26 Millionen Italiener leben in Angst vor weiteren Beben

30. Mai 2012, 10:37
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Geologen kritisierten mangelnde Vorsorge - Nachbeben über Monate hinweg möglich

Rom - Nach dem neuen schweren Erdbeben mit mindestens 16 Toten am Dienstag in der norditalienischen Region Emilia Romagna rechnen Seismologen mit einer langen Nachbebenserie. Die Erdstöße könnten sogar noch Monate lang andauern.

"Es wird bestimmt noch zu weiteren Erdstößen kommen. Nach einem Erdbeben im Jahr 1570, das die Stadt Ferrara erschütterte, dauerten die Nachbeben vier Jahre lang", betonte Gianluca Valensise, Mitglied des nationalen Instituts für Geologie und Vulkanologie. In der Nacht auf Mittwoch wurden über 60 Nachbeben gemeldet. Das stärkste mit Intensität 3,8 auf der Richterskala hatte sein Epizentrum in der Provinz Modena und wurde um 8.00 Uhr gemeldet, berichteten die Experten.

Mangelnde Vorsorge

Italienische Geologen kritisierten unterdessen mangelnde Vorsorge vor schweren Erdbeben. Fast drei Millionen Menschen leben in Gebieten mit einem "hohen Erdbebenrisiko", während 21 Millionen Bürger in Gebieten mit einem "erhöhten Risiko" wohnen. In Italien gebe es aber kaum Prävention, kritisierten die Geologen. 725 Gemeinden in Italien seien von Erdbeben sehr bedroht, eine erhöhte Gefahr bestehe in 2.344 Gemeinden, vor allem in Mittel- und Süditalien.

Auf seismisch aktiven Gebieten befinden sich zwölf Millionen Privatwohnungen und sechs Millionen öffentliche Gebäude. Allein in der vom Erdbeben betroffenen Region Emilia Romagna wohnen 1,3 Millionen Menschen in Gebieten mit einer erhöhten Gefahr, teilte der nationale Rat der italienischen Geologen CNG mit. Besonders bebengefährdet seien Kommunen entlang des Apennins.

Auf Katastrophen vorbereiten

Jetzt solle damit begonnen werden, die Bevölkerung auf schwere Katastrophen vorzubereiten, sagte CNG-Präsident Gian Vito Graziano. 60 Prozent der Immobilien in Italien seien vor 1971 errichtet worden, drei Jahre vor Einführung eines Gesetzes, das antiseismische Standards in der Bauwirtschaft eingeführt hatte.

In Europa sind Italien und Griechenland die am meisten gefährdeten Gebiete. Sie liegen in der weltweit größten Erdbebenzone, die von West- und Mitteleuropa bis nach China reicht, berichteten die Geologen. Dort treten immer wieder tektonische Beben auf. Die Ursachen liegen in gebirgsbildenden geologischen Kräften, so die Forscher. (APA, 30.5.2012)

  • Die Nachbebenserie könnte noch Monate anhalten, warnen Seismologen.
    foto: epa/maurizio degl' innocenti

    Die Nachbebenserie könnte noch Monate anhalten, warnen Seismologen.

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