Spanische Bankenkrise holt Börsen wieder ein

30. Mai 2012, 11:49
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Nur kurz währte die Erholung, am Dienstag setzten Anleger auf ein großes chinesisches Konjunkturpaket. Das schob die Börsen leicht an. Doch schon einen Tag später ist der Effekt verpufft. Die europäischen Aktienmärkte zeigen sich am Mittwoch wieder mit negativen Vorzeichen (zu den aktuellen Marktberichten). Die spanische Bankenkrise verunsichert Investoren erneut.

Vor allem der Schwächeanfall des Euro mache vielen Anlegern zu schaffen, sagte ein Händler. Der Euro notierte mit 1,2460 Dollar so niedrig wie seit dem Sommer 2010 nicht mehr. 

Dämpfer

Dämpfend wirkt auch die Ankündigung, die Europäische Zentralbank (EZB) werde die von der spanischen Regierung geplante Sanierung der angeschlagenen Großbank Bankia mit Staatsanleihen ablehnen. Wie die "Financial Times" (FT) auf ihrer Internetseite mit Berufung auf EU-Offizielle berichtet, haben die Notenbanker den Plan, der Muttergesellschaft von Bankia Anleihen im Wert von 19 Mrd. Euro zuzuschießen, sehr deutlich als nicht akzeptabel bezeichnet. Experten zweifeln zunehmend, ob Spanien die Probleme im Bankensektor aus eigener Kraft lösen kann. Die Bankia-Aktien starteten am Mittwoch in Madrid mit fast sieben Prozent tiefer.

In China dämpften einflussreiche Ökonomen die Spekulationen auf ein Konjunkturprogramm. Derzeit gehe es um die Stabilisierung des Wachstums und nicht darum, die Konjunktur wie 2008 mit einem massiven Stützungsprogramm anzukurbeln, hieß es in einem von der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua verbreiteten Bericht.

CDS und Zinsaufschläge steigen

Hält man spanische Staatsanleihen, dann kostet es immer mehr, sich gegen das Ausfallsrisiko zu versichern. Fünfjährige Swaps zur Versicherung von spanischen Staatsanleihen stiegen am Mittwoch um 21 Basispunkte auf 579 Basispunkte, wie der Datenanbieter Markit mitteilte. Damit beliefen sich die Kosten für die Versicherung von Anleihen über zehn Mio. Euro auf 579.000 Euro. Die CDS Italiens kletterten um 16 Basispunkte auf 532 Basispunkte.

Die Rendite zehnjähriger spanischer Staatsanleihen stieg in der Spitze bis auf 6,606 Prozent. Der spanische Leitindex rutschte mit einem Abschlag von bis zu 2,2 Prozent auf den tiefsten Stand seit mehr als neun Jahren.

Italien beschafft sich teures Geld

Dass die Aufschläge am Sekundärmarkt auf die Realität durchschlagen, hat am Mittwoch auch Italien gemerkt. Das hoch verschuldete Land muss für Anleihen deutlich höhere Renditen zahlen. Bei der Auktion 5-jähriger und 10-jähriger Bonds stiegen die Renditen auf den höchsten Stand seit Dezember beziehungsweise seit Jänner. Insgesamt nahm Italien 5,73 Mrd. Euro ein. Anvisiert war eine Spanne zwischen 4,5 und 6,25 Mrd. Euro. Die Durchschnittsrendite für die 5-jährigen Anleihen lag bei 5,66 Prozent, bei der jüngsten Auktion Ende April mussten 4,86 Prozent gezahlt werden. Der Zins für 10-jährige Bonds stieg auf 6,03 Prozent, nach 5,84 Prozent Ende April. (red/APA/Reuters, 30.5.2012)

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