Das zähe Werben für die Seestadt Aspern

Julia Herrnböck, 30. Mai 2012, 08:51
  • Mit dem Technologiezentrum Aspern IQ, das von der Wiener 
Wirtschaftsagentur errichtet wird, übernimmt die Stadt Wien "ganz 
bewusst die Vorreiterrolle als erster Bauherr".
    vergrößern 800x532
    foto: standard/corn

    Mit dem Technologiezentrum Aspern IQ, das von der Wiener Wirtschaftsagentur errichtet wird, übernimmt die Stadt Wien "ganz bewusst die Vorreiterrolle als erster Bauherr".

Das Stadtentwicklungsprojekt steht und fällt mit den Betrieben, die sich dort ansiedeln. Bis dato könnte die Nachfrage besser sein

Wien - "Aspern hat einfach was", ist man sich beim Wohnservice der Stadt Wien sicher. Entgegen vieler Unkenrufe, die geplante Seestadt im 22. Bezirk drohe zur "Schlafstadt" zu werden, hätten sich seit dem Startschuss Mitte April zahlreiche Interessenten gemeldet.

Das erste Kontingent von 1600 Wohnungen, die über die Wiener Wohnbauinitiative finanziert werden, sei so gut wie ausgeschöpft, sagt Josef Lueger von der Projektleitung. Die wirklich guten Wohnungen seien "schon längst überbucht".

Vorreiterrolle der Stadt

Mit insgesamt 240 Hektar Fläche ist die Seestadt Aspern derzeit nicht nur das größte Stadtentwicklungsprojekt Österreichs, sondern auch eines der größten Europas. Auf dem Areal - so groß wie 340 Fußballfelder oder der ganze 7. und 8. Gemeindebezirk - sollen bis 2028 rund 20.000 Menschen leben und arbeiten. Geplant sind 8500 Wohnungen und 20.000 Arbeitsplätze. "Die Stadt der kurzen Wege" lautet der Lockruf.

Nicht alles lief bisher nach Plan: 2006 sprach sich die Technische Universität Wien (TU) gegen einen Umzug in die Peripherie aus, auch die Wirtschaftsuniversität (WU) entschied sich gegen diese Möglichkeit. Eine kleine Variante des ursprünglichen Traums vom Forschungsstandort könnte das Technologiezentrum Aspern IQ darstellen, das von der Wiener Wirtschaftsagentur errichtet wird. Die Stadt übernehme hier "ganz bewusst die Vorreiterrolle als erster Bauherr", betont Finanzstadträtin Renate Brauner (SP). Die Signalwirkung des Zentrums sei jedenfalls von "hoher Bedeutung für das gesamte Stadtentwicklungsprojekt", heißt es auf der Projekt-Homepage.

Kritik am Verkehrskonzept

Nicht gerade begeistert über die Planung äußerten sich Verkehrsforscher der TU in einer Analyse der Straßenstruktur im Februar: Die Verbindung zwischen zentralen Orten sei komplex, die Seepromenade wirke "verwinkelt, abgelegen und schwer erreichbar". Es könnte für die Seestadt daher schwierig werden, sich als lokales Zentrum zu etablieren.

FP-Planungssprecher Toni Mahdalik ortet ein "teures Vorstadt-Ghetto" von Rot-Grün, die VP einen "Stadtentwicklungsflop". Das Konzept sei für Wohnbauträger nicht interessant genug. Stimmt nicht, kontert Wohnbaustadtradt Michael Ludwig (SP) - der Andrang sei so groß, dass Bauträger abgewiesen werden mussten. Fest steht: Die Buwog will nicht an den Bauträgerwettbewerben teilnehmen, auch das österreichische Siedlungswerk lässt vorerst die Finger von der Seestadt.

200 Geschäfts-Anfragen

An die vier Milliarden Euro soll der Aufbau des gesamten Stadtteils kosten. In der eigens errichteten "Wien 3420 Aspern Development AG", einer Tochter des Wiener Wirtschaftsförderungsfonds und zu 26,4 Prozent im Eigentum der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG), gibt man sich zufrieden mit der Entwicklung der Betriebe, die sich ansiedeln sollen. Mit drei großen Firmen sei man in Verhandlungen. Es geht um 1300 Arbeitsplätze. "Das gilt für die erste Phase bis 2017, südlich des Sees", erklärt eine Mitarbeiterin.

