Ein Hebel gegen Pekings Machtstreben

Analyse | Christoph Prantner aus Ho-Chi-Minh-Stadt
31. Mai 2012, 10:25

Im umstrittenen Südchinesischen Meer bilden sich strategische Allianzen gegen China

Präsident Truong Tan Sang verwendet den Begriff "Ostsee", wenn es um das Südchinesische Meer geht. Nichts, absolut gar nichts soll den Eindruck erwecken, dass Peking auch nur das Geringste in den von Vietnam beanspruchten Gewässern vor seiner Küste zu melden haben könnte. Dann verfällt der vietnamesische Staatschef gegenüber dem STANDARD wieder in Diplomatensprache: "Alle Beteiligten müssen internationales Recht respektieren, vor allem das Seerechtsübereinkommen von 1982 und den Code of Conduct von 2002. Lösungswege ohne Waffengewalt müssen gesucht werden."

Die Territorialstreitigkeiten im Südchinesischen Meer sind der heißeste Konflikt im Fernen Osten derzeit. Vietnam liegt mit China wegen Ansprüchen auf die Paracel- und Spratly-Inseln im Clinch (siehe Grafik). Die Philippinen streiten mit Peking wegen der Scarborough-Riffe. Und auch Indonesien, Malaysia und Brunei wollen dort Interessengebiete verteidigen. Analysten schließen eine Eskalation bis hin zu einem Krieg nicht aus, auch wenn Truong den Frieden beschwört.

Milliardengeschäfte

Es geht um Milliardengeschäfte und geostrategisch vitale Interessen, vor allem für Peking: Zehn Prozent des weltweiten Fischfanges jährlich werden in diesen Gewässern gemacht. Dazu kommen reiche Öl- und Gasvorkommen. Allein im Gebiet um die Scarborough-Riffe sind es laut der chinesischen Offshore-Ölgesellschaft CNOOC 700 Millionen Tonnen Erdöl und 1,2 Billionen Kubikmeter Erdgas. Im Südchinesischen Meer insgesamt sollen Lagerstätten mit 23 bis 30 Mrd. Tonnen Öl und bis zu 16 Billionen Kubikmeter Erdgas liegen, ein Drittel aller bisher bekannten Vorräte Chinas.

Vor allem aber ist das Südchinesische Meer für Peking als Verkehrsweg wichtig. 50.000 Frachter fahren dort pro Jahr durch. Sie transportieren etwa die Hälfte der jährlichen weltweiten Schiffstonnage, Waren im Wert von 5000 Milliarden Dollar. China selbst bezieht 85 Prozent seiner Ölimporte über diesen Weg. Bleibt der Nachschub nur wenige Wochen unterbrochen, würde das die aufstrebende Supermacht extrem verletzlich machen.

Landweg zum Indischen Ozean

Seit die USA es vor eineinhalb Jahren geschafft haben, Burmas Junta auf ihre Seite zu ziehen, ist es für die Chinesen zudem deutlich schwieriger geworden, von einem Landweg zum Indischen Ozean über Burma zu träumen. Ein Großteil ihres Imports und Exports muss schlichtweg über die Straße von Malakka und das Südchinesische Meer abgewickelt werden. Deswegen eskaliert Peking alle schwelenden Konflikte dort seit etwa einem Jahr.

Im kommunistischen Bruderland Vietnam gab es zuletzt immer wieder heftige Demonstrationen gegen China. Philippinische und chinesische Kriegsschiffe belauerten einander. Manila und sogar die ehemaligen Todfeinde in Hanoi hielten außerdem gemeinsame Manöver mit den USA im Südchinesischen Meer ab. In diesen Gewässern, das weiß Washington, liegt ein effizienter Hebelpunkt, um Peking seine Grenzen zu zeigen. (Christoph Prantner, DER STANDARD, 31.5.2012)

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schön wenn sich china auch mal deklarieren muß, damit man mal sehen kann die sind nicht die guten investoren die afrika im alleingang ganz selbstlos auf einen entwicklungspfad bringen.

Wenn irgendjemand berechtigten anspruch auf die spratly- und

paracelinseln erheben kann, dann ist es republic of china ( taiwan).

http://de.wikipedia.org/wiki/Sino... ensvertrag

http://www.taiwandocuments.org/taipei01.htm

Außerdem befindet sich die einzige Insel mit süsswasservorkommen und somit "siedlungsfähig", die Taiping Dao (Itu Abu) in taiwans besitz.

Chinas Anspruch ist absolut absurd

Man möge sich nur mal die Küstenlinien und vor allem den Kontinentalsockel betrachten - zwischen China und den Spratly Inseln liegt Tiefsee und Minimum 900km, die Entfernung zu Viet Nam beträgt zwischen 350 und 500km, die Philippinen (Palawan) sind 100km von den Spratly Inseln entfernt.

also Chinas anspruch auf gebiete um seine grenzen sind absurd, aber US ansprüche 10000 KM weit weg von USA sind vollkommen inordnung.

MMMMUUUUHHHHAAAA.

