Geringe Verbesserung der Lesekompetenz

30. Mai 2012, 14:30
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Fördermaßnahmen zeigten bei "Risikoschülern" Wirkung - Schüler der 4. und 8. Schulstufe getestet

Einen Monat vor der Zeugnisvergabe erhalten 30.980 Wiener Schüler ihre "Lesenote". Der "Wiener Lesetest" wurde heuer zum zweiten Mal durchgeführt. Dabei wurden im Februar und März die Lesefähigkeiten aller Schüler in der 4. Klasse an Volksschulen und der 8. Schulstufe an Hauptschulen und AHS geprüft. Im Vergleich zum Vorjahr habe es eine leichte, aber keine signifikante Verbesserung gegeben, sagte Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl bei der Präsentation der Untersuchung am Mittwoch.

Durchgeführt wurde die Untersuchung vom Bundesinstitut für Bildungsforschung, Innovation und Entwicklung des österreichischen Schulwesens (BIFIE) gemeinsam mit dem Wiener Stadtschulrat. Die Anzahl der "Risikoschüler" in der 4. Schulstufe ist demnach um 3,2 Prozent gesunken. Das sind jene Schulkinder, bei denen Förderbedarf besteht. In den 8. Klassen sind es heuer 3,5 Prozent weniger. Auch die Gruppe der Schüler, die besonders intensiv gefördert werden müssen, ist leicht gesunken. "Wir haben aber immer noch 20 Prozent, wo wir sagen, da muss etwas gemacht werden", so Brandsteidl. Einen "Qualitätssprung" habe es allerdings bei den Schülern gegeben, die 2011 am schlechtesten abschnitten und deren Lesekompetenz heuer erneut überprüft wurde.

Prüfen, um zu fördern

Die Ergebnisse sind einsehbar für Schüler, Eltern, Lehrer, Direktoren und die Schulaufsicht. Im Unterschied zu PISA soll der Lesetest den Schülern und Lehrern eine genauere Orientierungshilfe geben. BIFIE-Direktor Günter Haider sagte, die Idee sei, mit Hilfe des Tests schwache Leser zu identifizieren und individuell zu betreuen und zu fördern. Auch Haider betonte den "Erfolg der zusätzlich Geförderten". Die Hälfte habe den Sprung aus dieser Risikogruppe geschafft, so Haider. Der Wiener Lesetest zeige, wie Diagnostik und gezielte Förderung wirken könnten. Die Daten würden nicht nur den einzelnen Schülern helfen, so Haider, sondern seien auch ein Beitrag, um Ressourcen besser einzusetzen. Jene Kinder, die im Vorjahr als "Risikoschüler" ausgemacht wurden, erhielten eine "Spezialförderung": Neben einer "Startwoche Lesen" besuchten sie jede Woche einen vierstündigen Lesekurs.

Im Detail ergab der Lesetest, dass sich 63,3 Prozent der 2.729 Schüler verbessert haben, deren Leistungen beim vorjährigen Lesetest noch als nicht ausreichend eingestuft worden waren. Allerdings können 1.001 Kinder auch nach der "Spezialförderung" nicht ausreichend lesen. Von den 975 Schülern, die im Vorjahr in der 8. Schulstufe waren und in diesem Schuljahr noch schulpflichtig sind, verbesserten sich 401 Schüler. Brandsteidl zieht folgenden Schluss aus den Ergebnissen: "Je früher man ansetzt, desto besser." Haider folgerte, es gelte, sich auf die Schüler in den Volksschulen zu konzentrieren, weil hier am ehesten Erfolge zu erwarten seien. Deshalb werden im kommenden Schuljahr zusätzlich die Volksschüler der 3. Klasse getestet.

Die Bildungssprecherin der Wiener VP, Isabella Leeb, will die Ergebnisse nicht als Erfolg werten: "Fakt ist, dass weiterhin jeder Vierte der getesteten Schüler nicht oder nur kaum lesen kann." (hays, derStandard.at, 30.5.2012)

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    Für "Risikoschüler", die mit Hilfe des Tests ausgemacht wurden, gibt es einen vierstündigen wöchentlichen Lesekurs.

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