Ich seh, ich seh, was du nicht siehst

30. Mai 2012, 18:23
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"Und das ist ... Sexarbeit in Wien": Grüne starten zum Internationalen Hurentag Kampagne gegen Marginalisierung und Verdrängung von Sexarbeiterinnen

"Ich seh, ich seh, was du nicht siehst, und das ist ... Sexarbeit in Wien": Unter diesem Titel haben die Wiener Grünen am Mittwoch ihre Kampagne zum Internationalen Hurentag am 2. Juni vorgestellt, die sich die Mängel im Wiener Prostitutionsgesetz vorknöpfen will. Das neue Gesetz hat die Zielsetzung, AnrainerInnen der bisherigen Straßenstriche zu entlasten und die Arbeitsbedingungen der Sexarbeiterinnen zu verbessern, bislang nämlich nur zur Hälfte erfüllt. Die AnrainerInnen sind entlastet, aber die Prostituierten werden nur weiter an den Rand der Wahrnehmung gedrängt.

"Florianiprinzip wirkt"

Das räumt auch Sozialsprecherin Birgit Hebein am Mittwoch ein, wenn sie in einer Aussendung meint, dass es zu wenig "neue und sichere Gebiete für die Straßenprostitution" gibt. Der rot-grüne Streich biete jedoch die Möglichkeit zur Ausweitung der Komfortzonen für alle Seiten, verteidigt sie das im November 2011 in Kraft getretene Gesetz, das sogenannte "Erlaubniszonen" für Sexarbeit vorsieht. Nur an der Umsetzung scheitere es bislang: "Hier kann ich nur feststellen, dass das Florianiprinzip wirkt. Die SexarbeiterInnen wurden zum Spielball." Es sei nun am Steuerungsteam, das den Austausch zwischen Polizei, NGOs, Behörden und politisch Verantwortlichen stemmt, das Gesetz auf Praxistauglichkeit abzuklopfen. Der politische Wille von Seiten der Grünen, die Rechte der Sexarbeiterinnen zu stärken, sei jedenfalls weiterhin gegeben, betonte Hebein.

Weg mit Sittenwidrigkeit

Um das zu erreichen, müsse erstmal die Sittenwidrigkeit fallen, wiederholt die Grüne Frauensprecherin im Parlament Judith Schwentner eine alte Forderung von Sexarbeiterinnen-Netzwerken: "Es darf nicht nur Pflichten geben für SexarbeiterInnen, es muss auch Rechte geben. Sie haben eine Meldepflicht, müssen zur Pflichtuntersuchung und sind steuerpflichtig." Mit dem Fall der Sittenwidrigkeit müssten also entsprechende arbeits- und sozialrechtliche Bedingungen einhergehen, so Schwentner. Denn ihre Rechtlosigkeit mache Sexarbeiterinnen - die in Wien laut  Schätzungen zu 80 bis 90 Prozent Migrationshintergrund haben - angreifbar. Das Maßnahmenpaket müsse demnach auch ein eigenständiges Aufenthalts- und Niederlassungsrecht beinhalten. 

Sexarbeit eine Stimme geben

Mit der neuen Kampagne wollen die Grünen Frauen Sexarbeit als gesellschaftliche Realität stärker sichtbar machen und die Gefahren für Prostituierte durch Verdrängung und Verbote aufzeigen. "Verbote tragen nicht dazu bei, dass Sexarbeit verschwindet, sie findet weiterhin statt", stellt Frauensprecherin der Grünen Wien Martina Wurzer fest. Im Gegenteil trügen Verbote zu unsicheren, unkontrollierten Arbeitsbedingungen bei, förderten Zwangs- und Abhängigkeitsverhältnisse und begünstigten Gewalttaten. Die Legalisierung sexueller Dienstleistungen als Erwerbstätigkeit sei also von Nöten, und damit einhergehend auch die Entkoppelung der Prostitution aus den Sitten- bzw. Anstandsnormen. Denn auch die gesellschaftliche Stigmatisierung und Marginalisierung von Sexarbeiterinnen stelle ein Problem dar.

Damit diese Bemühungen vorangetrieben werden, gibt die Kampagne der Sexarbeit eine Stimme: In vier von Maxie Klein gedrehten Videos werden die Lebensgeschichten von Sexarbeiterinnen erzählt, nicht von ihnen selbst, sondern vom Grünen Senioren Schani Margulies. Grundlage der Geschichten sind Interviews mit Frauen, die Hebein geführt hat. (red, dieStandard.at, 30.5.2012)


Links

"Ich seh, ich seh, was du nicht siehst, und das ist ... Sexarbeit in Wien" auf Facebook

Grüne Frauen Wien

Termin

Internationaler Hurentag 2012
Samstag, 2. Juni, 14:00-17:00 Uhr, Praterstern, Wien
Solidaritätsaktion Grüne Frauen Wien gemeinsam mit Lefö

  • "Gegen Verdrängung, Entrechtung und Gewalt. Für gesetzliche Absicherung von Sexarbeit!": Die Grünen Frauen Wien rufen zur Solidarität mit Sexarbeiterinnen auf.
    foto: grüne frauen wien

    "Gegen Verdrängung, Entrechtung und Gewalt. Für gesetzliche Absicherung von Sexarbeit!": Die Grünen Frauen Wien rufen zur Solidarität mit Sexarbeiterinnen auf.

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