Der eingebrockte Brocken

Kolumne30. Mai 2012, 18:19
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Warum steht die FPÖ weiter zu Uwe Scheuch?

"Demokratiemüdigkeit", "Politikverdrossenheit", "Image der Politiker so schlecht wie noch nie" - bei der Lektüre heimischer Medien fällt es derzeit schwer, nicht in Alarmstimmung oder Depression zu verfallen. Spätestens wenn der Standard von 57 Prozent der Befragten zu berichten weiß, die meinen, "das politische System sei unreformierbar und brauche einen Umsturz", wird man als kritischer Beobachter unserer Volksvertreter vom schlechten Gewissen gepackt und beschließt, eine Zeitlang auf allzu hartes Politiker-Bashing zu verzichten.

Da meldet sich Uwe Scheuch. Nein, natürlich hat seine Forderung nach " Tetschn für pubertierende Damen und Herren" keinerlei Relevanz und ist psychologisch erklärbar aus der Denkweise eines bescheidenen Landwirts, der jahrelang am Watschenbaum gerüttelt hat und es nun anderen ermöglichen möchte, die Ernte einzufahren.

Aber dann fällt einem ein, wer Uwe Scheuch bezahlt: Sie und ich. Wir bezahlen ihn für seine Tätigkeit als Bildungsreferent, für die seine Tetschn-Ansage die gleiche Offenbarungswirkung hat wie das Geständnis eines Finanzministers, der bekennen würde, die Grundrechnungsarten nicht zu beherrschen. Wenn Scheuch gerade nicht von der Korruptionsstaatsanwaltschaft vor Gericht gestellt oder in Ungarn wegen Verdachts auf Versicherungsbetrug per Haftbefehl gesucht wird, rät er also Lehrern, sich nicht an bestehende Gesetze zu halten - quasi wie ein in Privatkonkurs gegangener Finanzminister, der die Vorzüge der fahrlässigen Krida rühmt.

Ein derartiger Mangel an Eignung ist selbst in der Kärntner Landespolitik einzigartig, also wie ist es möglich, dass Scheuch noch immer im Amt ist? Rückhalt in der Bevölkerung?

Dazu sei eine Quelle zitiert, die der politischen Gegnerschaft zu einem freiheitlichen Parteiobmann unverdächtig ist, nämlich die Kronen Zeitung. Dort wurde Scheuchs Wortmeldung als "schwachsinnig" klassifiziert und ein geradezu final wirkendes Urteil gefällt: "Zur Person von Uwe Scheuch ist zu sagen, dass er ein politischer Kotzbrocken ist und in Kärnten auch als solcher gesehen wird."

An sich nichts Neues - wer sich im südlichsten Bundesland nach positiven Eigenschaften des Landeshauptmann-Stellvertreters erkundigt, bekommt so gut wie immer die gleiche Antwort: "Sein Bruder Kurt ist NOCH unsympathischer". Aber wenn einmal sogar das Zentralorgan des gesunden Volksempfindens einen führenden Repräsentanten der populistischsten Partei des Landes als unverdaut vomierten Magenauswurf bezeichnet, sollte die Frage nach dessen politischer Zukunft eigentlich beantwortet sein.

Doch warum steht die FPÖ weiter zu ihm? Da hilft ein Blick auf die eingangs zitierte Standard-Umfrage: "Die meisten Befürworter eines Umsturzes finden sich im Kreis der jungen, schlecht ausgebildeten Befragten, unter den deklarierten Nichtwählern und unter den Anhängern der Freiheitlichen Partei."

Das wäre zumindest ein Erklärungsansatz: Wer für freiheitliche Umsturzpläne einerseits auf von der Politik Angeekelte, andererseits auf junge, schlecht Ausgebildete setzt, hat mit dem fortgesetzten Wirken von Uwe Scheuch als Bildungsreferent praktisch zwei Fliegen auf einen Streich erlegt. (Florian Scheuba, DER STANDARD, 31.5.2012)

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