Plastikumhüllter Hohlraum

Einserkastl29. Mai 2012, 19:54
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Unser Sprachgefühl ist schon längst verlegt, verpickt und verstopft - Eine Anekdote

Mit der folgenden Anekdote, die tatsächlich so stattgefunden hat, soll niemand blamiert werden: Sie ist nur ein Lehrstück dafür, wie unser aller Gehirnwindungen dort, wo das Sprachgefühl sitzt, schon verlegt sind, verpickt und verstopft von den Kreationen der Werbe-Blödsprache, die uns gar nicht mehr auffallen, angefangen vom halbwegs harmlosen "Heißgetränk" über die "Babyartischocken" bis zu Schlimmerem wie der "Verwöhnhaarwäsche" - wobei man keinen Rabatt erhält, wenn man auf "Verwöhn" verzichtet und sich einfach die Haare waschen lässt.

Also, die Geschichte geht so, dass sich ein Freund in einem Baumarkt nach vergeblicher Suche nach einem Pflanztrog für seinen Oleander an eine junge Verkäuferin wendet, mit der Frage, wo denn die Pflanztröge mit Henkeln versteckt seien. Das Wort hat sie noch nie gehört, muss sie auch nicht, vielleicht ist sie ja wo groß geworden, wo Pflanzen nicht in Tröge gebettet werden. Was also ist ein "Pflanztrog", ein Kübel, ein Topf? Der Kunde - ein netter, aber manchmal boshafter Mensch - sagt schließlich entnervt: "Nennen wir es plastikumhüllten Hohlraum."

Anstatt ein "Vera... Sie mich nicht" beim Kunden anzubringen, wendet sich die Verkäuferin daraufhin eifrig an eine ältere Kollegin: "Sog, wo habn denn mia die plastikumhüllten Hohlräume? Mit Henkl?", worauf diese entrüstet schnaubt: "Na, plastikumhüllte Hohlräume habn mia nie ghobt!" (Gudrun Harrer, DER STANDARD, 30.5.2012)

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    Im Baumarkt: Keine Hohlräume weit und breit.

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