Für Raffinerie-Neubauten fehlt das Öl

30. Mai 2012, 19:40
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Für den Umstieg auf erneuerbare Energie raten ExpertenErsatzlösungen. In neue Öl-Anlagen werde kaum mehr investiert

Wien - Im Grunde sei es egal, ob das Maximum an möglicher Ölförderung bereits erreicht sei oder erst knapp bevorstehe. Nicht egal sei, wie damit auf politischer Ebene umgegangen werde, waren sich Experten auf der Jahrestagung der Organisation zum Studium des Fördermaximums (Aspo), die erstmals in Wien stattfindet, einig. Zu starr werde an den fossilen Energien festgehalten.

Die Aspo selbst müsse zusehen, nicht ein ähnliches Schicksal zu erleiden wie der Club of Rome, sagte Dennis L. Meadows. Der emeritierte US-Professor hat 1972 mit seinem Bericht an den Club of Rome (Die Grenzen des Wachstums) die Ökonomenzunft aufgerüttelt. "Der Club of Rome hat in den 1970er-Jahren vor einer Katastrophe gewarnt, er war wichtig. Dann ist aber nichts entscheidend Neues mehr gekommen. Jetzt ist er bedeutungslos", sagte Meadows.

Keine Investitionen mehr

Der US-Professor rechnet bei der Umstellung von fossilen auf erneuerbare Energien mit chaotischen Brüchen, weil das gängige Wirtschaftssystem auf der Zufuhr von immer mehr billigem Öl beruhe. Diese Zeiten seien vorbei. "Niemand investiert mehr in neue Raffinerien. Es wird schlicht kein Öl mehr geben", sagte Kjell Aleklett, Physikprofessor aus Uppsala und Präsident der Aspo International. Er sieht darin ein starkes Indiz, dass die größten Ölfelder bereits gefunden sind.

Nebojsa Nakicenovic, Professor an der TU Wien und führender Autor des fünften Berichts an den Weltklimarat IPCC, sieht lieber Chancen als Gefahren: "Die Steinzeit ist nicht aus Mangel an Steinen zu Ende gegangen. Man hat etwas Neues, Besseres gefunden. Warum soll das nicht wieder gelingen?"

Auch die Finanzmärkte müssten umdenken. Nakicenovic: "Investitionen in die Verringerung der Energieintensität sind kapitalintensiv und rechnen sich erst langfristig. Da sind neue Geschäftsmodelle gefragt." (stro, DER STANDARD, 31.5.2012)

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    Bestehende Raffinerien werden adaptiert und modernisiert, neue Anlagen werden aber kaum mehr gebaut.

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