Wiener Lustspielhaus bringt Franzobels "Faust"

30. Mai 2012, 14:49
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Goethe-Umarbeitung zu Wiener Posse mit Dolores Schmidinger

Wien -  Das Wiener Lustspielhaus am Hof zeigt in seiner neunten Saison den Klassiker "Faust" - jedoch nicht in der Originalversion Johann Wolfgang von Goethes. Vielmehr griff der Autor Franzobel zum Stift und "verwienerte" die Parabel über das Menschsein. Dabei führt er das Publikum in die verwirrende Welt einer Familie, deren Mitglieder immer noch in Saus und Braus in einem Ringstraßen-Palais in bester Lage leben. Das Stück feiert am 19. Juli Premiere, kündigte Intendant Adi Hirschal am Mittwoch in einer Pressekonferenz an - zuvor, am 16. Juli, gibt es eine öffentliche Hauptprobe, deren Erlös "Licht ins Dunkel" zugutekommt.

Mit "Faust oder Ein Dermatologe auf der Suche nach einer guten Haut" bestreitet Franzobel bereits die vierte Spielsaison im Lustspielhaus. Im Mittelpunkt des Stücks steht der gefeierte Dermatologe Johann Faust von Zupfnudel, der am Ende aller Forschung noch immer nach dem Sinn des Lebens sucht. Nach dem Motto "Die Haut als Spiegel der Seele" verzehrt er sich nach einer "guten Haut".  Gespielt werden   30 Vorstellungen, die letzte davon am 1. September.

"Faust-Thema  auf einem Prüfstand"

"Es ist ja nicht so, dass es ein Villacher Fasching auf Wienerisch sein soll, sondern es ist einfach ein sehr heutiges, sehr gegenwärtiges Stück mit einer sprachlichen Nuancierung, die im Wienerischen liegt", berichtete Autor Franzobel. Und Hirschal fügte hinzu: "Wir probieren eigentlich über den Wiener Schmäh das Faust-Thema aus. Wir stellen es auf einen Prüfstand und schauen, wo fangen wir zu lachen an, wo bleiben wir ernst." Besonders erfreut zeigte sich Hirschal über die Besetzung von Ernestine von und zu Frottee: Der Haushaltsvorstand wird von Dolores Schmidinger gespielt: "Ein grandioser Schachzug zum Vorteil des Wiener Lustspielhauses".

Im Vorjahr stand "Romeo und Julia" auf dem Programm. Hirschal erzählte, wie er und Franzobel auf die Idee für das diesjährige Stück gekommen sind: "Voriges Jahr, nachdem wir Romeo und Julia fertig hatten und wir beide natürlich überglücklich darüber waren, habe ich gefragt: 'Was können wir beide nach drei Stücken eigentlich noch machen?' Und dann steht er neben mir, denkt nach und sagt: 'Eigentlich bleibt uns jetzt nur mehr der Faust.' Da habe ich gesagt: 'Du spinnst.' Er hat gesagt: 'Ja, aber das wäre es, glaube ich, Wert.'"

Zusätzlich bietet das Lustspielhaus auch ein Gastprogramm: Unter anderem werden Marianne Mendt am 22. Juli sowie Erika Pluhar samt Klaus-Trabitsch-Ensemble am 14. August Konzerte geben, am 6. August liest Otto Schenk. Weiters findet am 16. Juni ein "Poetry Slam" statt. Zum Saison-Ausklang lädt Hirschal schließlich am 28. August zum "Sommer-Schluss-Konzert".   (APA, 30.5.2012)

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