-Du definitiv nichts verloren. Allein die Vorstellung, eine trockene Ad-hoc-Meldung, wie sie börsennotierte Unternehmen an ihre Aktionäre verschicken müssen, mit "Du" zu beginnen, ist jenseitig.

Aber so schlecht ist die Idee, da Gefühle reinzubringen, gar nicht. Bad News lösen heftige Emotionen aus, und da kann es doch nicht schaden, diese mit einem säuerlichen Emoticon aufzulockern, oder? Und erst recht bei Jubelmeldungen! Die nimmt ohnehin niemand für voll, daher wäre es nur ehrlich, den zwinkernden Smiley gleich mitzuliefern.

Kontra: Witzigmann
Von Ljubisa Tosic

Doch, der Dalai Lama. Er wäre der einzige Witzigmann auf Erden, dem man ein Grinszeichen abnehmen würde. Immerhin ist aktenkundig, dass der Charmeur beim Blödeln von der kleine Zehe bis zum Ohrläppchen durchschüttelt wird, sein ganzes Körperwesen in Einsatz bringt, um die Umwelt zu erheitern. Würde so jemand einer Mail sein Kreiszeichen hinzufügen, stünde dessen global erwiesene Lachautorität (China ausgenommen) dahinter. Sehr gering wäre somit die Wahrscheinlichkeit, hier würde sich ein Heuchelautomat mit Gefühlssimulationen aufdrängen.

Für den Rest der Welt jedoch gilt es, klar und sachlich zu bleiben. Der Krieg gegen die Invasion von Mitteilungen ist bitter und fordert entsetzliche Zeitopfer. Die Aufmerksamkeit des Empfängers ist durch den Versuch, Wesentliches herauszufiltern, sadistisch belastet - für das Wahrnehmen eines Lachzeichens bleiben keinerlei Nervenreserven übrig. Man hat ja noch ein Privatleben. Das einzige Smiley-Zeichen, das akzeptabel wäre, nennt sich "nie versandte E-Mail". Lasst uns also einfach in Ruhe. (Rondo, DER STANDARD, 1.6.2012)

 

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