Stents aus einem Material, das sich auflöst

30. Mai 2012, 10:15
2 Postings

Die Patienten haben dadurch keine permanenten Implantate in der Gefäßwand

Wien  - Resorbierbare Gefäßstützen (Stents) für verengte und dann per Katheter aufgedehnte Koronargefäße sind eines der Top-Themen der Jahrestagung der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft, die ab 30. Mai in Salzburg stattfindet.

Der für allein in Österreich jährlich tausende Koronarpatienten möglicherweise wesentliche Fortschritt bei Kathetereingriffen zur Beseitigung von Verengungen der Herzkranzgefäße bzw. zur Akut-Infarkttherapie sind "biodegradable" Gefäßstents. In den 1970er-Jahren revolutionierte der Schweizer Andreas Grüntzig mit der Ballon-Dilatation verengter Korornararterien die Kardiologie.

Dann kamen die Metall-Stents, welche einmal erweiterte Herzkranzgefäße offen halten sollten. Mit Medikamenten beschichtete derartige aufklappbare Gitterrohr-Implantate folgten. Alle hatten allerdings Nachteile, so Otmar Pachinger, Direktor der Universitätsklinik für Kardiologie der MedUni Innsbruck, bei einer Pressekonferenz in Wien: "Es musste langfristig nachbehandelt werden. Es gab Spätthrombosen." Denn im Laufe der Jahre kann es zur Bildung einer Thrombose kommen, weshalb die PatientInnen blutverdünnende Mittel zu sich nehmen müssen.

Das im Körper verbleibende Metallstück bleibt zudem ein Fremdkörper und kann eine Belastung darstellen. So kann der Stent zum Beispiel immer eine Quelle von lokalen Entzündungen sein.

Neuartige Stents

Das Neueste vom Neuen, so Pachinger: "Erstmals gibt es seit 2012 revolutionäre neue Stents aus einem Material, das sich innerhalb einiger Monate auflöst - so ähnlich wie chirurgisches Nahtmaterial." Das Gefäß hat sich bis dahin regeneriert und kommt ohne Stütze aus. Die Patienten haben somit keine permanenten Implantate in der Gefäßwand. Die lange blutverdünnende Therapie könnte eventuell verkürzt werden und es besteht die Option, vielleicht an der Stelle später noch einen Bypass legen zu können. Bisher stehen Daten von Patienten, welche solche Stents bekommen haben, für zwei bis drei Jahre zur Verfügung. Zu den bei den herkömmlichen Gefäßstützen gefürchteten Spätthrombosen ist es bisher nicht gekommen.

An der Innsbrucker Universitäts-Klinik für Kardiologie wurde vorige Woche erstmalig eine dieser neue Gefäßstützen aus biologischem Material implantiert. "Bei dem Patienten handelt es sich um einen 37-jährigen Tiroler, für den diese Technik perfekt geeignet ist", so Kardiologe Bernhard Metzler, der den Eingriff durchgeführt hat. "Die Platzierung des Stents ist sehr gut gelaufen, wir konnten die Engstelle wie geplant beseitigen", so Metzler. (APA/red, derStandard.at, 30.5.2012)

  • Die Engstelle und ihre Beseitigung sind deutlich zu sehen.
    foto: bernhard metzler

    Die Engstelle und ihre Beseitigung sind deutlich zu sehen.

Share if you care.