300 Millionen Euro investiert die BIG-Tochter in die technische Infrastruktur. Gemeinsam mit Spar European Shopping Centers (SES) kümmert sich das Unternehmen um die Auslastung der Geschäfte im Erdgeschoss. 200 Anfragen von Lokalen und Kleingewerben seien eingetroffen, das sei kein schlechter Start. Im Juni soll der erste Bauträgerwettbewerb (760 geförderte Wohnungen und 300 Studentenheimplätze) präsentiert werden. (Julia Herrnböck, DER STANDARD, 30.5.2012)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 95
1 2 3
Ein sozialistischer Albtraum

Dagegen werden Siedlungen wie sie entlang der nördlichen U1 existieren (Großfeldsiedlung, Rennbahnweg) ja richtig lebendige Stadtviertel sein.
Das Flugfeld ist das Ergebnis unfähiger Stadtentwicklungspolitik. In Wien gäbe es genug Gebiete näher an der Stadt, die sich entwickeln ließen, aber wo nichts weitergeht (St. Marx, Nordwestbahnhof, Donauuferplatte bei Kaisermühlen) oder die aber irgendwelchen Firmenzentralen zur Verfügung gestellt werden, statt dort Wohnviertel zu etablieren (ehem. Südbahnhof), obwohl Wien ohnehin zu viele leerstehende Büroflächen hat.

Ein Alptraum

Ich wollte schon immer an einen Ort WOHNEN, ARBEITEN, LEBEN, ESSEN und STERBEN.
Klingt nach einen großen Gefängnis!

ABSONDERN nicht vergessen...

Das Stadtentwicklungsprojekt steht und fällt mit den Betrieben, die sich dort ansiedeln.

Ich tippe auf die bekannte KiK-Fressnapf-Libro-dm-Kombi plus ein paar Wettbüros und Nagelstudios.

solarium nicht vergessen

Und mehrere Handyshops.

Ich dachte bei denen wird nur Geld gewaschen...

1300Arbeitsplätze

Die von anderen Bezirken kommen,oder von Pendlern genutzt werden solche angaben sind an den Haaren herbeigezogen.

Schwarze Blockierer

Die Schwarzen blockieren wieder aus politischen Gründen, wie bei der Donauinsel, Platte, Uno City. Stadtentwicklungsgebiete wie St Marx oder Aspern sind sinnvoll und notwendig für neue Unternehmen, Arbeitsplätze, Wohnraum.

Neue Unternehmen?

Die es nicht gibt sie werden höchstens unternehmen aus anderen Bezirken abwerben und somit gleich ihren Pendlerverkehr mitbringen.

Noch gibts die nicht, die wird es geben.

Es gibt ja auch noch keine Seestadt. Die Konjunktur wird wieder anspringen, dann wirds die geben.

Und noch ein Seestadt-Bashing Artikel mit dem ewig gleichen Inhalt. Wenn die VerfasserIn der TU Diplomarbeit (das ist die Studie mit dem verwinkelt ist schlecht) wenigstens was dran verdienen würd daß Sie tausend mal von denkfaulen Journalisten zitiert wird (ohne jemals gelesen zu werden), hätt wenigsten eine was davon.

Naja, wird ja wohl einen Grund haben...

Was steht denn da drinnen und warum ist der 1. Bezirk nicht völlig dezentral, so verwinkelt wie der ist.

Der Punkt ist doch: welche Kritik macht wann sinn? Zum jetzigen Zeitpunkt die Straßenverläufe zu kritisieren ist um Jahre zu spät, genauso das nachjammern um die verbockten Uniansiedlungen.

Milliardengrab

Meine Einschätzung: Die Seestadt Aspern wird ein Milliardengrab ...

Wird ein hübsches kleines Banlieue. Zumindest der Drogenhandel und die Kleinkriminalität werden sich über die neuen Möglichkeiten freuen....

Es ist jedenfalls ziemlich traurig, dass die Politiker im Jahre 2012 immer noch glauben, dass Satellitenstädte mit Plattenbauten modern sind. Eine gute Stadt ist dicht und kompakt, so wie die neuen Innenstadtviertel von Berlin.

ist genauso hip

wie einst gasometer city...

yep

Einmaliges wohnen dann ziehens schnell aus und kommen nie wieder ;o)

wohnen in den gasometern ist einmalig, nur die mall wurde runtergewirtschaftet - und das an einem standort wo täglich fast 200.000 menschen leider nur vorbeifahren.

D'accord. So wenig mich der Shopping-Mall-Wildwuchs freut frag mich trotzdem jedesmal wenn ich dort bin wie man es schafft an diesem Standort kein Geschäft zu machen. Weit und breit keine Konkurrenz und die Kundschaft sitzt ein paar Stockwerke höher...

mit den paar Bewohnern füllt man aber weder eine U-Bahn, noch ein Einkaufszentrum.
Für beides fehlt das Hinterland.

Ja stimmt auch wieder. Ich vergaß dass dort rundherum bis vor einem Jahr nur G'stättn war.

Ein verzweifelter und aussichtsloser Versuch, eine Immobilie der Gemeinde Wien zu verwerten !

So wie auch im Gasometerghetto St. Marx.

Was für ein Blödsinn! Was denn für eine Immobilie? Das Flugfeld?

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 95
1 2 3

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.