Die bösen Chinesen

Der Artikel geht davon aus, dass die Chinesen die Bösen sind und alle Anderen die Guten. Damit gibt er die allgemeinen von den US - Agenturen und beauftragten PR Firmen vorgegebenen antichinesischen Vorurteile wider. Es gibt keinerlei Analyse, was eigentlich sachlich die Argumentation Chinas ist (Thema Festlandsockel) und was die Argumentation der anderen Staaten. Schwach und tendenziös.

Die beanspruchten Gebiete sind einfach zu weit von China entfernt, da kann China argumentieren, was es will und das hat auch nichts mit US-Propaganda zu tun.

Eine Regelung per Festlandsockel, die übrigens auch nicht rechtlich festgelegt ist, wäre bei einem Streit von zwei, maximal 3 Nachbarländern möglich.

Da diese Gebiete aber die Interessensspähre von über einem halben Dutzend Ländern berühren, die zudem fast alle näher daran liegen als China, geht das nicht mehr mit dem Festlandsockel.

Wie beim Streit (der übrigens mitverantwortlich für das Ende von Nabucco jetzt ist) um den Kaspisee wäre nur eine Aufteilung nach Mittellinienprinzip oder zu gleichen Teilen möglich.
China will das nicht wahrhaben, aber es geographisch nun mal nicht das Reich der Mitte.

BRAVO!Sehr gut argumentiert!

Machtstreben ?

... oder Wirtschaftswachstum.

Was ist der Unterschied?

Goldsuche.

bevor sich die usa in dieser causa zu sehr aufregen, sollen sie einmal diego garcia im indischen ozean den einwohnern zurückgeben, die sie vor jahren gewaltsam wie tiere auf schiffe verfrachteten und nach afrika deportierten, nur um die insel für sich allein als militärstützpunkt zu haben.

Ihre Beiträge werden immer schlechter.. ;)
Sie sollten sich nicht allzu sehr von Ihren mammagenen und sinologen Naheverhältnissen leiten lassen, das schadet der unbeirrten Wahrnehmung

Vielleicht können Sie ja Wikipeda widersprechen

kann ich ihnen bei ihren problemen helfen? paranoia? probleme mit meinungfreiheit? sinophobie?
sie können sich gerne vertrauensvoll an mich wenden, habe ich doch in meinem ersten beruf als arzt gearbeitet.

sie können vor allem sich selbst abhelfen, indem sie die schlechten Vergleiche einer Revision unterziehen, zum Kuckuck
ach ja, die Meinungsfreiheit ;) vom Arzt zum Banker gewechselt, das war verständlich

ich spüre etwas neid aus ihren worten, habe ich recht?

Ich würde sagen, dass das Seerechtsübereinkommen von 1982 und den Code of Conduct von 2002 dringend überarbeitet werden müssen.
Es kann nicht sein, dass ein kleiner Felsen im Meer entscheidenen für Millionen Quadratmeter Gebietsansprüche ist. Solange das so ist wird es Konflikte geben.

Tja, nur blöd dass UNCLOS für ihr Beispiel ohnehin starke Einschränkungen vorsieht. Anders als bewohnbare Inseln generiert der sprichwörtliche Felsen im Meer laut UNCLOS keine ausschliessliche Wirtschaftszone. Auch lässt sich kein Anspruch auf den Kontinentalschelf ableiten. Das Problem sind Staaten, welche die Bestimmungen entweder ignorieren oder sehr freizügig interpretieren. siehe zB Okinitorishima

Seerechtsexperte?

"Seit die USA es vor eineinhalb Jahren geschafft haben, Burmas Junta auf ihre Seite zu ziehen..."

Das muss ich wohl was verpasst haben. Die USA hat nachwievor viele Sanktionen gegen Myanmar aufrecht und wirtschaftliche als auch diplomatische Präsenz von Amerikanern in Myanmar ist gleich null.

China hingegen ist der Hauptinvestor in Myanmar und realisiert derzeit unzählige Industrieprojekte. Es ist nur noch eine Frage der Zeit bis China eine Landverbindung zum indischen Ozean hat. Myanmar probiert zwar die Abhängigkeit von China zu reduzieren, das benötigt allerdings verstärkte Präsenz von anderen Investoren die noch nicht im Land sind.

Ich glaube mich erinnern zu können,

dass Clinton (die Außenministerin) vor Kurzem Burma besucht hat.

Hat den Beteiligten Ländern eigentlich schon einmal erklärt dass Fischfang, Ölförderung und Tourismus so ganz und gar nicht zusammenpassen ?
Die wollen doch wohl nicht ernsthaft dort nach Öl bohren ???
Ist schon schlimm genug dass dort chinesische Öltanker durch die Gegend schippern.

Für China ist es taktisch natürlich ein Problem, da China viel grösser ist als die anderen Länder, und die viel eher sich untereinander verbünden werden anstatt mit China zu paktieren.

Als Kleiner wird man verschluckt, siehe Taiwan und wie viel an Einfluss Taiwan verloren hat.

Aber es geht primär nicht um das Militär, der Krieg findet auf wirtschachtlicher Ebene statt. Da wird wohl viel aufgekauft werden in den nächsten Jahren.

der chinesische

anspruch ist aber shcon ein wenig irrwitzig, wenn man sich die karte ansieht?

Der der Amis ist natürlich viel berechtigter...

Reflexantwort.

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