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vergrößern 600x809Sharon Ya'aris Fotografien zeigen die israelische Landschaft in unaufgeregten Bildern. "Ramon crater" (Detail) von 2012 ruft aber unweigerlich biblische Szenen ins Gedächtnis.
Wien - Zum Titel gleich eines vorweg: Es sind nicht die Bilder, die man üblicherweise mit Israel verbindet. Auf Sharon Ya'aris Fotografien sieht man weder die Mauer, noch glänzt irgendwo im Hintergrund die Kuppel des Felsendoms. Was den 1966 in Holon geborenen Künstler interessiert, scheinen auf den ersten Blick eher Nebenschauplätze zu sein: Felsformationen, Wüstenlandschaften, Straßen, Pflanzen, aber auch Siedlungen oder meist menschenleere Parkanlagen.
Mit seinen motivisch bewusst unaufgeregten Bildern bringt Ya'ari dennoch viel Geschichte ins Spiel: So assoziiert man mit dem rötlichen Felsen des "Ramon crater" unweigerlich biblische Szenen, während ein Weg durch die Wüstenlandschaft Pharan von der Vermessung und Teilung der kargen, unwirtlichen Gegend erzählt.
Durch lange Belichtung schärft der bereits mehrfach ausgezeichnete israelische Fotograf überdies den Blick für Details: auf den Vogelschwarm etwa, der über der staubigen Autobahn kreist, oder auf das Geäst der für Israel typischen Johannisbrotbäume.
Von der sozialen, kulturellen und politischen Konstruiertheit der Landschaft ausgehend, zeichnet Ya'ari mit den Bildern der Flora ein sehr atmosphärisches Bild. Spannender sind dennoch jene Fotos, die mehr über das gegenwärtige, alltägliche Leben aussagen. Dazu zählt die Aufnahme eines Parks in Be'er Sheva: In seiner Mitte steht ein riesiger Pfeiler. Die als Skulptur getarnte Antenne wird in Notfällen als Sirene benutzt. In Atlit, einer Ortschaft südlich von Haifa, ragt ebenfalls ein mittlerweile zerstörter Kontrollstützpunkt in die Luft. Dazwischen vermittelt die Fotografie eines Kinderspielplatzes so etwas wie Normalität.
Der Alltag, das zeigt das Diptychon "Check up", ist aber von Kontrolle und Vorsicht geprägt. Für diesen Eindruck rückt Ya'ari jedoch keine Soldaten ins Bild, sondern zeigt eine Frau, die auf der Straße gerade einen in ihrer Hand verborgenen Zettel "checkt". Obwohl Ya'ari übliche Projektionen gekonnt unterwandert, macht das zweite Foto des Diptychons "Check up" deutlich, dass Scharfsicht ein wichtiges Thema ist: Die Aufnahme versetzt den Betrachter in die Beobachterposition. Der Fokus liegt aber nicht auf dem Motiv des Parkplatzes. Vielmehr schärft Ya'ari den Blick für die Hecke. Hinter dieser wird beobachtet. (Christa Benzer, DER STANDARD, 31.5.2012)
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