Kontra Nichtraucherschutz: Mist bauen und tot stellen

Kommentar30. Mai 2012, 18:50
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Der Unterschied zu früher? Da durften sich Nichtraucher ärgern. Heute können sie sich beschweren. Der Effekt? Ärger. Zur schlechten Luft kommt schlechte Stimmung. Denn der Hinweis auf das, was im gesamten zivilisierten Europa längst gelebte Normalität ist, gilt hier als Angriff auf den inneren Frieden.

Etwa dann, wenn im kleinen Haubenlokal um 22 Uhr Aschenbecher auf Tische und Bar kommen. Mit dem Argument: "Wenn Gäste vor dem Lokal rauchen, reden sie. Dann beschweren sich die Nachbarn." Wenn im Café jemand die Tür in der Raucher von Nichtrauchern trennenden Glaswand schließen will. ("Nicht!! Die Tür stützt die Wand!") Wenn dem Hinweis auf das Rauchverbotsschild in der Disco eine Rauswurfdrohung folgt. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen: Aus Angst vor einer Entscheidung baute der Gesetzgeber Mist und stellt sich seither tot. Das schwammige Nichtrauchergesetz mit Ablaufdatum stellt Wirte vor existenzbedrohende Entscheidungen und/oder Investitionen. Ergo wird es amtlich offen ignoriert.

Die Botschaft kam an und wird gelebt: "Es ist eh wurscht, tut was ihr wollt, aber wahrt den Schein", lautet sie. Also druckt man auf die Tickets zur imposanten Hofburg-Gala, dass Rauchen verboten ist - doch auf den Tischen stehen Aschenbecher. Und den Veranstalter wundert, dass das jemanden wundert: "Es ist halt Vorschrift. Aber die gilt nur theoretisch, wir sind schließlich in Österreich." (Thomas Rottenberg, DER STANDARD, 31.5.2012)

Pro Nichtraucherschutz: Kunst des Kompromisses

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