Junge Eltern in alten Rollenbildern

29. Mai 2012, 19:07
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Susanne Schwab hat Jungfamilien über Hausarbeit, Beruf und Sexualität befragt

Als eine gute Freundin im Alter von 14 Jahren schwanger wurde, begann sich Susanne Schwab immer wieder zu fragen: Warum kommt es auch heute noch relativ häufig zu ungeplanten Schwangerschaften? Und wie wirkt sich der unerwartete Nachwuchs auf das Leben, die Arbeit und die Partnerschaft der meist jungen Eltern aus? Für die 26-Jährige lag es also nahe, ihre Masterarbeit am Institut für Erziehungs- und Bildungswissenschaft an der Karl-Franzens-Uni Graz diesem Thema zu widmen.

Für ihre Untersuchung hat sie 69 Frauen und 47 Männer zwischen 21 und 39 Jahren zu Sexualität, Familie und Beruf befragt. Voraussetzung war, dass diese als Eltern gemeinsam mit ihrem Kleinkind in einem Haushalt leben und beide berufstätig sind oder studieren. 55 Prozent der Befragten haben sich ein Kind gewünscht, beim Rest stellte sich der Nachwuchs ungeplant ein.

Die Ergebnisse haben die junge Forscherin zum Teil sehr überrascht: " Womit ich nicht gerechnet habe, ist der Mangel an Aufklärung", berichtet Schwab. "Obwohl die Befragten ein überdurchschnittlich hohes Bildungsniveau hatten, wurde die Verhütung entweder als Frauensache (54 Prozent) oder als gemeinsame Angelegenheit (46 Prozent) betrachtet. Es gab keinen einzigen Mann, der allein die Verhütungsverantwortung getragen hat." Außerdem gaben 17 Prozent der Männer und drei Prozent der Frauen an, niemals aufgeklärt worden zu sein.

Weniger überraschend ist der Zusammenhang zwischen ungeplanten Schwangerschaften und Bildungsniveau: So zeigte sich auch in Schwabs Untersuchung, dass Eltern mit Wunschkindern über eine deutlich höhere Schulbildung verfügen als quasi versehentlich ins Familienleben gestolperte Männer und Frauen.

Wirklich schockiert zeigt sich die Erziehungswissenschafterin, die den Magister auch in Genderstudies erwarb und zurzeit ihre Doktorarbeit in Psychologie schreibt, aber vor allem über das unverrückbar traditionelle Rollenverständnis der jungen Eltern. "Obwohl auch die befragten Frauen berufstätig waren, mussten sie nicht nur viel mehr im Haushalt arbeiten, sondern fanden das auch noch fair", wundert sich Schwab. "Hier ist noch einiges an Bewusstseinsarbeit zu leisten - auch in den gebildeten Bevölkerungssegmenten." Für ihren kritischen Blick hinter die Kulissen von Jungfamilien hat Schwab vor kurzem den Sonderpreis der Österreichischen Gesellschaft für Familienplanung bekommen, eine Auszeichnung, die für eine Masterarbeit nur selten vergeben wird.

Die eigenen Zukunftspläne sieht die gebürtige Salzburgerin nüchtern-optimistisch: "Natürlich würde ich gerne an der Uni bleiben, aber meine Stelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Erziehungs- und Bildungswissenschaft läuft in zwei Jahren aus. Was danach kommt, ist noch völlig offen."

Dass es mit dem Verbinden von Familie und Beruf gerade für sie als Frau ohnehin nicht einfach wird, ist ihr spätestens seit ihrer Untersuchung höchst bewusst. Entsprechende Pläne liegen also sicherheitshalber vorerst auf Eis. Größere Chancen auf eine baldige Umsetzung hat da schon ihr Wunsch, aus der Masterarbeit ein Buch zu machen. Angesichts der brisanten Inhalte dürfte sich dafür nicht nur eine größere Leserschaft, sondern wohl auch der nötige Sponsor finden. (Doris Griesser, DER STANDARD, 30.5.2012)

  • Susanne Schwab erforscht Familienplanung.
    foto: privat

    Susanne Schwab erforscht Familienplanung.

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