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Andy Coulson
Gut gelernt ist halb gewonnen. Das dürften sich auch die im Fellner'schen Sold stehenden oe24.at-Newsmacher gedacht haben, als sie am Dienstag einen Liveticker vom Begräbnis des von seinem Vater ermordeten siebenjährigen Berk in St. Pölten schalteten. "Die Mienen der Trauernden sind schmerzverzerrt", war dort unter anderem zu lesen. Lehrmeister dürften die in Sachen journalistischer Ethik, Pietät oder gar Wahrung der Privatsphäre nicht zimperlichen angelsächsischen Murdoch-Medien gewesen sein.
Österreichs Presserat hat prompt protestiert, der oe24-Eigner Wolfgang Fellner will von nichts gewusst haben, der Ticker wurde eingestellt. Geschehen ist jedoch geschehen. Widerwärtig wurden aus medialer Sensationsgier journalistische Grenzen überschritten. Was folgt als nächster Schritt?
Noch ist die Aufregung groß. Fellners Liveticker sei wirklich das Letzte, der Mann habe jede Pietät und allen Respekt verloren, kommentiert unter anderen der stellvertretende Chefredakteur der Wochenzeitung "Falter", Florian Klenk. Einen Tabubruch ortet die Medienanwältin Maria Windhager. Medienrechtlich ist das leider bisher noch unbedenklich, ergänzt Anwaltskollege Alfred Noll. Ob und was der allgemeinen Empörung also folgen wird, ist ungewiss. Vielleicht sogar gar nichts.
In Großbritannien müssen sich die Verantwortlichen des Murdoch-Konzerns vor einem staatlich eingesetzten Richterausschuss für den begangenen Missbrauch journalistischer Freiheit, sprich Nachrichtenmanipulation und Bestechung, verantworten. Murdoch junior hat bereits notgedrungen seine Führungspositionen niedergelegt.
Schiefes Licht
Die Murdoch-Vertraute und Ex-Chefredakteurin des inzwischen eingestellten Boulevardblattes "News of the World", Rebecca Brooks, kam nur gegen Kaution zunächst wieder auf freien Fuß. Sie trug wesentlich die Mitverantwortung an den kriminellen Praktiken der Murdoch-Redaktionen. Wir erinnern uns: Polizeibeamte wurden bestochen, Mobiltelefone widerrechtlich abgehört, die Nachrichtenbox des Mobiltelefons eines entführten, bereits ermordeten Mädchens manipuliert. Beweismaterial sollte verschwinden. Dass Rebecca Brooks zwischenzeitlich auch ein inniges Techtelmechtel mit Premier Cameron gehabt haben dürfte, entspricht genauso wenig der sprichwörtlich feinen britischen Art.
Ebenso schief ist das Licht, das nun auf Camerons Ex-Pressesprecher Andy Coulson fällt. Er wurde jetzt wegen Meineids festgenommen und wie Brooks nur gegen Kaution wieder aus der Haft entlassen. Auch Coulson war vor seiner Cameron-Zeit Chefredakteur der Zeitung "News of the World". Er hatte in einem ersten Verhör bestritten, von den illegalen Abhörpraktiken der Redaktion gewusst zu haben.
Arme Königin Elizabeth, die heuer ihr diamantenes Regierungsjubiläum feiert: 60 Jahre an der Macht, und nun so etwas. Die Queen-Plastikfiguren, die bei Sonneneinfall huldvoll winken, erhalten durch diese Skandale eine traurige Mehrfachbedeutung.
M-dominiert
Nach wie vor sind jedoch auf der königlichen Insel die Murdoch-Medien omnipräsent. Bei innerstädtischen Zeitungsverkäufern, an Flughäfen und Bahnhöfen sind vornehmlich diese zu erhalten. Klar doch, das sind Murdoch-konzerneigene Verkaufsstände. Andere Medien können sich einen solchen Aufwand nicht leisten. Die breite öffentliche Meinung bleibt M-dominiert.
