Peter Stöger neuer Austria-Trainer

30. Mai 2012, 11:19
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Unter dem Ex-Internationalen als Sportdirektor feierten die Wiener ihren letzten Meistertitel. Jetzt soll die Reise nach Europa gehen

Wien - Ob jemand erste oder zweite Wahl ist, entscheidet der Blickwinkel. Peter Stöger war für den Trainerposten bei der Wiener Austria im Moment der Absage von Franco Foda vor acht Tagen erste Wahl. Dass er zweite Wahl sein würde, wusste der 46-jährige Ex-Internationale schon, bevor sich der Deutsche für Kaiserslautern, "aber nicht gegen die Austria" entschied. Das verriet Sportvorstand Thomas Parits am Mittwoch bei der Präsentation des immerhin 16. Austria-Trainers seit der Jahrhundertwende.

So oder so ist für Stöger "ein Traum in Erfüllung gegangen". Schließlich hat er für die Favoritner 267 Pflichtspiele absolviert, hat er für sie 64 Tore geschossen, mit ihnen als Aktiver je drei Meistertitel und Cupsiege gefeiert. Und er hat die Austria 2006 als Sportdirektor an der Seite von Coach Frenkie Schinkels zur bisher letzten Meisterschaft und zum bisher drittletzten Cupsieg geführt.

Kein Groll

Als Parits im folgenden Herbst zunächst als General Manager zur Austria stieß, mussten Schinkels und Stöger wegen eines hartnäckigen Tiefs gehen. Groll ist bei Stöger, dem Parits am Mittwoch ein Loblied sang - " Wir wollten einen österreichischen Trainer. Er passt optimal ins Anforderungsprofil. Er hat zuletzt in Wiener Neustadt einen sehr guten Job gemacht" - keiner zurückgeblieben. Und seine Freude speise sich auch nicht aus der Erkenntnis, dass es in Wiener Neustadt tendenziell schwieriger werden wird, die Klasse zu halten. Dass ihn bei den Niederösterreichern sein ehemaliger Nationalteamkollege Heimo Pfeifenberger (45) beerbt, freut Stöger, habe aber nichts mit ihm zu tun.

Losverhandelt vom Klub, der ihn aus der Regionalliga (GAK) zurück in die Bundesliga holte, hat er sich selbst. Über die Ablösemodalitäten wurde Stillschweigen vereinbart. Damit habe wiederum der am Mittwoch vollzogene Wechsel der Austrianer Christoph Freitag und Dario Tadic nach Wiener Neustadt nichts zu tun.

Stöger, der sein neues Amt am 11. Juni antritt, wurde von der Austria mit einem Zweijahresvertrag ausgestattet - ohne definiertes Zwischenziel (internationaler Startplatz), wie es etwa Karl Daxbacher und dessen Nachfolger Ivica Vastic von Beginn an unter Druck gesetzt hatte. Parits nennt das einen Vertrauensbeweis. Der neue Chefcoach weiß ohnehin genau, wohin die Reise gehen muss, nämlich wieder nach Europa, zumal ab 2013/14 zwei Startplätze in der Qualifikation zur Champions League vergeben werden.

Die Mittel für Veränderungen im Kader wären vorhanden. Mit Manfred Schmid, der Co-Trainer bleibt, wird in den nächsten Tagen dessen Zusammensetzung besprochen. Roland Linz, den Stöger als Sportdirektor seinerzeit von Sturm Graz zum Klub zurückholte, ist für den Coach solange kein Problem, "solange er nicht mehr schadet, als er hilft. Aber das gilt für alle Spieler." Zweite oder erste Wahl, das entscheidet bekanntlich der Blickwinkel. (Sigi Lützow, DER STANDARD, 31.5.2012)

  • Das Namenskärtchen sagt: Chef-Trainer FK Austria Wien.
    foto: derstandard.at/daniel koller

    Das Namenskärtchen sagt: Chef-Trainer FK Austria Wien.

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