Wohl doch kein Leben am Mars

30. Mai 2012, 19:01
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Analysen von Murchison-Proben zeigen: Methan auf dem Mars dürfte von Meteoriten stammen

London/Mainz/Wien - Seit größere Mengen von Methan auf dem Mars entdeckt wurden, wird über die Quelle heiß spekuliert. Eine Hypothese lautet, dass Mikroorganismen das Gas bilden und es sich somit um ein Indiz für Leben auf dem Roten Planeten handeln könnte. Diskutiert werden aber auch geologische Methanquellen wie Vulkane.

Hochrechnungen zufolge produziert der Mars immerhin 200 bis 300 Tonnen Methan pro Jahr. Doch woher stammt das Gas nun wirklich? Ein internationales Forscherteam wartet nun mit einer überraschenden Erklärung auf, die mit den beiden bisherigen Vermutungen nichts zu tun hat: Nach Analysen von Proben des 1969 in Australien eingeschlagenen Meteoriten Murchison gehen die Wissenschafter aus Mainz, Utrecht und Edinburgh davon aus, dass das Methan auf dem Mars zu einem großen Teil von Meteoriten abgegeben werden dürfte, wie sie im Fachblatt "Nature" berichten.

Murchison, vom dem rund 100 Kilogramm geborgen werden konnte, ist ein besonderer Meteorit: Das 4,6 Milliarden Jahre alte Gestein enthält organische Verbindungen und war der erste Meteorit, in dem auch Aminosäuren entdeckt wurden, die wiederum als Voraussetzung für Leben gelten. Außerdem fanden Forscher noch sogenannte Fullerene, also komplexe Kohlenstoffmoleküle.

Doch nun lassen ausgerechnet die neuen Murchison-Analysen die Hoffnungen schwinden, dass es Leben auf dem Mars gibt. Das internationale Wissenschafterteam hatte nämlich Teile eines Meteoriten unter Mars-Bedingungen mit ultraviolettem Licht bestrahlt. Am Mars gibt es im Gegensatz zur Erde keine schützende Ozonschicht, die den größten Teil der UV-Strahlung aus dem Weltall absorbieren könnte.

Wie die Forscher berichten, zersetzte das UV-Licht die Kohlenstoffverbindungen im Meteoritengestein - und zwar zu Methan. Dieses Ergebnis dürfte all jene ernüchtern, die fest an den biologischen Ursprungs des Methans glauben, lassen die Forscher wissen. Völlig ausschließen könnten die Forscher die Hypothese der Mars-Mikroben aber nicht. Es sei durchaus möglich, dass weitere Prozesse zur Methan-Produktion beitragen. (tasch, DER STANDARD, 31.5.2012)

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