Sonnenenergie als Allgemeingut

31. Mai 2012, 10:32
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Erstes Vorarlberger Bürgerkraftwerk in Bregenz ist ein Genossenschaftsmodell

Bregenz - Auf dem Dach des Bregenzer Bauhofes arbeitet in Kürze die erste Regionale Energie Anlage (REA). Bürgerinnen und Bürger haben die Fotovoltaikanlage, die kommenden Samstag mit einem "Sonnenfest" ihrer Bestimmung übergeben wird, finanziert. Der große Unterschied zum Wiener Investitionsmodell: Die Bürgerinnen und Bürger besitzen über die Genossenschaft die Fotovoltaikanlage und entscheiden über die Verwendung des Ertrags.

Bürger brachten 100.000 Euro auf

46 Einzelpersonen und Organisationen zeichneten Anteile zwischen 500 und 10.000 Euro im Gesamtwert von 100.000 Euro. 75 Prozent davon sind stille Gesellschafter, ein Viertel Genossenschafter der Talente-Genossenschaft, von der die Anlage betrieben wird. Insgesamt brachten die Bürgerinnen und Bürger für das Gemeinwohlprojekt 100.000 Euro auf. "Etwas länger als gedacht" dauerte laut Genossenschaftsobmann Gernot Jochum- Müller die Aufbringung der Mittel. Das lag nicht nur an bürokratischen Hürden. Um das innovative Modell bekannt und verständlich zu machen, habe es intensiver Überzeugungsarbeit bedurft. "Als dann der Bann gebrochen war, hatten wir plötzlich mehr Geld als erwartet und können dadurch bereits weitere Anlagen planen."

Die Beteiligung ist ein ethisches Investment, eine goldene Nase lässt sich mit einer Rendite von einem Prozent nicht verdienen. Für ein Drittel der aufgebrachten Summe verzichten die Anleger auf Erträge, zehn Prozent der Anlagesumme werden in den ersten zehn Jahren in der Vorarlberger Komplementärwährung "Talente" ausbezahlt. Talente lassen sich in einem regionalen zinsfreien Geldsystem, das seit 15 Jahren besteht, gegen Waren oder Dienstleistung tauschen.

Transparenz und umfassende Information

Dringender Wunsch des Projektinitiators und Bregenzer Vizebürgermeisters Gernot Kiermayr (Grüne): "Unser Projekt soll nachgeahmt werden."Der Dachnutzungsvertrag mit der Stadt wie die nach langen Diskussionen gefundene Organisationsform Genossenschaft eigneten sich als Musterbeispiele. Kiermayr: "Nachfrage besteht bereits aus ganz Österreich." Durch die Bregenzer Vorarbeit könnte die Umsetzung weiterer Projekte beschleunigt werden, sagt Kiermayr: "Wir geben gerne unsere Erfahrungen weiter, damit für andere der bürokratische Aufwand geringer wird." Die wichtigsten Kriterien für ein Beteiligungsmodell seien Transparenz und umfassende Information.

Das Bürgerkraftwerk wird 39 kWp Leistung bringen. Eingespeist wird ins öffentliche Netz. Verkauft wird an die ÖMAG. Die Genossenschaft bekommt die heißbegehrte Förderung für Großanlagen. Statt sechs Cent pro Kilowattstunde beträgt der Einspeisetarif 23 Cent. "Ohne diese Förderung würde sich so eine Anlage noch nicht rechnen", sagt Gernot Jochum-Müller. (Jutta Berger, DER STANDARD, 31.5.2012)

  • Bürgerbeteiligung auf dem Dach: In Bregenz gewinnt eine Genossenschaft Sonnenenergie.
    foto: rea/ingrid delacher

    Bürgerbeteiligung auf dem Dach: In Bregenz gewinnt eine Genossenschaft Sonnenenergie.

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