Testamentsfälschungen: Aufdeckerin im Zeugenstand

30. Mai 2012, 19:16
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Verschwundene Testamente ließen Amann aufhorchen

Salzburg - "Es drängte sich die Vermutung auf, dass die Fäden im Gericht zusammenlaufen", erklärte die Aufdeckerin der Testamentsfälschungen am Bezirksgericht Dornbirn, Isabell Amann, am Mittwoch als Zeugin. Nach 14 Verhandlungstagen wurde das Beweisverfahren im Testamentsfälscherprozess eröffnet.

Der 34-jährigen Richterin, die in Dornbirn für Verlassenschaften zuständig war, sind einige "Akten nicht mehr aus dem Kopf gegangen, weil es viele Ungereimtheiten gab". Nachdem sie von befreundeten Notaren erfuhr, dass in drei Fällen Testamente verschwunden seien, "hatte ich ein schlechtes Bauchgefühl". Deshalb habe sie "Augen und Ohren offengehalten" und Akten und Testamente aus dem Gericht geschleust und mit nach Hause genommen. Im direkten Vergleich seien ihr Parallelen aufgefallen: Der formale Aufbau sei ähnlich gewesen, und ein Beistrichfehler zog sich durch alle Testamente. "Als ich wusste, da stimmt was nicht im Haus, habe ich den Ball flachgehalten", betont Amann. Sie habe im Bezirksgericht Dornbirn niemanden direkt auf die Ungereimtheiten angesprochen und übergab ihre Recherchen der Staatsanwaltschaft.

Nach den Verhaftungen 2009 habe die ebenfalls angeklagte Vizepräsidentin des Landesgerichts Feldkirch Cornelia Ratz bei ihr angerufen und gesagt: "Super, was du gemacht hast, die Wahrheit muss ans Licht kommen." Gleichzeitig habe ihr Ratz zwei weitere Testamente genannt, bei denen sie Ungereimtheiten vermutete.

Richterfreunde als Zeugen

Der 48-jährigen suspendierten Richterin Ratz wird vorgeworfen, ein Testament durch das ihre Mutter und ihre Tante zu einem Vermögen kamen, bei den Fälschern vom Bezirksgericht Dornbirn in Auftrag gegeben zu haben. Sie habe das mit 1944 datierte Testament nicht als gefälscht erkannt und geglaubt, es sei von den Nazis erzwungen worden, sagte Ratz vor Gericht aus.

Neben Amann standen am Mittwoch auch Entlastungszeugen im Zeugenstand. Die befreundeten Richter bestätigten alle, dass Ratz mit ihnen über das "Nazi-Testament" gesprochen habe und es für echt hielt. Auch Alfons Dür, der pensionierte Gerichtspräsident von Vorarlberg, sagte vor Gericht: "Mir war klar, dass es ein einwandfreies Testament ist." (ruep, DER STANDARD, 31.5.2012)

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