Ein Erfolgsprodukt des Zufalls

  • Lebhaftes Zentrum: Maggie Gyllenhaal.
    foto: senator film

    Lebhaftes Zentrum: Maggie Gyllenhaal.

In der Komödie "In guten Händen" ("Hysteria") mit Maggie Gyllenhaal wird der Vibrator erfunden

Wien - Große Erfindungen sind am Beginn ihrer Karriere oft nur ein zufälliges Nebenprodukt. Da will um 1880 in London ein technikversessener Philanthrop (Rupert Everett) einen strombetriebenen Staubwedel erfinden. Einen Namen hat das Ding, das aussieht wie ein Fön mit Federschmuck, auch schon: "the feather duster". Doch dann kommt alles anders - und unter dem Gefieder ein zart vibrierender Gummiknubbel zum Vorschein, der den potenziellen weiblichen Kundinnen noch viel größere Erleichterung verschaffen wird als die Abstaubhilfe.

Bis es so weit ist, dass in Tanya Wexlers Gesellschaftskomödie "In guten Händen" das "tragbare elektrische Massagegerät", inzwischen als Vibrator geläufiger, in Serie geht, lernt man erst einmal einen Mediziner und eine Sozialreformerin kennen. Der junge Mann (Hugh Dancy) erhält eine Stelle in der Praxis ihres Vaters, der erfolgreich Frauen behandelt, welche an Hysterie ("Hysteria" ist der Originaltitel des Films) erkrankt sind. Und zwar, indem er seine Patientinnen händisch zum Höhepunkt - korrekt: "Krampfanfall" - bringt. Das geschieht mit professionellem Ernst, unter einem dunkelroten Samtverschlag und einem Mantel der Verschwiegenheit.

Die Tochter hingegen - von Maggie Gyllenhaal mit Verve und englischem Akzent verkörpert - spricht aus, was keiner hören will: dass die Hysterie eine gesellschaftlich produzierte Frauenkrankheit sei. Ihre Schützlinge im East End hätten existenziellere Probleme. Am Ende werden aber auch sie auf Umwegen Nutznießerinnen des neuen Apparates sein.

"In guten Händen" ist der dritte Spielfilm der US-Regisseurin Tanya Wexler. Er bereitet ein vielsagendes Stück Sozial- und Kulturgeschichte gemessen altmodisch auf. Das erspart einem womöglich dumme Anzüglichkeiten. Es sieht aber auch so aus, als hätte es beispielsweise die aufregenden Kameraarbeiten eines Haskell Wexler, dessen Nichte die Regisseurin ist, nie gegeben. Ab und an werden Ereignisse in musikalisch zusammengehaltene Sequenzen gerafft. Ansonsten wird eher statisch heruntererzählt. Maggie Gyllenhaal behauptet sich aber als lebhaftes Zentrum des Films und ist sein größter Pluspunkt. (Isabella Reicher, DER STANDARD, 31.5.2012)

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