Pro Nichtraucherschutz: Kunst des Kompromisses

Kommentar30. Mai 2012, 18:50
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Es ist kompliziert, teuer und wird nichts nutzen: So unkten zahlreiche Kommentatoren, als im Sommer 2010 das österreichische Gesetz zum Nichtraucherschutz in der Gastronomie tatsächlich in Kraft trat. Während andere Staaten das Rauchen einfach untersagten, unterschied man bei uns zwischen großen und kleinen Gaststätten, führte rote und grüne Schilder ein, erzwang Trennwände und schuf dazu zahlreiche Ausnahmen.

Knapp zwei Jahre später müssen selbst passionierte Nichtraucher zugeben: Das Gesetz funktioniert - nicht immer, aber immer öfter. In den meisten Lokalen findet man ausreichend Tische, zu denen keinerlei Qualm hingelangt, und selten stehen die im hintersten Winkel. Beim guten Essen wird man kaum noch von Rauch gestört, und auch zahlreiche Kaffeehäuser haben sich für die rauchlose Variante entschieden.

Mit wenigen Ausnahmen wie etwa dem einst stark verqualmten Café Hawelka, das ungewollt zum Nichtraucherlokal mutierte, haben die meisten Wirte die Reform gut weggesteckt. Es wird insgesamt in der Gastronomie weniger geraucht, aber nicht weniger konsumiert.

Natürlich wäre es schön, wenn der Tabakkonsum noch weiter zurückgehen würde. Vielleicht ist das Land in einigen Jahren reif für ein totales Rauchverbot. Aber für den Augenblick hat die österreichische Kunst des Kompromisses ihren wichtigsten Zweck erfüllt. (Eric Frey, DER STANDARD, 31.5.2012)

Kontra Nichtraucherschutz: Mist bauen und tot stellen

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