Goldglänzendes Stimmchen

30. Mai 2012, 18:47
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Mojca Erdmann mit Schubert und Strauss

Wien - Sie hatte in den letzten Tagen ordentlich zu tun gehabt: Bei den Pfingstfestspielen hatte Mojca Erdmann so kurzfristig wie erfolgreich den Part der erkrankten Anna Netrebko bei der Uraufführung von Rodion Schtschedrins "Kleopatra und die Schlange" übernommen, nur einen Tag darauf gab sie einen Liederabend im Wiener Musikverein. Lediglich minimale Textschwächen ließen Rückschlüsse auf die außergewöhnliche Belastung zu; ihren glänzend-runden, gar nicht mal so sphärischen Sopran präsentierte Erdmann mit Fortdauer des Abends immer gewinnender.

Bei ihrem Schubert-Strauss-Liederabend bemühte sich Erdmann zwar um ein weites Spektrum an emotionaler Variabilität, verließ das Koloratursopranhabitat der harmlosen, sonnigen Glätte jedoch de facto nur selten.

Sehr unstürmisch, von gezügelter Dramatik Schuberts "Die junge Nonne", deutlich fesselnder "Gretchens Bitte". Bei Strauss ideal alles Keck-Hüpfende ("Schlagende Herzen"), wundervoll auch das Ständchen: silberner Klingklang im Klavier und Erdmanns goldglänzendes Stimmchen darüber. Eilig "Die Nacht", etwas glatt und wirkungslos die Feuchte-Augen-Klassiker "Allerseelen und Morgen".

Gerold Huber, an sich ein wundervoll genauer Begleiter, setzte das Pedal äußerst sparsam ein und dimmte die darzustellenden Emotionen zu oft bis auf die Stufe zwergenhafter Niedlichkeit. Zudem vernachlässigte er die Bassregion und doppelte so das Register, in dem sich schon seine musikalische Partnerin tummelte: Ewig schad, hing doch die ganze Unternehmung dadurch ungeerdet in der (recht trockenen) Luft. Drei Zugaben, freudvoller Applaus.  (Stefan Ender, DER STANDARD, 31.5.2012)

Wiederholung   31. 5., 19.30

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