"The newspaper you are reading is rubbish" - die Zeitung, die du gerade liest, ist Abfall: Groß ist dieser Hinweis in den Londoner U-Bahn-Waggons plakatiert. Gemeint sind die Gratiszeitungen, die, weil kostenlos, offenbar auch wertlos sind und deshalb nach kurzem Durchblättern achtlos liegen gelassen werden. Nicht direkt der Inhalt ist gemeint, sondern die extreme Anhäufung von Papiermüll. Müßig zu sagen, dass der Verursacher dieser Abfallproduktion vornehmlich der Murdoch-Konzern ist.
In Österreich ist die Produktion von journalistischem Müll auf verschiedene Eigner aufgeteilt. Gemein ist diesen, dass, wie es scheint, die Auflagenstärke - als Rattenfängerei für gut bezahlte Inserate - wichtiger sein dürfte als seriöse Inhalte. Die Inserenten spielen mit. Bei oe24 sind allerdings zwei bereits ausgestiegen. Was da am Dienstag passiert war, ging ihnen doch zu weit.
In Österreich wurden von oe24 die Grenzen journalistischer Pietät überschritten. Das ist zunächst "nur" ethisch bedenklich. Die Aufregung könnte also wieder abflauen. Zumal Österreich ein Land ist, in dem auch staatliche Kontrollorgane trotz Anzeichen nicht daran interessiert waren, ob und wie ein ehemaliger Finanzminister locker - manche meinen schamlos - auf Staatskosten ein Finanz-Techtelmechtel mit gewinnorientierten Freunden gepflegt haben könnte. Zu deren und, so wird vermutet, auch zum eigenen Wohl - es gilt natürlich die Unschuldsvermutung. (Rubina Möhring, derStandard.at, 30.5.2012)
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Journalistisches Prekariat gefährdet Pressefreiheit und Meinungsvielfalt
Ein Liveticker auf einem Begräbnis? Könnte beinahe ein aus einem Monty Python Sketch stammen. Nur, was sagt es über eine Gesellschaft aus, wenn sie von ihrer eigenen bösen Karikatur nicht mehr zu unterscheiden ist?
Und warum verwechseln manche Presse- mit Narrenfreiheit?
Was soll denn DAS sein? Oder journalistische Pietät? Wozu denn?
Die Journaille übernimmt eine U$-Kampagne nach der anderen ungeprüft und ohne Widerspruch bis ins Detail, sogar einzelen Wörter unterliegen der Sprachregelung.
Es geht, abgesehen davon, ums Geschäft, obline um Klicks. Schwafle doch keiner von Ethik oder Verantwortung, da fühlt sich der Leser verfacebooked.
und eine weniger manipulative presse, vor allem mit weniger negativität, ist in unserem interesse.
oder?
es ist nicht wichtig, ob der standard aus konkurrenzdenken die ethik anderer redaktionen anmahnt.
es ist wichtig, dass wir kein murdoch-österreich wollen!
(den korrekteren namen kann sich jeder denken)
LiveTicker zu absolut unpassenden Themen aus reinem Voyeurismus ohne jeglichen journalistischen Informationsgehalt.
Die Red soll bei dem Thema lieber mal ganz still sein. Die haben es geschafft drei Tage lang ihre Leser über den rechten Hintergrund von PerfectPrivacy uninformiert zu lassen und als allerletztes Medium nach 3 Tagen von diesem Faktum in einem Artikel zu berichten.
öffentliches Ereignis.
Das heisst, wenn Presserat und Staat bei solchen Ereignissen keinen Riegel vorschieben, bleibt die Klage.
Und dann muss wieder der Staat -in Form der Justiz - aktiv werden.
Und wollen wir Leuten, die gerade einen Menschen betrauern das antun?
Erst der Verlust, dann die Medien, und dann die Klage?
Genauso darf man fragen, wieso sich irgendein xy die Frechheit herausnimmt und unter dem Deckmantel der Pressefreiheit all das veröffentlicht, was - ohne Rücksicht auf Verluste - gerade in den Kram passt und den Schrott auch noch gratis herumreicht?
Jeder der seriös arbeitet, also Grenzen kennt, hat was gegen miese Pfuscher und Dilletanten. Distanz und Ächtung ist da auch im eigenen Interesse.
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