Kreditversicherer steigen bei Griechenland aus

30. Mai 2012, 15:18
9 Postings

Kreditversicherern wie Euler Hermes oder der OeKB Versicherung ist die Lage in Griechenland zu unsicher geworden

Frankfurt - Der weltgrößte Kreditversicherer Euler Hermes versichert bis auf weiteres keine Exporte mehr nach Griechenland gegen Zahlungsausfall. "Exporte nach Griechenland sind aufgrund der jüngsten wirtschaftlichen und politischen Unsicherheiten deutlich risikoreicher geworden. Auch die Österreichische Kontrollbank (OeKB) und Coface haben die Ausfuhrversicherungen eingestellt bzw. stark reduziert.

Euler Hermes hat beschlossen, bis auf weiteres keine Lieferungen nach Griechenland mehr zu decken", erläuterte ein Sprecher am Mittwoch. "Sobald sich die Lage verbessert, wird Euler Hermes diese Entscheidung überprüfen."Bereits geschlossene Verträge würden erfüllt, betonte der Sprecher der Allianz-Tochter. "Euler Hermes geht davon aus, dass Griechenland in der Eurozone verbleibt", fügte er noch hinzu.

Kontrollbank-Tochter übernimmt keine Deckungen

Auch die OeKB Versicherung AG, als Tochter der Oesterreichischen Kontrollbank (OeKB) für die Absicherung von Exportgeschäften mit kurzfristigen Zahlungszielen zuständig, übernimmt aufgrund der Gefahr des Austritts Griechenlands aus der Eurozone seit einigen Tagen keine neuen Deckungen mehr für Geschäfte mit griechischen Handelspartnern. "Aufgrund der aktuellen Entwicklungen in Griechenland besteht die Gefahr eines Zahlungsausfalles", teilte die OeKB Versicherung auf ihrer Homepage mit. Bei der Kontrollbank selbst, die für die Deckung von Exportgeschäften mit langfristigen Zahlungszielen zuständig ist, gibt es keinen Stopp. "Die Nachfrage ist aber sehr gering", sagte Peter Gumpinger von der OeKB.

Neben Griechenland werden von der OeKB Versicherung auch Geschäfte mit Ägypten, dem Jemen, Libyen oder Syrien derzeit nicht gedeckt.

Auch der Kreditversicherer Coface Austria ist beim Abschluss von neuen Haftungen oder Garantien für Griechenlandgeschäfte sehr restriktiv. "Wir beobachten Griechenland sehr genau", sagte das für das Risikomanagement zuständige Vorstandsmitglied Gabriele Düker am Mittwoch auf Anfrage.

Politischer Stillstand

Bis zu den griechischen Neuwahlen am 17. Juni erwartet die OeKB Versicherung einen politischen Stillstand im Lande. "Im Rahmen dieser Wahlen rechnen wir mit Zugewinnen für jene Parteien, die das Hilfspaket der EU und des Internationalem Währungsfonds (IWF) ablehnen. Dadurch steht die Eurozonen-Mitgliedschaft zunehmend in Frage. Ein Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone hätte schwerwiegende Folgen für Banken und Unternehmen und deren Zahlungsfähigkeit", heißt es weiter.

Die OeKB-Versicherung führt auch einen Liquiditäts-Engpass ins Treffen, da die Europäische Zentralbank (EZB) bereits die Bereitstellung von Liquidität für einige griechische Banken gestoppt habe. Verschärft werde die Situation auch dadurch, dass die Griechen verstärkt hohe Geldbeträge von den Banken abzögen.

Nachfrage endenwollend

Die Kontrollbank selbst decke nur langfristige Geschäfte ab, so Gumpinger. Die Nachfrage für Griechenland-Geschäfte sei endenwollend. "Wir haben nur ein sehr kleines Obligo." Dieses belaufe sich auf einen einstelligen Millionenbetrag. "Wenn es Anträge gibt, dann werden diese sehr genau angeschaut", so Gumpinger. Etwa wer der Abnehmer ist. Auch die politische Situation werde miteinbezogen. Diese sei derzeit unsicher, es gebe aber keinen generellen Stopp. Die von der OeKB angebotenen Exportgarantien des Bundes würden nur Geschäfte mit Zahlungszielen von über zwei Jahren betreffen. Um das Kurzfristgeschäft würden sich die privaten Kreditversicherungen kümmern.

Bei der Prisma-Kreditversicherung, einer Schwestergesellschaft der OeKB Versicherung, gibt es derzeit kein allgemeines Stopp für Neugeschäfte, aber neue Geschäfte - soferne es welche gibt - "würden wir derzeit aber nicht abschließen", sagte Unternehmenssprecherin Melitta Schabauer. "Es schaut sich heute jeder sehr genau an, wo das Risiko liegt." Bestehende Kunden würden aber nicht im Regen stehen gelassen.

"Ich glaube, wir sind die letzten privaten Kreditversicherer, die jetzt gerade auch ihr Griechenland-Engagement kritisch prüfen", so Melitta Schabauer. Mitbewerber hätten schon vor einem halben Jahr die Neugeschäfte eingeschränkt. Das Vorgehen bei Prisma sei ziemlich identisch mit jenem der OeKB Versicherung: das aktuelle Engagement werde überprüft und auch zurückgenommen. "Wir schauen uns wirklich einzelne Fälle ganz isoliert und individuell an. Wir fahren nicht mit dem Rasenmäher drüber" so Schabauer.

Pauschale Deckung

Das Hauptgeschäft der Prisma sei aber nicht die Versicherung von einzelnen Lieferungen, sondern pauschale Deckungen für das gesamte Geschäft eines Unternehmens, wo dann auch ein Griechenland-Anteil dabei sein könnte. "Große Hoffnungen würde ich niemanden machen, aber es kommt auf den einzelnen Kunden an", so Schabauer. Ihren Informationen nach würden griechische Importeure - wenn überhaupt - Einfuhren gegen Vorauszahlungen machen. (APA, 30.5.2012)

Share if you care.